Fondsmanager sollten jederzeit aussteigen können
Merrill Lynch legt Wert auf Unabhängigkeit

Für einen Fondsmanager ist es wenig sinnvoll, sich aktiv in die Geschäfte von Unternehmen einzuschalten. Dieser Meinung ist Bob Doll, President und Chef-Investmentstratege beim US-Vermögensverwalter Merrill Lynch Investment Managers (MLIM). "Wir müssen uns als Fondsmanager die Freiheit bewahren, auch schnell wieder aus einem Wert aussteigen zu können", sagt Doll, der selbst eine Gruppe von Large-Cap-Aktienfonds für MLIM managt.

rez FRANKFURT/M. Für professionelle Investoren wie Hedge-Fonds könne es dagegen durchaus Sinn machen, Einfluss auf das operative Geschäft eines Unternehmens zu nehmen, sagt Doll. Wer an der Geschäftsführung teilnehmen wolle oder sich für ein Aufsichtsratsmandat interessiere, sollte allerdings einen gewichtigen Anteil eines Unternehmens besitzen und den über Jahre halten, gibt der Investmentstratege zu bedenken. "Mit diesen grundsätzlichen Rechten eines Aktionärs wird im Moment allerdings allerhand experimentiert", räumt er ein. Gleichwohl hält Doll nichts von einer schärferen Regulierung von Hedge-Fonds, da freie Märkte die beste Basis für Erträge seien.

Hedge-Fonds etablierten sich in einem Marktumfeld niedriger Bond-Renditen als eine Investmentklasse unter vielen, sagt er. Allerdings wüssten viele Investoren nicht, was Hedge-Fonds könnten und was nicht. "Vielen Anlegern fehlt es noch an realistischen Ertragserwartungen."

Der Konsolidierungsprozess unter Vermögensverwaltern wird nach Einschätzung Dolls anhalten. Der zunehmende Druck auf die Margen lasse die Gesellschaften auch in dieser stark fragmentierten Branche über Größenvorteile nachdenken. MLIM setzt nach Aussage von Doll allerdings vor allem auf "organisches Wachstum". Zukäufe machen für ihn strategisch Sinn, wenn es in einem interessanten Land Eintrittsbarrieren oder günstige Gelegenheiten gebe. Derzeit führe MLIM in Europa keine Gespräche.

Im ersten Halbjahr 2005 konnten große ausländische Fondsanbieter wie Axa IM, JP Morgan, Franklin Templeton und MLIM mit netto mehr als einer Mrd. Euro im Verhältnis zu ihrer Marktposition viel Anlegerkapital einsammeln. Im Gegensatz zur deutschen Konkurrenz verkauften sie überwiegend Aktienfonds. Die Ausländer präsentieren sich im Gegensatz zu großen heimischen Häusern eher als Aktienspezialisten.

Das verwaltete Vermögen der Ausländer in dem über eine Bill. Euro schweren deutschen Fondsmarkt ist allerdings noch niedrig (siehe Tabelle). Doll beziffert den MLIM-Marktanteil mit 0,6 Prozent in Deutschland. Da MLIM aber mit einem weltweiten Marktanteil von durchschnittlich rund einem Prozent und verwalteten 474 Mrd. US-Dollar zu einem der größten Asset Manager weltweit zähle, sei das nicht beunruhigend, sondern zeige Potenzial auf.

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