Fondsmanagerinnen
Weiblicher Umgang mit dem Risiko

Frauen sind im Fondsmanagement die Ausnahme – doch die wenigen Geldverwalterinnen erzielen oft Spitzenrenditen. Auch Anna Ho, das Aushängeschild der Nestor-Fondsgruppe, zählt mit den Anlageleistungen ihres Nestor Fernost Fonds zu den Besten des Fachs.

FRANKFURT. Kaum zu glauben: In Hongkong sind 35 bis 40 Prozent der Fondsmanager Frauen. „Das trifft jedenfalls auf jene zu, die Aktienfonds für den chinesischen Raum betreuen“, sagt Anna Ho, Aushängeschild der Nestor-Fondsgruppe. Die Powerfrau ist ein Glücksfall für die kleine deutsche Firma. Im europaweiten Ranking, das der Londoner Datenanbieter Citywire für das Handelsblatt erstellt hat, zählt sie mit den Anlageleistungen ihres Nestor Fernost Fonds zu den Besten des Fachs.

In Peking geboren, im britischen Kent aufgewachsen, ist Ho früh nach Hongkong gegangen. Die selbstsichere Frau fühlte sich schon sehr bald zur Finanzbranche hingezogen. „Ohne dass ich viel darüber wusste“, räumt sie ein. Nach dem Studium startete Ho als Aktienanalystin bei einer Bank. Vor rund zwölf Jahren wechselte sie zum Asset-Manager Carlson. Entscheidungsfreudig ist sie, freiheitsliebend auch: Dafür nimmt die Managerin sogar finanzielle Einbußen in Kauf. Das galt schon für den Wechsel zu Carlson. „Ich bekam weniger Gehalt“, sagt sie, „aber dafür war ich auf der sogenannten Buy Side“. Als Analystin hatte sie für eine Bank mit eigenem Interesse bei den Empfehlungen gearbeitet, als Managerin bei Carlson war sie nur den Fondsanlegern verpflichtet. Das war ihr lieber, und dabei blieb es.

Ho ist in eine Männerdomäne eingebrochen. Mittelmaß kann sie sich nicht leisten, um da zu bestehen. Denn Männern wird von vornherein mehr zugetraut. Ho hält dagegen. „Ich verkaufe Performance“, sagt sie. Ho hat in den vergangenen Jahren – mit der spektakulären Asien-Hausse im Rücken – einen guten Job gemacht. Es ist harte Arbeit, die ihr wenig Zeit für Hobbies wie Schwimmen und Roller-Skating lässt. Für Börsianer hat sie übrigens eine gute Botschaft, denn Zweifel an der Nachhaltigkeit des asiatischen Super-Aufschwungs wischt sie beiseite. „Das läuft weiter“, sagt Ho.

In gewisser Weise schlägt die Geld verwaltende Asiatin aus der Art. Sie passt kaum ins gängige Vorstellungsschema, das Anleger und Fondsmanager über den typisch männlichen und den typisch weiblichen Umgang mit Geld haben. „Männer sind rationaler und risikoscheuer als Frauen, und Frauen folgen eher ihrer Intuition“, sagt sie. „Ich liebe das Risiko.“

Viele Branchenvertreter sehen das anders herum – sowohl Männer als Frauen. Auch manche Studien attestieren den Frauen im Umgang mit Geld größere Vorsicht. Viele Experten rühmen an weiblichen Geldmanagerinnen außerdem den Trend, eine Fehlentscheidung schneller zu korrigieren als ihre männlichen Counterparts. Männer wie Bernhard Langer von der britisch-amerikanischen Anlagegesellschaft Invesco geben das sogar gerne zu. „Frauen sind die besseren Fondsmanager, weil sie umsichtiger und selbstkritischer sind“, sagt der Investmentchef in Frankfurt.

Seite 1:

Weiblicher Umgang mit dem Risiko

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%