Fondsprojekt Heiligendamm: Viel Pracht, keine Rendite

Fondsprojekt Heiligendamm
Viel Pracht, keine Rendite

Anno August Jagdfeld hat Sinn für das Schöne. Und er versteht es offensichtlich auch, andere Menschen für Glanzvolles aus alter Zeit zu begeistern. Wie anders ist es zu verstehen, dass Anleger des Fundus-Fonds 34 erneut Geld in das Grand Hotel Heiligendamm pumpen, obwohl sie seit 1998 noch nicht einen Euro Rendite gesehen haben? Dennoch ist und bleibt die Finanzierung eine Wackelpartie.

DÜSSELDORF. Nun hat die HVB wohl schwarz gesehen für die weiße Stadt am Ostseestrand, wie das zum Luxushotel umgebaute, klassizistische Häuser-Ensemble in Mecklenburg-Vorpommern auch genannt wird. Sie werde einen im Sommer auslaufenden Zwischenkredit über 15 Mill. Euro nicht verlängern, bestätigte ein Sprecher des Fonds-Anbieters Fundus. Die Kommanditisten, also die Fonds-Anleger, sollen mit Gesellschafterdarlehen einspringen. Das fädelte Jagdfeld schon im Dezember ein. Mehr als eine Mill. Euro an Krediten sei bereits zugesagt worden, sagte der Sprecher. Das Gesellschafterdarlehen wird mit sechs Prozent verzinst.

Doch dem Fonds wird auch noch Geld fehlen, wenn es gelingt, die volle Zwischenkreditsumme bei den Anlegern einzuwerben. Noch immer sind rund 30 Mill. Euro von 157 Mill. Euro Eigenkapital nicht gezeichnet. Weitere 50 Mill. Euro steuerte die öffentliche Hand dazu bei, die nach dem Krieg verkommenen historischen Gebäude in ein Wellness-Hotel der Spitzenklasse umzubauen.

Die Altanleger mögen ihren Fonds vielleicht erneut stützen. Doch immer weniger Neuanleger wollen Jagdfeld dabei helfen, „ein Kulturgut dieses Ranges zu bewahren und eine neue Ferienkultur zu schaffen“, wie er wirbt. Bis die immer fehlenden 30 Mill. Euro zusammen sind, dürfte es daher dauern. Im vergangenen Jahr sammelte die Fundus-Gruppe nach Schätzungen des Fondsexperten Stefan Loipfinger insgesamt rund 15 Mill. Euro ein. Wie viel davon in Heiligendamm ankamen, bleibt ein Geheimnis. Denn Fundus liefert dazu keine Zahlen mehr.

Als Jagdfeld im Herbst 1998 mit der Platzierung des Fonds begann, warb er mit 5,8 Prozent „Anlegernutzen“ genannter Rendite, bestehend aus einer anfänglichen Ausschüttung von zwei Prozent, die bis 2018 auf drei Prozent steigen sollte, und saisonabhängigen Rabatten von 60 bis 30 Prozent auf die Übernachtungspreise.

Jagdfeld hat offensichtlich das Glück, dass vielen Anlegern das Dabeisein im Fonds wichtiger als das Geldverdienen mit dem Fonds ist. Mit dieser Einstellung stehen die Heiligendamm-Anleger nicht allein auf dieser Welt: „Wenn in Luxushotels allein aus Renditegründen investiert würde, wäre noch nie eines gebaut worden“, sagt Martina Fidlschuster, geschäftsführende Gesellschafterin der Hotelberatungsgesellschaft Hotour GmbH.

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