Fondsratings
Feri plant Europa-Allianz

Nach der Übernahme von S&P setzt sich die Konzentration auf dem Markt für Fondsratings fort. Die Bad Homburger Feri Rating & Research, einer der großen Anbieter in Deutschland, schmiedet offenbar an einer Allianz mit einem Branchenpartner, um europaweit präsent zu sein.

FRANKFURT. Dies erfuhr das Handelsblatt aus unternehmensnahen Kreisen. In den nächsten Tagen will die MLP-Tochter Feri die Partnerschaft bekannt geben. Weder Feri noch MLP wollten sich äußern. In der Branche spekuliert man über die Reuters-Tochter Lipper als möglichen Feri-Partner. Lipper, international eines der großen Ratinghäuser mit Schwerpunkt auf institutionelle Kunden, könnte Feri mit Daten über die Fonds-Wertentwicklung aus vielen europäischen Ländern weiter helfen, meinen Marktkenner.

Feri hat ihre Fondsanalyse ursprünglich für die eigene Vermögensverwaltung für institutionelle und private Kunden aufgebaut. Die Gesellschaft würde in eine solche Kooperation ihre europäischen Daten zum Fondsabsatz, die starke Deutschland-Präsenz sowie ein für Endkunden griffigeres Ratingsystem einbringen, heißt es. Eine solche Allianz passt zu den kürzlich von Feri-Research-Chef Tobias Schmidt geäußerten Plänen, den Standort London zu stärken, die Feri-Datenbasis um europäische Daten zu erweitern und elektronisch anzubieten.

Gute Kontakte dürfte es zwischen beiden Unternehmen bereits geben: Die Chefin des Londoner Datenanbieters Feri Fund Markets, Diana MacKay, kommt von Lipper. Detlef Glow, Lipper-Chef des Europa-Researchs, wechselte sogar erst 2005 von Feri zur Reuters-Tochter. Auch Lipper wollte die Kooperationspläne nicht kommentieren.

Der Markt für Fondsratings durchlebt eine Phase der Internationalisierung und Konsolidierung. Internationale Fondsanbieter verlassen sich nach Einschätzung von Branchengrößen wie Morningstar-Gründer Joe Mansueto immer stärker auf einen Datenanbieter, der verschiedene Regionen und Produktgruppen abdeckt. Den jüngsten Kauf der 55 Mrd. US-Dollar schweren Fondsdatensparte des Konkurrenten Standard & Poor's (S&P) begründet Morningstar, nach eigener Aussage Weltmarktführer, denn auch mit dem Trend. „Wir wollen unsere „Präsenz in Europa stärken und dem Trend der Internationalisierung in der Branche Rechnung tragen“, sagte Deutschland-Chefin Anne Connelly. Anfang Juli wird die Verschmelzung der Systeme vollzogen, indem die Bewertung über Wertentwicklung und Kursschwankungen von S&P (die S&P-Sterne) vom Markt verschwindet. „Wir bieten nur das Morningstar-System an“, sagt Connelly, die dieser Tage ihren deutschen Kunden das System vorstellt. Durch die S&P-Übernahme hat Morningstar in Deutschland vor allem seine Kundenbasis verbreitert. „Wir haben unseren Umsatz auf einen Schlag verdreifacht“, sagt Connelly.

Nach der Übernahme der S&P-Fondsdatenbank fehle in Europa ein Gegengewicht zu Morningstar, meint Rudolf Siebel, Geschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI. „Es wäre wünschenswert, wenn ein Anbieter wie Feri in Europa stärker wird“, sagt er. „Die Konsolidierung ordnet den Markt, der wegen der nur scheinbar unterschiedlichen Bewertungssysteme undurchschaubar geworden ist“, sagt Carsten Wittrock, Partner beim Beratungshaus zeb/Asset Management.com.

Die drei Anbieter, Morningstar, Lipper und Feri, stützen ihr Rating auf die systematische Analyse von Wertentwicklung und -schwankung von Fonds in bestimmten Kategorien. Mit diesen quantitativen Ratings geben sie Vermögensverwaltern, Finanzberatern und Investoren Orientierung im unübersichtlichen Markt für Fonds. Allein in Deutschland werden knapp 9 000 Produkte angeboten.

Neben den quantitativen Ratings bieten Analysehäuser zunehmend qualitative Bewertungen des Fondsmanagements an. S&P will sein verbliebenes qualitatives Rating ausbauen. Künftig sollen nicht nur die nach quantitativem Rating besten 20 Prozent der Fonds bewertet werden, sondern auch schlechtere und neue Fonds. Auch Feri bietet ein qualitatives Rating neuer Fonds an. Diese Ratings, die meist im Auftrag der Fondsgesellschaften erstellt werden, ergänzten die quantitativen Ratings, blieben aber von der Marktabdeckung her beschränkt, sagt Siebel. Tendenziell würden qualitative Urteile aber wichtiger, weil Researchleistung zunehmend gepoolt und in der Beratung eingesetzt werde. Von den insgesamt etwa zwölf Fondsratingshäusern am deutschen Markt dürften sich nur zwei Drittel halten, glaubt Wittrock.

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