Fondsschließungen
Was Anleger im Ernstfall tun können

Anleger von offenen Fonds schätzen besonders, dass sie jederzeit und schnell an ihr Geld kommen. Schließt ein solcher offener Fonds aber, wie im Fall Morgan Stanley, kann das Kapital der Anleger zwei Jahre lange eingefroren werden. Was Betroffene tun könnten, wenn eine solche Situation eintritt.
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Schließung des offenen Immobilienfonds: Schließt ein solcher Fonds, so kann das Kapital der Anleger bis zu zwei Jahre lang von der Fondsgesellschaft eingefroren werden. Kunden kommen während dieser Zeit - anders als der Fonds es ursprünglich zugesagt hatte - also nicht mehr an ihr Geld. Stattdessen können sie Schadensersatzansprüche geltend machen.

Schadensersatz gegen Berater:

Haben Banken oder Finanzberater den Kunden nicht auf mögliche Risiken des Fonds hingewiesen, können Anleger Schadensersatz fordern. Denn spätestens seit Ende 2005 hätten die Verkäufer der Anteilsscheine darauf hinweisen müssen, dass ein Fonds bei einem Liquiditätsengpass die Rücknahme von Anteilsscheinen aussetzen kann. Damals hatte erstmals ein offener Immobilienfonds, der Grundbesitz Invest der Deutschen Bank, die Rücknahme von Anteilsscheinen ausgesetzt. Der Fonds war allerdings kurz danach wieder geöffnet worden. Nach Einschätzung von Anwälten müssen Verkäufer ihre Kunden auch darauf hinweisen, dass ein Fonds im schlimmsten Fall abgewickelt werden muss, wenn die Liquidität fehlt. Im Übrigen können Kunden auch gegen den Emittenten des Fonds, also beispielsweise Morgan Stanley, Schadensersatz fordern.

Verjährungsfristen

Schadenersatzansprüche verfallen, wenn sie nicht rechtzeitig geltend gemacht werden. War der Fonds-Verkäufer eine Bank, verjähren Schadensersatzansprüche drei Jahre nach dem Kauf der Anteile. War der Verkäufer der Anteile ein freier Finanzberater, verjähren die Schadensersatzansprüche, erst drei Jahre nachdem der Anleger von der mangelnden Risikoberatung erfahren hat. Im Fall des Fonds P2 Value von Morgan Stanley wäre das der 31. Dezember 2011, weil der Fonds bereits Ende 2008 geschlossen worden war.

Prospektfehler

Fehlen im Fondsprospekt Risikohinweise oder sind die Prognosen zu optimistisch, deutet das auf Prospektfehler hin. Auch hier können sich dem Anleger Schadensersatzansprüche eröffnen. Die Ansprüche verjähren drei Jahre nach Kauf der Papiere.

Managementfehler

Hat das Fondsmanagement Klumpenrisiken verursacht, weil es zu viele Immobilien aus einem Land oder einer Gebäudeklasse gekauft hat, kann dies ebenfalls ein Grund für Schadensersatzansprüche sein.

Wiedereröffnung des Fonds

Wird der Fonds binnen zwei Jahren wieder geöffnet, können Anleger entweder ihre Anteilsscheine zurückgeben und die Wertverluste der Papiere als Schadensersatz geltend machen. Oder sie warten ab, ob sich der Fonds wieder erholt - bzw. im schlimmsten Fall abgewickelt wird.

Abwicklung des Fonds

Bei einer Liquidation des Fonds werden die Immobilien verkauft. Nach Abzug der Kosten wird der Erlös an die Anleger verteilt. Meistens erleiden die Anleger dabei einen Verlust. sos

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