Fondsstrategie
Indexfonds erobern die Börsen Europas

Oft ist es besser, auf ein aktives Management zu verzichten, denn Fondsmanagern gelingt es selten über längere Zeit, Marktbarometer zu schlagen. Indexfonds – oder: Exchange Traded Funds (ETFs) – haben sich als Alternative etabliert.

HB FRANKFURT. Mehr als 560 Mrd. Euro hatten die deutschen Haushalte Ende März 2006 in Publikumsfonds angelegt. Der Löwenanteil entfällt dabei auf klassische Investmentfonds; börsennotierte Fonds holen allerdings rasant auf. Fonds an der Börse zu kaufen, wird immer populärer. Ein Grund: In den vergangenen sechs Jahren hat sich das XTF-Segment der Deutschen Börse als Europas führender Marktplatz für Exchange Traded Funds (ETFs) etabliert. Mit aktuell 117 Indexfonds bietet es die größte Anzahl an gelisteten ETFs unter allen Börsen Europas. Nicht nur das: Das im XTF-Segment verwaltete Fondsvermögen erreichte Ende März 2006 die Rekordhöhe von 32,3 Mrd. Euro. Seit Jahren wachsen die Monatsumsätze und das verwaltete Vermögen mit zweistelligen Raten.

Für den starken Aufschwung gibt es eine Vielzahl von Gründen. Einer davon ist die zunehmende Breite an Anlagealternativen. Investoren haben die (Produkt-)Wahl: Sie können zwischen Anlageformen (Aktien, Anleihen, Rohstoffe etc.), Regionen (Deutschland, Europa, Asien, Amerika etc.), Branchen (Technologie, Gesundheit usw.) oder Stilen wie Value oder Growth wählen - mit den entsprechenden ETFs. Noch vor wenigen Jahren war diese Fülle nicht denkbar; in den ersten Monaten von XTF waren ETFs auf wichtige Standard-Aktienindizes wie Dax, Euro Stoxx 50 oder Stoxx 50 verfügbar.

Schritt für Schritt weitete sich das Angebot aus: Zu den jüngeren Erweiterungen zählen ETFs für Anlagestile wie Nachhaltigkeit und Dividenden oder Länder wie Brasilien, China, Südkorea und Taiwan. Zwar sind die ETFs auf große europäische und nationale Benchmark-Indizes auch heute noch die meistgekauften, allerdings gewinnen die erwähnten Sektoren- und Stile-Produkte an Boden.

Größter Pluspunkt bei den börsennotierten Fonds ist, dass bei ihnen keine Ausgabeaufschläge anfallen, denn die börsenbedingten Kauf- bzw. Verkaufsgebühren machen nur einen Bruchteil der Ausgabeaufschläge aus. Auch bei den Managementgebühren punkten die Produkte, beginnen diese doch bei aktuell 0,09 Prozent pro Jahr und damit deutlich unterhalb der durchschnittlichen Gebührensätze für aktives Fondsmanagement. Für die notwendige Liquidität sorgt die Deutsche Börse bzw. sorgen die von ihr verpflichteten Designated Sponsors.

Und während klassische Fonds nur einmal am Tag handelbar sind, läuft der Handel auf der elektronischen Plattform Xetra fortlaufend zwischen neun und 17.30 Uhr. ETFs lassen sich so einfach wie Aktien handeln, auch Stop-Loss-Orders sind beispielsweise möglich. Eines werden die passiv gemanagten ETFs aber per definitionem nicht schaffen, nämlich eine bessere Wertentwicklung als der ihnen zugrunde liegende Index zu erzielen. Anlegern, die eine derartige Outperformance anstreben, bleibt nur der Griff zu aktiv gemanagten Fonds. Bei diesen versuchen Fondsmanager durch Analyse und Auswahl der Einzelwerte "besser als der Markt" abzuschneiden. Dieses aktive Management verursacht erfahrungsgemäß höhere Kosten als das bloße passive Abbilden eines Index. Entsprechend gilt auch hier, höhere Chancen sind nicht nur mit höheren Risiken verbunden, sondern auch mit höheren Kosten.

Wie stark das Vermögen der ETFs in Europa noch wachsen kann, darüber besteht kein Konsens. Aber die Diskussion dreht sich im Wesentlichen um die Größenordnung. Denn: Das europaweite ETF-Vermögen mit rund 50 Mrd. Euro erreicht auch nach dem massiven Aufschwung erst ein Fünftel des US-amerikanischen ETF-Kapitals. Der Blick in die USA zeigt, wohin die Reise gehen kann.

Autor: Stephan Kraus, Bereich Stock Market Business Development, Deutsche Börse AG.

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