Fondsvergleich
Fondsmanager sehen Schwellenländeranleihen kurz vor dem Tiefpunkt

Jede Erfolgssträhne reißt irgendwann einmal - auch für einen Fondsmanager. In den vergangenen zwölf Monaten erwischte es mit Raphael Kassin einen der in der Vergangenheit besten Manager für Schwellenländeranleihen.

HAMBURG. Der von Kassin betreute Credit Suisse Bond Emerging Markets verlor seit Dezember 2007 fast 39 Prozent an Wert und belegt damit unter 64 Vergleichsfonds den letzten Platz. Fehler im Management streitet Kassin allerdings ab. "Schuld ist der extreme Kursrutsch an den Märkten, gepaart mit dem Mangel an Liquidität", sagt er. Tatsächlich stünden die Preisabschläge für viele Schwellenländeranleihen oft in keiner Relation zu den guten Fundamentaldaten der Emittenten. Mittlerweile hält der Credit-Suisse-Manager aber das Schlimmste für überstanden.

"Manche Anleihen haben inzwischen ein Niveau erreicht, das sonst nur bei einem Länderausfall bezahlt wird", sagt er. An seinem Stil, aggressive Wetten auf unterbewertete Länder einzugehen, will Kassin festhalten. Derzeit machen Anleihen aus Argentinien und Venezuela jeweils fast ein Drittel des Fondsvermögens aus, die Türkei folgt mit einem Gewicht von etwa 16 Prozent.

Alles Länder, die Kassins Konkurrent Geoff Blanning komplett meidet. Zusätzlich macht der Manager des Schroder ISF Emerging Markets Debt Absolute Return um die Problemzonen Russland, Brasilien, Ukraine und Kolumbien einen großen Bogen. "Alles ehemalige Favoriten, deren Preise nun kollabieren", kommentiert er. In Erwartung einer US-geführten globalen Kreditkrise hat Blanning seinen Fonds schon seit längerer Zeit "ultravorsichtig" aufgestellt, was die Ausfall- und Zinsrisiken der Schwellenländer betrifft. "Wir haben nur 16 Prozent des Fondsvermögens in Auslandsschulden von Emerging Markets investiert, zumeist China, Hongkong, Malaysia und Polen", sagt er.

Die Duration seines Gesamtportfolios liegt derzeit bei nur 1,4 Jahren. Zum Vergleich: Kassins Portfolio hat eine mittlere Kapitalbindungsdauer von durchschnittlich 4,7 Jahren und damit ein deutlich höheres Kursrisiko. Auf Zwölf-Monats-Sicht liegt Blanning wegen seiner vorsichtigen Haltung mit einem Gewinn von 9,87 Prozent in seiner Vergleichsgruppe in Führung.

Ähnlich wie Kassin schätzt auch der Schroders-Manager, dass sich der Bärenmarkt bei den Schwellenländeranleihen in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. "Investoren sind an diesen Märkten so defensiv positioniert wie schon seit langer Zeit nicht mehr", sagt er. Das zweite, nicht minder antizyklische Argument für eine bevorstehende Trendwende: Die Nachrichten seien voll von Geschichten über entweder liquidierte oder für Mittelentnahmen geschlossene Emerging-Market-Bond-Fonds, so der Schroders-Manager.

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