Fondsvergleich
Geldanlage mit Ethiksiegel enttäuscht nachhaltig

Viele Nachhaltigkeitsprodukte versprechen den Investoren deshalb mehr, als sie halten können.
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FRANKFURT. Nachhaltige Geldanlage ist für viele private Anleger ein fauler Kompromiss. Nur wenige der Produkte können mit einer ökologisch, moralisch und ethisch einwandfreien Aktienauswahl überzeugen. Ein Großteil der in Deutschland vertriebenen Fonds und Zertifikate setzt lediglich auf die besten unter vielen schlechten Aktien: Das sogenannte Best-in-Class-Prinzip dominiert die Anlagekategorie und führt Investoren in die Irre.

Nach der Best-in-Class-Auswahl werden zwar Unternehmen herausgepickt, die in ihrer Branche ökologische oder ethische Vorbilder sind. Eine Auswahl erfolgt aber in allen Branchen, das heißt, Ausschlusskriterien gibt es keine. Selbst Rüstungskonzerne und Tabakhersteller werden so zu nachhaltigen Unternehmen, weil ihre Geschäfte nur etwas weniger unmoralisch sind als die ihrer Branchenkonkurrenten.

Ein prominentes Beispiel ist die Deutsche Lufthansa: Sie führt viele Nachhaltigkeits-Listen nur deshalb an, weil sie ihre Flugzeuge möglichst voll besetzt starten lässt. Damit verbrauchen Lufthansa-Flieger pro Passagier zwar weniger Treibstoff. In einem Umweltfonds hat die Aktie der Fluggesellschaft aber trotzdem nichts zu suchen. "Die Nachhaltigkeit ist wissenschaftlich nicht hinreichend definiert", sagt Dieter Horst von Pricewaterhouse Coopers (PwC). Die Unternehmensberatung veröffentlicht unregelmäßig Studien zur Nachhaltigkeit. Zuletzt wies PwC dem Anlagethema eine wachsende Relevanz an den Geld- und Kapitalmärkten nach.

Die Experten schrieben aber auch: "Die positive Außendarstellung in der Öffentlichkeit tritt oft in den Vordergrund." Kurzfristig geplante Engagements minderten die positiven gesellschaftlichen Effekte von Nachhaltigkeit. Ziele, Programme und Aktivitäten hierzu werden laut PwC nicht nur abgeschwächt, sondern das Engagement als Ganzes ist infrage zu stellen.

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