Fondsvermögen von Konzernen reichen meist nicht aus, um Zusagen zu decken
Pensionslasten drücken auf die Kurse

Die Pensionslasten der US-Konzerne werden im Jahr 2005 erneut steigen und damit an den Gewinnen und am Eigenkapital der Unternehmen zehren. Das dürfte nach Experteneinschätzung Aktien- und Anleihekurse der betroffenen Unternehmen belasten.

DÜSSELDORF. Nach Berechnungen der Investmentbank Credit Suisse First Boston werden die Pensionsansprüche der Konzernmitarbeiter in den USA zum Jahresende nur zu 85 Prozent aus dem Vermögen der Pensionsfonds gedeckt sein – gegenüber 91 Prozent im Jahr 2004. In Europa ist die Situation ähnlich. Dort sind die Ansprüche Fachleuten zufolge nur zu 80 Prozent gedeckt.

In den USA werden die Mittel für Betriebsrenten in eigens dafür geschaffenen Fonds angespart. Reichen die dort beiseite gelegten Vermögen nicht aus, um künftige Betriebsrenten zu decken, müssen die Konzerne andere Quellen anzapfen. Zum Jahresende werden die Pensionsansprüche von US-Arbeitnehmern um 218 Mrd. Dollar höher sein als die in den Pensionsfonds angesammelten Mittel, wie Wertpapieranalyst David Zion von Credit Suisse ermittelte. Ende 2004 betrug die Lücke nach den Berechnungen der Investmentbank 165 Mrd. Dollar.

Unterdeckungen bei Betriebsrenten haben zu spektakulären Konkursfällen bei Fluglinien wie Delta Airlines oder Northwest Airlines und dem Autozulieferer Delphi geführt. Die Anleihen der Autokonzerne General Motors und Ford wurden wegen der Pensionslasten auf Ramschqualität herabgestuft.

„Kapital, das die Konzerne ansonsten für Investitionen, Dividendenzahlungen, Aktienrückkäufe oder Kreditrückzahlungen zur Verfügung hätten, verschwindet in den Pensionsplänen“, sagt Zion. Betroffen sind vor allem Traditionskonzerne, die ehemaligen Mitarbeitern großzügige Betriebsrenten versprochen und die Beschäftigtenzahlen inzwischen drastisch reduziert haben. Beim Reifenhersteller Goodyear etwa ist die Unterdeckung mit drei Mrd. Dollar 25 Prozent höher als der gesamte Börsenwert des Unternehmens. Bei General Motors entspricht die Lücke 85 Prozent des zu Marktpreisen bewerteten Aktienkapitals. Verschlechtert hat sich die Situation auch bei Rüstungskonzernen wie Raytheon und Lockheed Martin. Mehr als drei von fünf im breit gefassten S&P-500-Index vertretenen Firmen haben derzeit Deckungslücken, wie Zion errechnete.

„Gefährlich ist die Lage vor allem bei den Fluggesellschaften, den Autofirmen und den Metallproduzenten“, sagt Marktstratege Howard Silverblatt von Standard & Poor’s. „Die anderen haben derzeit genug in der Kasse, um Defizite auszugleichen.“ Zu den wenigen Konzernen, die mehr auf der hohen Kante haben, als sie brauchen, gehören Telefongesellschaften wie Bell South und AT&T.

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