Fondsverwalter
Value-Investoren feiern ein Comeback

Ein neuer Optimismus hat breite Kreise der Fondsverwalter erfasst: Spezialisten für günstig bewertete Aktien erholen sich von dem Katastrophenjahr 2008 und verbreiten trotz der spektakulären Gewinne im bisherigen Jahresverlauf weiter Optimismus. Überbewertungen sieht nur eine kleine Minderheit von Geldverwaltern.
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FRANKFURT. Die Stimmung an den Märkten ist so gut wie lange nicht. Nach dem Tief im März sind die Geldverwalter obenauf. "US-Aktien können noch bis zu 30 Prozent steigen, das wäre nicht überraschend - wir sehen keine Zeichen von Inflation", sagt beispielsweise Mary Chris Gay, bekannte Fondsverwalterin bei Legg Mason Capital Management in Baltimore. "Sogar die stark gestiegenen Schwellenländermärkte sind sauber, ich bin guten Mutes", kommentiert ganz ähnlich Michael Keppler von der zwei Mrd. Dollar betreuenden Keppler Asset Management in New York.

Beide Experten sind Aktienverwalter und arbeiten mit einem Value-Ansatz, der auf günstig bewertete Aktien ausgerichtet ist. Diese Konzepte versuchen, Titel zu identifizieren, die beispielsweise aufgrund ihrer Bewertung nach Gewinn, Cash-Flow oder Buchwert als "billig" eingestuft werden können.

Ein neuer Optimismus hat breite Kreise der Fondsverwalter ergriffen - auch wenn manche Häuser wie Feri Finance, das 10 Mrd. Euro betreut, sehr langfristig zu anderen Empfehlungen kommen. Die gute Stimmung hält sich trotz der spektakulären Gewinne im bisherigen Jahresverlauf, die bis in die Größenordnung von 75 Prozent reichen.

Überbewertungen sieht nur eine kleine Minderheit von Geldverwaltern. Der Stimmungsumschwung ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Value-Ansätze im vergangenen Jahr überdurchschnittlich gelitten haben und die entsprechenden Anlagehäuser außergewöhnlichem Druck ausgesetzt waren.

Einer der Hauptleidtragenden war Legg Mason, mit knapp 700 Mrd. Dollar einer der weltgrößten Asset-Manager. In der auf Value-Ansätze spezialisierten Sparte Legg Mason Capital Management unter dem Vorzeigemanager Bill Miller und seiner Mitverwalterin Gay schrumpfte das Vermögen von 70 auf nur noch neun Mrd. Dollar - jetzt sind es wieder 16 Mrd. Dollar. Gründe für den Absturz waren die schlechte Performance und Kapitalabzüge enttäuschter Anleger. "Die Investoren waren unzufrieden", bestätigt die Legg-Mason-Managerin. Miller hatte bis 2006 einen einsamen Rekord inne: Er konnte als einziger Verwalter mit seinem Flaggschiff "Value Trust" für US-Aktien den Index 15 Jahre in Folge schlagen.

Vor zwei Jahren war die Erfolgsserie beendet. Und im vergangenen Jahr verlor der Fonds über die Hälfte an Wert. "Wir haben die Finanzkrise lange Zeit unterschätzt, waren übergewichtet in Finanzwerten und hatten keine Rohstoffwerte, die zeitweise gut liefen", erklärt Gay. Die Verwalterin ist nun froh über die Wende: Der Flaggschifffonds hat im laufenden Jahr wieder 40 Prozent zugelegt.

"Es gibt auch nach den Kurssteigerungen noch viele Chancen", sagt sie. "Standardwerte wie General Electric sind extrem billig." Gay sieht sich durch die Gewinndynamik in ihrem Ausblick bestärkt. Bei den Unternehmensergebnissen für das zweite Quartal hätten drei Viertel aller Firmen die Erwartungen der Analysten übertroffen.

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