Frank Dornseifer im Interview
„Für eine Verteufelung des Hedgefonds besteht kein Anlass“

Hedgefonds haben zweifelhaften Ruhm erlangt. Schuld daran war das Krisenjahr 2008. Doch die Skepsis ist unbegründet, sagt Geschäftsführer des Bundesverbands Alternative Investments Frank Dornseifer.
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Börse am Sonntag: Was ist eigentlich ein Hedge-Fonds?

Frank Dornseifer: Im Grunde genommen ist die Antwort ganz einfach. Denn es handelt sich schlichtweg um einen Investmentfonds, der bei seiner Anlagetätigkeit grundsätzlich keinen Anlagegrenzen oder Ähnlichem unterworfen ist und sich zudem moderner Anlagetechniken bedient. Die Bandbreite der Hedgefonds-Strategien ist entsprechend vielfältig: Long/Short Strategien suchen unter- oder überbewertete Wertpapiere, um von deren unterschiedlichen Wertentwicklungen zu profitieren. Ein Market-Neutral Fonds investiert sowohl in Long- als auch in Short-Positionen, mit dem Zieleines marktneutralen Portfolios, welches jederzeit unabhängig von der Richtung des Marktes Erträge generiert. Relative Value-Strategien versuchen mittels sogenannter Arbitragegeschäfte aus Ineffizienzen der Marktpreise Erträge zu generieren.

Event-Driven-Strategien investieren auf Grundlage von besonderen oder außergewöhnlichen Ereignissen, zu denen Insolvenzen, Restrukturierungen, Mergers & Acquisitions sowie Spin-Outs von Unternehmensteilen zählen. Die Global Makro-Strategie versucht, basierend auf einer makroökonomischen Analyse, Trends an den Aktien-, Zins- und Devisenmärkten frühzeitig zu erkennen und in Erträge umzusetzen. Daneben gibt es natürlich noch
weitere Strategien beziehungsweise Segmente, die der Gruppe der Hedgefonds zugeordnet werden, die ich hier nicht sämtlich aufzählen kann. Wichtig ist mit Blick auf die Anlagetätigkeit von Hedgefonds jedoch klarzustellen, dass eine Mystifizierung der Hedgefonds und den von diesen verfolgten Strategien völlig fehl am Platz ist. Ebenso die häufig vorgetragenen Vorurteile, dass Hedgefonds-Manager Zocker und zudem unreguliert seien. In der Hedgefondsbranche steckt viel Know-how, fundierte Markt- und Unternehmensanalyse und schließlich solides Asset-Management einschließlich ausgefeilter Risikomanagementtechniken.

Anlagetechniken und Strategien, die zunächst im Hedgefondssegment eingesetzt wurden, werden heutzutage häufig von traditionellen Assetmanagern übernommen. Für eine Verteufelung oder Mystifizierung des Fondstyps Hedgefonds besteht also gar kein Anlass.

Wie funktioniert so ein Hedgefonds?

Bei Hedgefonds, wie auch anderen alternativen Investments, handelt es sich um Anlagestrategien und Konzepte, die sich unter anderem durch ein asymmetrisches Risikoprofil auszeichnen und daher nicht unmittelbar eins zu eins Marktverlusten ausgesetzt sind. Hier sollen Hedgefonds also eine Absicherungsfunktion erfüllen. Durch das gezielte Aufspüren von Ineffizienzen auf den Märkten oder bei Unternehmen haben sie aber auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen, indem sie nämlich Märkte effizienter machen und häufig auch als aktive Aktionäre auftreten. Im Portfolio der Anleger sollen Hedgefonds schließlich Diversifikationseffekte heben, ein Aspekt, den viele Investoren mittlerweile schätzen. Vorreiter waren vermögende Privatanleger, Pensionsfonds und sogar Universitätsstiftungen in den USA; heute investieren auch konservative institutionelle Anleger auf der ganzen Welt in Hedgefonds, sogar kirchliche Einrichtungen.

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