Frankfurter Gespräch
„Expansive Geldpolitik ist eine Droge, ein Entzug nicht möglich“

Die Aktienstrategen der vier größten deutschen Fondshäuser glauben an die Aktie und erwarten einen steigenden Dax. Im Frankfurter Gespräch kritisieren die Fachleute aber auch die expansive Geldpolitik und explodierende Staatsdefizite. Besonders skeptisch zeigt sich DWS-Chef Klaus Kaldemorgen. Er fürchtet eine Schuldenfalle.
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FRANKFURT. Im Frankfurter Gespräch des Handelsblatts sehen sie den jetzt bei 5 400 Punkten rangierenden Dax auf 6 500 steigen. Einige der versammelten Experten sorgen sich jedoch um die längerfristigen Folgen der expansiven Geld- und Fiskalpolitik als Reaktion auf die Finanzkrise und den Konjunktureinbruch. "Alle Katastrophen wurden bisher geheilt mit expansiver Geldpolitik, aber das ist eine Droge. Entzug nicht möglich. Die Realwirtschaft wird nachhaltig geschwächt", urteilt DWS-Deutschland-Chef Klaus Kaldemorgen. "Die Verschuldung macht mir die größten Sorgen."

Nach Ansicht der Fachleute können die Anleger zunächst jedoch weitere Aktiengewinne erwarten. Michael Schmidt von Union Investment gibt ein Ziel von 6 400 Dax-Punkten für das erste Quartal vor. Auf Zwölfmonatssicht kommen Kaldemorgen sowie die Aktienleiter von Deka Investment und Allianz Global Investors, Victor Moftakhar und Andreas Utermann, auf eine Marke von 6 500 Punkten. "Das ist nicht abwegig", meint Utermann. "Wenn es 2009 noch eine Korrektur gibt, dann wird sie eher moderat ausfallen", sagt Moftakhar.

Der Allianz-Stratege untermauert seinen recht positiven Ausblick mit einer historischen Rückschau. Danach sind die Kurse vom Top bis zum Finanzkrisentief im März um rund 60 Prozent gefallen. Das entspreche dem Durchschnitt der letzten 19 Börsen-Baissen. "Die anschließenden Erholungen zeigten im Schnitt ein Plus von 75 Prozent - wir sind jetzt bei 55 Prozent", resümiert Utermann. Konkret empfiehlt der Allianz-Mann Technologiewerte wie Amazon. Nach Meinung des DWS-Chefs "sind defensive Titel wie RWE, Eon und zyklische Werte möglicherweise die bessere Wahl." Union-Stratege Schmidt erwartet "einen Favoritenwechsel von zyklischen Werten und Bankentiteln zu zurückgebliebenen Aktien".

Keine Anleiheblase zu erkennen

Am Anleihemarkt rechnen die Experten mit einer Seitwärtsbewegung. Nach Ansicht von Utermann sind "Anleihen nicht zu weit gelaufen, wenn Inflation kein Thema wird." Auch Moftakhar erkennt keine Anleiheblase. Sein Ausblick: "Keine Inflation, damit kein Horrorszenario." Seiner Einschätzung nach könnte die zehnjährige Bund-Rendite im kommenden Jahr auch einmal die Marke von vier Prozent streifen, dürfte aber ansonsten zwischen 3,10 und 3,50 Prozent rangieren. Union-Mann Schmidt erkennt ebenfalls keine große Inflationsgefahr. Er sieht die Bund-Rendite in einer breiten Spanne zwischen drei und vier Prozent.

Kaldemorgen bringt hier den extremen Kapitalbedarf zur Finanzierung des US-Staatshaushalts ins Spiel. Das Schatzamt müsse in diesem Jahr langfristige Schuldverschreibungen für rund 1 800 Mrd. Dollar emittieren, im nächsten für etwa 2 200 Mrd. Dollar. Wichtige Käufer seien China und Japan. Für größere Zukäufe müssten höhere Zinsen geboten werden, "aber das geht aus konjunkturellen Gründen nicht". Kaldemorgen glaubt: "Nur durch einen schwächeren Dollar werden dann die Chinesen motiviert sein, US-Dollar zuzukaufen. Gegen Euro könnte der Dollar Richtung 1,80 oder 1,90 gehen". Schmidt denkt anders. "Ich sehe den Dollar bis zum Frühjahr gegen Euro bei 1,60 bis 1,65." Nächstes Jahr könne die US-Währung wieder bei 1,30 bis 1,35 liegen.

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  • Mein lieber Mann, oh Mann!
    Ob Sparkasse, Raiffeisen, Deutsche bank oder Versicherung: Hier scheint Verdrängung der jüngsten Vergangenheit ein Muß zu sein. Vielleicht kramen die Herren doch mal bei ihren bankrottierenden Fonds nach. Gilt im Geschäft nicht wie bei Ministeriellen Nutzen mehren und Schaden meiden? Allem Anschein wird 2010 mit Sicherheit entscheiden, und das in ganzer Länge von Neujahr bis Sylvester, ob diese weltweite Krise zu dem auswächst, was ich vermute: Für Deutschland wenige Gewinner der Krise und zunehmende Vermögensverluste des gerühmten Otto Normalverbraucher. (Schade, daß man das F O R U M nicht in gesonderter Rubrik weiterführen konnte - so mutiert man im Handelsblatt durch "Artikelnähe" zum Einzelkämpfer)

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