Frankfurter Gespräch: Experten fordern öffentliche Angaben über die Leihe von Wertpapieren
Hedge-Fonds sollen transparenter werden

Hedge-Fonds müssen künftig mehr Transparenz zeigen. Diese Forderung stellten Experten bei einem Frankfurter Gespräch des Handelsblatts, an dem Manager von Unternehmen und Finanzdienstleistern teilnahmen.

FRANKFURT/M. "Mit dem zunehmenden Engagement von Kleinanlegern weltweit führt auch an einer steigenden Transparenz von Hedge-Fonds kein Weg vorbei", sagte Claus Löwe, Geschäftsführer des Hedge-Fonds Arsago. Insbesondere sollten nach Meinung der Experten Angaben zum Verleih von Wertpapieren veröffentlicht werden. Zugleich warnten sie aber vor zu enger gesetzlicher Regulierung.

Weltweit sind Hedge-Fonds ins Blickfeld der Aufsichtsbehörden wie der SEC in den USA und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Deutschland geraten. Auslöser war die Sorge vor riskanten Geschäften, die die Finanzmärkte in eine Krise stürzen könnten. Zudem hatten die Ereignisse rund um die Deutsche Börse durch den Einfluss des Hedge-Fonds TCI, die im Rücktritt des Vorstandschefs Werner Seifert gipfelten, BaFin-Chef Jochen Sanio auf den Plan gerufen. Die Regierung in Berlin prüft zudem strengere Kontrollmaßnahmen für Hedge-Fonds. In der EU-Kommission gibt es hingegen keine konkreten Pläne.

Die Frankfurter Experten sahen es als vordringlich an, dass die Bestände von geliehenen Wertpapieren und die Leihesätze für diese Strategie veröffentlicht würden. Roland Lienau, Mitleiter des heimischen Aktiengeschäfts bei der Deutschen Bank, sagte: "Bei Leerverkäufen ist der Markt nicht sehr effizient. Es gibt kein Monitoring. Es schrillt keine Alarmglocke, wenn es zu schwer wiegenden Veränderungen kommt."

Hedge-Fonds leihen sich oftmals Wertpapiere von Investoren und üben damit einen starken Einfluss auf Unternehmen aus. Sie geben sie später wieder zurück und bezahlen dafür eine Leihgebühr. Josef Broich von der Rechtsanwaltskanzlei Broich, Bayer, von Rom plädierte für ein an der Börse "aufgehängtes System", das die Bestände von geliehenen Wertpapieren veröffentlicht. Die BaFin sollte sich hier nicht einklinken, sagte er. Ernst Fassbender, einer der Deutschland-Chefs von Lazard, hielt mehr Transparenz dann für wichtig, wenn etwa im Fall des Reisekonzerns Tui mittels riesiger Transaktionen auf einen Abstieg aus dem Dax spekuliert werde.

Einig waren sich die Experten aber auch, dass die Hedge-Fonds ihre Geschäfte in der Regel keineswegs ohne jede Kontrolle machen können. Die Regulierungsbehörden schauten den Hedge-Fonds indirekt bereits auf die Finger, sagte Arsago-Geschäftsführer Löwe. Denn die Fonds benötigten in der Regel Kredite. Das Handels- und Kreditrisiko der Banken werde genauestens von den Aufsehern überwacht. Dies bestätigte der Vertreter der Deutschen Bank.

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