Französische Präsidentschaftswahl
Royal-Aktien gegen Sarkozy-Titel

In rund dreißig Tagen wählen die Franzosen einen neuen Staatspräsidenten. Das politische Großereignis beschäftigt in Frankreich nicht nur Politiker und Wahlbeobachter, sondern auch Aktienstrategen. Die Großbank Société Générale hat zwei Aktienzertifikate aufgelegt, mit denen Anleger auf den Sieg des bürgerlichen Kandidaten Nicolas Sarkozy oder dessen sozialistische Konkurrentin Ségolène Royal setzen können.

PARIS. "Dazu haben wir die Programme der Kandidaten auf ihre möglichen Auswirkungen auf die Unternehmen untersucht", sagt Alain, Bokobza, Chef der europäischen Aktienstrategie der Société Générale. Der Ansatz stößt indes auf Skepsis von anderen Finanzexperten. "Die Börse reagiert in der Regel kaum mehr auf Wahlen", meint Christian Parisot, Stratege beim Broker Aurel Leven. "Zudem setzt solch eine Aktienstrategie voraus, dass die Programme auch tatsächlich umgesetzt werden." Ferner seien gerade die französischen Großkonzerne immer weniger abhängig vom Heimatmarkt Frankreich.

Wer sich die Werte in den beiden Baskets der Société Générale, "Elections 2007 Gauche" (für den Wahlsieg der Sozialistin Royal) und "Elections 2007 Droite" (für Sarkozy) auf der Webseite "sgbourse.com" anschaut, ist zunächst erstaunt: Denn von den 27 jeweils in den Körben enthaltenen Werten sind 13 identisch. Die Erklärung: "Beide Kandidaten haben den Kampf gegen die Klima-Erwärmung zu einer Priorität erklärt", sagt Chef-Stratege Bokobza, aus diesem Grund liege beiden Aktienkörben der Wert des Windpark-Betreibers EDF Energies Nouvelle oder auch des Autokonzerns PSA Peugeot Citroën zugrunde. Peugeot entwickelt derzeit einen energiesparenden Hybrid-Motor auf Dieselbasis und habe damit einen Vorsprung vor Wettbewerber Renault.

Ebenso enthalten beide Körbe den Wert des Kommunalfinanzierers Dexia. Denn beide Präsidentschaftsanwärter wollen künftig den französischen Regionen mehr Einfluss zu billigen, womit deren Finanzierungsbedarf langfristig steigen dürfte, vermuten die Strategen.

Wer auf die Wahl des rechten Politikers Sarkozy setzt, sollte sich Werte wie jene vom Mischkonzern Bouygues (Bau, Telekom, Medien), vom Baukonzern Eiffage und auch vom Call-Center-Betreiber Teleperformance anschauen. Diese Titel haben die die Experten der französischen Großbank in ihr "Sarkozy-Zertifikat" gepackt. "Denn Sarkozy will die 35-Stunden-Woche lockern, wovon vor allem Unternehmen mit hohem Personal-aufwand wie die Bauindustrie oder der Service-Sektor profitieren sollte."

Für einen Wahlsieg der Sozialistin Royal empfiehlt sich eher, auf konsumnahe Werte wie Carrefour oder des Modehauses Etam Developpement zu setzen. Denn die linke Politikerin will binnen fünf Jahren den Mindestlohn auf 1 500 Euro monatlich anheben. Der Telekombetreiber Iliad wiederum könnte Gewinner der Steuerpläne von Royal sein; denn sie will die Unternehmensteuern für einbehaltene Gewinne senken. "Da Iliad mit 20 Prozent eine der geringsten Ausschüttungsquoten hat, dürfte das Unternehmen bei solch einem Steuerregime weniger Steuern zahlen", meint Stratege Bokobza.

Es ist aber überhaupt nicht sicher, dass Royal oder Sarkozy das Rennen machen werden. Denn seit einigen Wochen hat der Zentrist François Bayrou deutlich in den Umfragen aufgeholt und Beobachter sprechen ihm echte Siegchancen zu. "Wir analysieren gerade sein Programm. Möglicherweise legen wir noch ein Bayrou-Zertifikat nach, sollten sich klare Effekte für Unternehmen ableiten lassen", kündigt der Chefstratege der Société Générale an.

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