Fünf Fragen an: Gilles Glicenstein
„Markt für ABS-Papiere bleibt instabil“

„Ein Großteil der Probleme ist von den Ängsten der Investoren initiiert“, sagt Gilles Glicenstein, Chef von BNP Paribas Asset Management. In einem Interview mit dem Handelsblatt äußert er sich optimistisch zur Zukunft der Geldmärkte und den Aussichten am Markt für ABS-Papiere.

Handelsblatt: BNP Paribas hat als einziger Anbieter Fonds für forderungsbesicherte Anleihen (ABS) nach deren Schließung wieder geöffnet, mit welchen Folgen?

Gilles Glicenstein: Wir haben am 7. August drei Fonds vorübergehend geschlossen, sie am 28. beziehungsweise 30. August wieder geöffnet. Unter diesen drei Fonds wird nur der „Parvest Dynamic ABS“ auch in Deutschland angeboten. Vom Tag der Schließung bis heute zeigen unsere Fonds fast keine Veränderung der Performance. Zwischen Ende Juni und dem 7. August, dem Höhepunkt der Krise, hat der „Parvest Dynamic ABS“ 6,5 Prozent verloren.

Sie sind demnach stark im heikelsten Segment der schlecht bewerteten US-Hypothekenpapiere investiert?

Nein, die Subprime-Vermögenswerte sind ausschließlich mit den besten Ratings „AAA“ und „AA“ bewertet. Keiner dieser Vermögenswerte wurde in den letzten Monaten herabgestuft oder hat Ausfälle erlitten. Die Engagements der drei Fonds im Subprime-Segment belaufen sich auf weniger als 35 Prozent.

Wie reagierten die Anleger?

Am Tag der Schließung waren in den Fonds rund 1,5 Mrd. Euro investiert, jetzt sind es noch etwa eine Mrd. Euro. Die Investoren zogen demnach bis zu 500 Mill. Euro ab. Wir waren in der Lage, Papiere zu verkaufen und – mit geringer Auswirkung auf die Performance – die Mittelabflüsse zu kompensieren.

Welche Stimmung registrieren Sie unter den Investoren heute?

Vereinzelt gibt es Anlageinteresse. Aber die Investoren suchen dann meist gezielt ABS-Papiere mit niedrigem Rating, die besonders stark belastet sind – weil sie hier auf die größte Kurserholung hoffen. Unsere Fonds sind allerdings zu 90 Prozent in den besser gerateten Titeln investiert. Der ABS-Markt an sich ist weiterhin labil, es gibt nur wenige Transaktionen. Und die Preisvorstellungen potenzieller Käufer und Verkäufer liegen recht weit auseinander.

Wie ist es um den Zustand des ABS-Marktes bestellt?

Der US-Immobilienmarkt ist in schlechtem Zustand. Und bei manchen Hypotheken werden wir Ausfälle sehen. Aber ein Großteil der Probleme ist von den Ängsten der Investoren initiiert. Wenn das Vertrauen zurückkehrt, könnte auch die Liquidität bei ABS und in den Geldmärkten so schnell zurückkehren, wie sie vor zwei Monaten verschwand – praktisch über Nacht.

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