"Fund Forum" in Barcelona
Investoren meiden Fonds

Der Asset-Management-Sektor bekommt die Folgen der Kreditkrise durch Vertrauensverlust, fallende Verkaufszahlen und sinkende Gewinne zu spüren. Das sagten Vermögensverwalter auf dem Branchentreff "Fund Forum" in Barcelona. Gleichzeitig prangerten die Fachleute unabhängig von der weiter schwelenden Krise Defizite an: die Flut neuer Produkte und Mängel in der Kundenberatung.

BARCELONA. Eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unter institutionellen Investoren und Anlagegesellschaften wie Investmentfonds und Hedge-Fonds fördert zutage, dass 60 Prozent der Befragten einen Vertrauensverlust der Fondsverwalter durch die Folgen der Kreditkrise ausmachen. "Das ist eine recht hohe Quote", urteilte James Suglia, KPMG-Partner aus Großbritannien. Erschreckend ist auch das Ergebnis, dass nur 43 Prozent der Befragten ihr Engagement in komplexen Finanzinstrumenten, um die sich die Krise rankt, ganz oder zumindest teilweise quantifizieren können. Nur 59 Prozent können die damit verbundenen Risiken ganz oder teilweise beziffern. Die Fragen wurden im Frühjahr gestellt.

Die Folgen der Kreditkrise dürften die Anlagebranche laut Experten längerfristig belasten. "Die Gewinne werden unter Druck kommen", schätzte beispielsweise Helena Morissey, Leiterin von Newton Investment Management. An den Absatzzahlen bei den meist auf Privatanleger zielenden Publikumsfonds ist das bereits zu spüren. "Wachstum gibt es nicht mehr, das ist alarmierend", sagte Jean-Baptiste de Franssu, Leiter des kontinentaleuropäischen Geschäftes von Invesco. "Das beunruhigt auch mich", stimmt Mark McCombe, Leiter des Investmentgeschäftes der HSBC-Gruppe, zu.

Während die Anlagegesellschaften in Europa 2006 noch Fondsanteile für netto 254 Mrd. Euro verkauft hatten, mussten sie im Folgejahr bereits Papiere für 47 Mrd. Euro zurücknehmen. Diese Abflüsse schwollen allein den ersten vier Monaten des laufenden Jahres auf 142 Mrd. Euro an. Dabei scheinen allerdings auch Enttäuschungen über Wertentwicklungen mitzuspielen. "Viele der neuen Produkte haben den Herausforderungen durch die jüngsten Stresssituationen an den Börsen nicht standgehalten", urteilte Elizabeth Corley, verantwortlich für das Europageschäft von Allianz Global Investors.



Nach dem Urteil der Experten wirken hier über die schlechten Kapitalmarktbedingungen hinaus auch andere längerfristige Trends schädlich. Darauf weist die schon vor zwei Jahren beginnende Erosion der Absatzzahlen hin. "Das ist beispielsweise das gestiegene Konkurrenzangebot von Zertifikaten und strukturierten Produkten durch die Banken", sagte Diana Mackay, Geschäftsführerin der Londoner Fondsanalysefirma Lipper Feri.

Ihrer Beobachtung nach wirkt sich die Produktinflation in Verbindung mit immer stärkeren Nischenportfolios zum Schaden der Anleger aus. Parallel dazu sinkt die Haltedauer der Fonds in den Kundendepots. "So mutiert die Fondsbranche zu einer Modeindustrie, und es ist kein Ende absehbar", sagte Mackay. Nur diese neuen Produkte garantieren den Fondsanbietern und Vertrieben laut den Lipper-Feri-Daten noch gute Absätze. Das bestätigte eine Umfrage unter den Konferenzteilnehmern. Danach bestreiten 30 Prozent der Befragten über die Hälfte ihres Absatzes mit neu aufgelegten Fonds.



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%