Fund Forum in Monte Carlo
Vermögensverwalter suchen den Neuanfang

Die Vermögensverwalter brauchen neue Geschäftsmodelle. Darüber waren sich Vertreter großer Asset-Manager und unabhängige Berater auf dem Fund Forum in Monte Carlo einig. Die Meinungen gehen auseinander, was konkret in der Krise getan werden muss. Manche Experten warnen vor Überreaktion – auch bei der Regulierung.

MONTE CARLO. Bei der bedeutenden Asset-Management-Konferenz diskutieren mehr als 800 Branchenvertreter noch bis zum Ende der Woche ihre Lage. „Wir brauchen ein ganz neues Geschäftsmodell, weil wir viel Vertrauen verloren haben“, sagt etwa Alain Dromer, Leiter von Aviva Investors. Dagegen glaubt Edward Bonham Carter, Chef von Jupiter Asset Management: „Es kann nur eine Evolution geben.“ Ganz ähnlich warnt Martin Gilbert, Gründer von Aberdeen Asset Management: „Es gibt eine klare Gefahr der Überreaktion in unserer Branche.“

Zugleich fürchten Asset-Manager nach den Erfahrungen mit schlechten Anleiheprodukten, der Lehman-Pleite oder dem Betrugsfall Madoff neue rechtliche Auflagen. „Eine Flutwelle an Regulierungen steht ins Haus“, sagt Tom Brown, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Er spricht von „dramatischen Auswirkungen auf die Branche, das sind schlechte Nachrichten.“ Fachleute erwarten, dass neue Auflagen die Kosten der Anbieter erhöhen.

„Das ist wie in früheren Zeiten der Ruf nach mehr Transparenz und Risikomanagement. Diese Ansätze sind gescheitert“, kritisiert José Benjamin Longreé, einer der Leiter von Caceis Investor Services. Seiner Ansicht nach ist es beispielsweise wenig sinnvoll, bei langfristig laufenden Vorsorgeprodukten eine tägliche Bewertung und den Einsatz immer liquider Investments zu fordern: „Das macht hier keinen Sinn.“ Es gibt allerdings auch andere Meinungen. So sagt Aviva-Mann Dromer: „Es gibt einen Mangel an Transparenz bei Produkten und Gebühren. Wir müssen mehr Regulierung akzeptieren.“

Ein entscheidender Punkt in der Frage, wie Asset-Manager künftig aufgestellt sein müssen, ist die Größe des Anbieters und seiner Produktpalette. Benjamin Phillips, Partner bei der Beratungsfirma Casey Quirk & Associates plädiert für eine globale Ausrichtung. So hätten seiner Berechnung nach in den USA international aktive Asset-Manager in den vergangenen zwei Jahren etwa ein Drittel der Gewinnmarge eingebüßt. Die spezialisierten und eher national ausgerichteten kleinen Häuser verloren dagegen zwei Drittel.

Auf der Empfehlungsliste für künftige Gewinner setzt Phillips auf eine Ausrichtung auf Altersvorsorgeprodukte und vermögende Kunden. Amin Rajan, Leiter der Researchfirma Create kritisiert jedoch, dass die Anforderungen der Kunden weit davon entfernt sind, „was die Branche heute leistet“. Institutionelle Investoren suchten globale Aktienportfolios, Indexfonds, Angebote für Schwellenländer, Rohstoffe und Private Equity. Privatkunden wollten dagegen eher Kapitalschutzprodukte und positive Ertragsziele.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%