Furcht vor Panikverkäufen
Geldmarkt spielt verrückt

Investmentgesellschaften sorgen sich um klassische und konservative Geldmarktfonds. Anbieter fürchten Panikverkäufe, weil Anlegern wichtige Informationen über Risiken fehlen. Für die Zukunft erwarten Experten mehr Transparenz bei Laufzeiten und Kreditrisiken sowie mehr Veröffentlichungspflichten.

FRANKFURT. "Es ist die Angst vor einem möglichen Herdentrieb, bei dem die Anleger völlig undifferenziert Anteile an den wertstabilen Produkten zurückgeben", sagt ein Wirtschaftsprüfer, der nicht namentlich genannt werden möchte. Im Extremfall müssten Fonds geschlossen werden, sollten deren Barreserven durch Anteilsrückgaben erschöpft und außerdem die Handlungsmöglichkeiten des Fondsmanagers durch einen zu hohen Anteil an illiquiden Positionen im Portfolio gegen null gehen.

An diesen illiquiden Positionen entzünden sich die aktuellen Diskussionen. Im Zuge der Kreditkrise waren nach dem Austrocknen der Märkte für forderungsbesicherte Anleihen (ABS) vor etwa einem Jahr die darauf spezialisierten Fonds ins Trudeln gekommen - einige mussten eingefroren werden. Nun fürchten Anbieter auch um klassische und konservative Geldmarktfonds. In diesen Fällen geht es vor allem um die Beimischungen von Unternehmensanleihen, die Firmen zur kurzfristigen Refinanzierung begeben, sogenannte Commercial Paper (CP). "Hier liegt für Geldmarktfonds das größte Risikopotenzial", sagt Justin Meadows von Mytreasury, einer Internetplattform für Unternehmen.

Auch diese Märkte sind jetzt ausgetrocknet, die entsprechenden Positionen in Fonds praktisch illiquide. Entsprechend explodierten beispielsweise bei US-CP die Renditevorsprünge von Papieren schlechter Emittenten gegenüber guten Adressen (Grafik). In den USA sind bereits Fonds in Schieflage geraten. "Die waren hoch konzentriert in Bankenanleihen aller Art", sagt Frank Hagenstein von Deka Investment.

Das Problem dürfte sich mit der wohl unvermeidlichen Konjunkturabschwächung und den damit verbundenen weiteren Belastungen für die Unternehmen verschärfen. "Hier sind noch Ausfälle bei den Papieren denkbar, die Fonds könnten aber schon in Schwierigkeiten geraten, wenn es nur zu stärkeren Fondsrückgaben käme", sagt der bekannte Vermögensverwalter Jens Ehrhardt.

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