Fusion von Fefsi und Eama soll bei Brüsseler Politikern stärkeres Gehör finden
Fondsverbände bündeln ihre Kräfte

Die Europäische Union schränkt die nationalen Gesetzgeber immer weiter ein. Das spürt auch die Asset-Management-Branche. Sie will in Zukunft ihre Interessen nachhaltiger vertreten und wird deshalb bald mit einer Stimme sprechen.

FRANKFURT/M. Der Zusammenschluss der beiden wichtigsten Gruppierungen der Branche ist beschlossene Sache. Im Januar 2004 soll die Fusion des Verbandes der 21 nationalen Investmentverbände Fefsi und der in der European Asset Management Association (Eama) zusammengeschlossenen 28 Vermögensverwalter und sechs nationaler Fondsverbände abgeschlossen sein.

Dieser Schulterschluss ist für alle Beteiligten ein Fortschritt. „Brüssel möchte eine Stimme der europäischen Asset-Management-Branche haben“, sagt Klaus Moessle, Eama- Präsident und Geschäftsführer der Deutsche Asset Management in Frankfurt, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Bis jetzt vertritt die Branche ihre Interessen noch aufgeteilt nach ihren wichtigsten Zielgruppen: Die Fefsi konzentriert sich auf die Anbieter von Investmentfonds für Privatkunden, während die im britischen Umfeld initiierte Eama stark auf die Assetmanager für institutionelle Anleger ausgerichtet ist.

Moessles Ziel: „Wir wollen von Brüssel richtig eingeordnet werden, als eigenständige Industrie, die von anderen Finanzdienstleistern zu trennen ist.“ Das müsse mittelfristig auch in den die Investmentfonds- Branche berührenden EU-Regelungen zum Ausdruck kommen.

Eines der wichtigen Themen für die Eama ist die eindeutige Abgrenzung der Verantwortlichkeiten innerhalb einer Mandatsbeziehung. Es geht für Moessle „um eindeutig definierte Rollen“. „Asset-Manager und ihre Kunden, häufig auch die Consultants, müssen sich klar sein, was Vermögensverwalter als Treuhänder leisten können und sollen“, sagt der Geschäftsführer der Deutsche-Bank-Tochter und gibt ein Beispiel: Die britischen Pensionsfonds waren in der Hausse mit Aktienquoten von 70 bis 80 % möglicherweise von einer optimalen Vermögensaufteilung entfernt. „Es muss geklärt werden, wer in diesen und ähnlichen Fällen die Verantwortung für die Asset-Allocation trägt - ob es der Manager, der Pensionsfonds- Träger oder der Consultant ist“, sagt Moessle.

In dem Entwurf zur EU-Pensionsfondsrichtlinie sei das Erfordernis einer an den Verbindlichkeiten ausgerichteten Anlagepolitik zumindest angedeutet (Prudent Man Rule). Zu den Lehren aus der Aktienmarktkrise will die Eama im Herbst ein Handbuch mit einschlägigen Beiträgen aus Wissenschaft und Praxis vorlegen.

Ein weiteres Thema ist die bestmögliche Orderabwicklung im Interesse des Investors (Best Execution) sowie deren praktische Umsetzung: „Ein zwischen Fefsi und Eama abgestimmtes Diskussionspapier ist jetzt veröffentlicht worden.“ Im Juli hatte die Eama bereits ein Handbuch mit Standards zur Konstruktion von Aktienindizes veröffentlicht. Es enthält Anforderungen an die Konstruktion und die Überwachung von Aktienindizes (Best Practice), so dass Manipulationsmöglichkeiten weitgehend ausgeschlossen sind: „Es ist eine Aufgabe der Asset-Manager, ihre Kunden über Vor- und Nachteile bestimmter Indizes zu informieren“, meint Mansfeld.

Aktionsbedarf bei der Selbstregulierung der Branche sieht auch Wolfgang Mansfeld, Fefsi-Präsident und Vorstand der genossenschaftlichen Union Asset Management. „Wenn wir das Thema Verhaltensgrundsätze nicht weiter vorantreiben, kommt der Gesetzgeber und gibt Spielregeln vor“, sagt er gegenüber dem Handelsblatt. Der deutsche Fondsverband Bundesverband Investment und Asset Management BVI hat zwar bereits so genannte Wohlverhaltensregeln verabschiedet. „Aber andere Länder tun noch mehr“, sagt Mansfeld ungeduldig und zählt eine Fülle von Beispielen auf: Die Schweizer verabschiedeten Leitsätze für die Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern. Frankreich arbeitet an ethischen Verhaltensnormen im Hedge-Funds-Geschäft. Die Schweden definieren gute Anlageberatung.

Wie Moessle spricht Mansfeld auch die Asset-Allocation an. Hier sieht er eine Herausforderung für die Publikumsfondsgesellschaften: „Fondsgesellschaften haben das Know-How dafür. Sie beraten zwar nicht selbst, aber sie können Empfehlungen geben. Dafür brauchen sie mehr Wissen über den Endkunden.“

Darüber hinaus liegen dem Fefsi-Mann mögliche Kosteneinsparungen bei Verwaltung und Administration am Herzen. „Es gibt zwar einen EU-Pass, der den grenzüberschreitenden Verkauf von Produkten erleichtert. Aber es gibt eben keinen Pass für Dienstleistungen wie Depotbankservice und Fondsbuchhaltung“, moniert der Union-Vorstand. In vielen europäischen Ländern müssen Fondsbuchhaltung und Asset-Management im gleichen Land angesiedelt sein. Eine deutsche Gesellschaft kann ihre Fondsbuchhaltung beispielsweise nicht nach Polen auslagern. Die grenzüberschreitende Bündelung der Fondsadministration ist ein Traum für den Fefsi-Mann: „Wäre das möglich, könnten in Europa viele Milliarden Euro eingespart werden. Vielleicht hätte ein Land wie Polen nach dem EU-Beitritt auf diesem Feld eine Standortchance.“

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