Galleon-Fonds
US-Insiderskandal war seit Jahren bekannt

Neuer Skandal, altes Bild: Laut US-Medienberichten wurden die amerikanischen Behörden schon seit Jahren über das Insidernetz des Hedge-Fonds Galleon informiert. Schon um die Jahrtausendwende soll es Warnungen gegeben haben. Wie im Fall des Betrügers Bernhard Madoff blieben diese jedoch ungehört.
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HB NEW YORK. Im Fall des skandalumwitterten US-Hedge-Fonds Galleon haben die Alarmglocken laut Medienberichten schon weit früher geschrillt als bisher bekannt. Einschlägige Warnungen gab es demnach bereits vor Jahren, doch die US-Behörden schlugen in der mutmaßlich größten Insider-Affäre eines Hedge-Fonds erst vor zwei Wochen zu.

Der Hauptverdächtige des Wall-Street-Skandals, Raj Rajaratnam, hat inzwischen eine massiv niedrigere Kautionssumme beantragt. Statt der gezahlten 100 Mio. Dollar (68 Mio Euro) seien auch 25 Mio. Dollar genug, meinte der Anwalt des Hedge-Fonds-Managers. Rajaratnam wolle nicht fliehen, sondern vor Gericht seine Unschuld beweisen. Die Staatsanwaltschaft ist anderer Meinung. Ein Richter muss entscheiden.

Auch im Fall des verurteilten Mega-Betrügers Bernard Madoff hatten die US-Behörden viele Hinweise über Jahre hinweg nicht verfolgt. Nun wird bei dem 52-jährigen Rajaratnam ebenfalls über Pannen spekuliert.

So stand die heutige Hauptzeugin gegen Rajaratnam schon im Jahr 2000 vor Gericht, wie die "New York Times" am Freitag berichtete. Auch damals habe sie den Manager mit vertraulichen Informationen für illegale Aktiengeschäfte versorgt, zitiert das Blatt eine mit dem Fall vertraute Person. Die Behörden hätten den in den Akten nicht namentlich genannten Milliardär aus unbekanntem Grund nicht belangt.

Weiteres frühzeitiges Alarmsignal: Ein Analyst der US-Großbank JP Morgan habe seinem Arbeitgeber bereits 2001 empfohlen, das Engagement bei Galleon zurückzufahren, so die "Financial Times" unter Berufung auf interne Dokumente. Der Hedge-Fonds liebe es, "in den grauen Ecken des Marktes" zu agieren, urteilte der Experte demnach. Ob JP Morgan auf den Mitarbeiter hörte, blieb offen.

Die Ermittler hatten den in Sri Lanka geborenen Galleon-Mitgründer Rajaratnam und fünf angebliche Komplizen vor zwei Wochen festgenommen. Sie sollen unerlaubte Aktiengewinne von 20 Mio. Dollar eingestrichen haben. Für vertrauliche Informationen bezahlte Rajaratnam laut Medien auch Mitarbeiter von Banken. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe.

Rajaratnam musste im Zuge der Kaution auch seinen Pass abgeben und darf sich nicht weiter als knapp 180 Kilometer von New York entfernen. Der Manager müsse aber reisen, etwa um seinen Fonds wie geplant geordnet abzuwickeln, schrieb der Anwalt.

In den Skandal verwickelt sind unter anderem US-Topkonzerne wie der IT-Gigant IBM sowie die weltweit führenden Chiphersteller Intel und AMD. Auch Aktien des Internet-Riesen Google sollen illegal gehandelt worden sein.

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