Gefahren für Euroland-Aktien
Kursverluste bereiten Fondsmanagern Probleme

Wenn Nils Bartram die jüngsten Kursabschläge an den europäischen Aktienmärkten Revue passieren lässt, dann beschleicht den Manager des H&A-Main-I-Universal-Fonds ein ungutes Gefühl. Der beim Münchner Privatbankhaus Hauck & Aufhäuser angestellte Aktienexperte kann sich durchaus vorstellen, dass es in den kommenden Monaten noch weiter bergab geht.

HAMBURG. Und das, obwohl er betont: "Rein fundamental ist das Rückschlagpotenzial für den Euro Stoxx 50 zwar begrenzt." Denn als Auslöser der Verkaufswelle vermutet Bartram institutionelle Anleger wie Versicherungen, die angesichts der unerwartet hohen Verluste an den Rentenmärkten dazu übergegangen seien, auch an anderer Stelle Risiken herunterzufahren. Sollte sich ein entsprechender Trend herausbilden, stünden die europäischen Börsen angesichts der in den Sommermonaten traditionell sinkenden Liquidität vor einer "schwierigen Situation".

Aktuell hat Bartram, der mit seinem überwiegend in Mitgliedsländern der Währungsunion investierenden Fonds im jüngsten Zwölf-Monats-Vergleich seiner Kategorie den zweiten Platz belegt, die Barreserve auf zehn Prozent angehoben. Sollten sich die Aussichten weiter verschlechtern, hält er ein Maximum von 20 Prozent für denkbar. Zudem erwägt der H&A-Manager, einige seiner Meinung nach besonders gefährdete Bank-, Versicherungs- und Energietitel gegen Aktien aus defensiveren Bereichen wie der Pharma- oder Telekom-Branche zu tauschen und den Anteil von Nebenwerten zu reduzieren. Angesichts der deutlich gestiegenen Bewertungen gebe es dort kaum noch Spielraum. "Die guten Zahlen, die viele Unternehmen aus der zweiten Reihe versprochen haben, wollen die Märkte jetzt auch sehen", sagt Bartram.

Deutlich weniger dramatisch beurteilt Chris Complin die jüngsten Rückschläge. "Wir erleben gerade eine Korrektur in einem klassischen Bullenmarkt", sagt der Leiter des europäischen Aktienteams von JP Morgan Asset Management. Wie lange diese Korrektur dauere, lasse sich freilich nicht exakt vorhersagen - ebenso wenig wie die weitere Reaktion institutioneller Investoren. "Statt eines Ausverkaufs wäre es ebenso gut möglich, dass Versicherungsgesellschaften nach den Verlusten am Rentenmarkt die deutlich besser gelaufenere Anlageklasse Aktien wieder etwas stärker gewichten", meint Complin.

An der Ausrichtung des von ihm betreuten JP Morgan Euroland Equity Fund will Complin deshalb auch bis auf weiteres nichts ändern. Dort gehören Finanztitel wie ING, Allianz oder Unicredit nach wie vor zu den größten Positionen, Ölfirmen wie Eni oder Total sind ebenfalls prominent gewichtet. Fundamental sieht der JP-Morgan-Manager europäische Aktien angesichts eines durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 13 weiter als "klaren Kauf".

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