Geld & Börse: Steuersparfonds
Auf halber Strecke

Die Steuersparfonds bekommen wegen der politisch unsicheren Lage kaum noch frisches Geld rein. Anlegern, die bereits beteiligt sind, drohen Verluste.

Das Ambiente war perfekt für ein bisschen Lobbyarbeit. Pfingstsonntag, beste Sendezeit, das vollbesetzte Amphitheater im türkischen Aspendos: Hollywood-Muskelmann Ralf Möller ("Gladiator") plaudert über sich und die Welt. Millionen "Wetten, dass"-Zuschauer erfahren im ZDF, dass Möller gern mal die Boxlegende Max Schmeling spielen würde. Doch das Filmprojekt sei gefährdet, jammert Möller: "VIP würde es gerne finanzieren. Aber der Finanzminister ist das am Kippen."

Der Ex-Bodybuilder beklagte werbewirksam einen im Mai vom Kabinett verabschiedeten Gesetzentwurf. Geschlossene Fonds, so steht es darin, dürfen Anlegern nur noch zehn Prozent des eingezahlten Geldes als steuerlich absetzbaren Verlust zuweisen. Für Filmfondsanbieter wie VIP wäre das eine Katastrophe. Denn Fonds rechnen sich für Anleger - wenn überhaupt - nur, wenn sie auf dem Papier rund 100 Prozent Verlust machen, also ihren gesamten Kapitaleinsatz in der Steuererklärung von anderen Einkünften abziehen dürfen. Ähnlich funktioniert die Masche bei Beteiligungen an Windkraftanlagen. Containerschiffe und Büroimmobilien hingegen bieten meist schon heute höchstens 30 Prozent Steuerverlust.

Als Bundeskanzler Gerhard Schröder Neuwahlen ankündigte, keimte unter den Fondsanbietern neue Hoffnung. Doch inzwischen scheint klar: Auch die CDU will den Steuersparmodellen ans Leder. Deren Abschaffung sei "im Grundsatz unstrittig", sagt Peter Rzepka (CDU), Mitglied im Bundestags-Finanzausschuss. Die CSU, lange Hüterin der meist in München angesiedelten Filmfonds, sieht das inzwischen ähnlich. Damit stehen die Fonds vor dem Aus, diesmal wohl endgültig.

Entsprechend zurückhaltend reagieren die Anleger. Fonds mit hohen Steuervorteilen, jahrelang der Renner der Finanzvertriebe, liegen wie Blei in den Regalen. Was verheerende Folgen für andere Anleger hat: Eine ganze Reihe von Fonds hat bereits einen Teil des geplanten Kapitals von Anlegern eingesammelt, doch das restliche Geld für das anvisierte Projekt kommt jetzt nicht mehr zusammen. Wie geht es in diesen Fällen weiter mit dem Fonds, fragen sich besorgte Investoren.

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