Geldanlage
Abgeltungsteuer polarisiert

Die geplante Steuer animiert zum raschen Wechsel in Fonds, und so erwarten die Fondshäuser eine Sonderkonjunktur beim Verkauf der begünstigen Misch- und Dachfonds. Die neue Regelung birgt für Anleger aber viele Tücken, besonders für wenig erfahrene Investoren, warnen Experten.

FRANKFURT. Die Anlagebranche bereitet sich auf die Jahreswende und die dann geplante 25-prozentige Abgeltungsteuer auf Erträge vor. Fondshäuser erwarten eine Sonderkonjunktur beim Verkauf der dadurch begünstigten Misch- und Dachfonds. Fachleute halten die neue Regelung allerdings für unausgegoren.

„Das war als Vereinfachung angekündigt, bringt aber Probleme für Anbieter von Finanzprodukten und auch für die Anleger“, sagt Kurt von Storch, Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach & Storch. Von Storch und andere Experten wettern gegen die neue staatliche Regel, weil sie am Fondsmarkt Anleger vor Probleme stellt – wenn diese unerfahren sind. Berater und Vermittler könnten beispielsweise die Investoren zum Produktwechsel animieren und dabei nicht das Anlegerinteresse, sondern ausschließlich die eigenen Provisionseinnahmen im Auge haben (siehe „Knackpunkte“). Die großen Werbeaktionen der Produktanbieter stehen laut Experten erst noch bevor.

Ab dem Jahreswechsel werden insbesondere Kursgewinne bei Wertpapieren, die bisher nach einjähriger Haltedauer steuerfrei sind, ebenso wie alle laufenden Erträge mit einem Abschlag von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag belegt. Bis zum Stichtag können Investoren die Vorteile des alten Steuerregimes durch den Aufbau einer langfristig orientierten Depotstruktur sichern. Für alle diese „Altbestände“ gilt ein Bestandsschutz, das heißt, bei einem späteren Verkauf werden die derzeitigen Steuerregeln zugrunde gelegt.

Bei den Fonds empfehlen die Anbieter Investoren noch vor dem Jahreswechsel den Kauf von Produkten, die eine umfassende Vermögensverwaltung etwa mit Aktien und Anleihen bieten. Hier bleiben die Umschichtungen des Fondsmanagers steuerfrei. Der Anleger muss bei Kauf noch vor dem Jahresende dann bei Rückgabe der Fondsanteile gemäß der derzeitigen Steuerlage die Kursgewinne im Fonds nicht versteuern. Das ist erst der Fall, wenn er im nächsten Jahr kauft und später verkauft.

„Die Umschichtungen in Dachfonds sind noch weit vom Möglichen entfernt“, sagt Björn Drescher, Leiter des Finanzinformationsdienstes Drescher & Cie. Dafür spricht vieles. „Die schlecht laufenden Aktienbörsen hemmen die Auflagedynamik, und bei den Anbietern werden die Werbeetats für die Zeit ab Sommer aufgehoben“, nennt Drescher einige Gründe.

In der zweiten Jahreshälfte mit näher rückendem Steuertermin könnten die Verkaufsmaschinerien der Banken und Vertriebe in Schwung kommen. Matthias Koss, Leiter der Beratungsfirma Fonds Advice, befürchtet provisionsgetriebene Berateraktionen. Unerfahrene Anleger wären dann schnell überfordert. „Da könnten mit der Steuerdrohung Ängste geschürt und der Anleger in andere Produkte getrieben werden – nur um des Umsatzes willen, denn der Berater streicht die Provision ein“, sagt er.

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