Geldanlage und Altersvorsorge
Wie werde ich Anleger?

Bei Wertpapieren herrscht unter jungen Deutschen oft große Ahnungslosigkeit. Dabei kann sich ein Einstieg lohnen. Was gegen Unwissen hilft und welche Strategien Experten unerfahrenen Anlegern empfehlen.

Frankfurt23.000 Euro in zwei Monaten. So viel Gewinn hat Simon Kurz an der Börse gemacht. Zugegeben, er verfügte über ein Startkapital von 100.000 Euro, den Gewinn durfte er nicht behalten und bei dem Geld handelte es sich nur um Spielgeld. Der 24-jährige war 2015 Bundessieger im Planspiel Börse der Sparkassen. Ein Titel, der ihm neben Ehre und Preisgeld, auch jede Menge Erfahrungen mit dem Aktienmarkt eingebracht hat.

Damit gehört Kurz zu einer Minderheit. Sechs von zehn Jugendlichen sagen von sich selbst, dass sie von der Börse keine Ahnung haben. Das belegt eine repräsentative Studie des Bankenverbands aus dem Jahr 2015. Wer keine Ahnung hat, bleibt den Märkten lieber fern. Altersvorsorge? Später. Eine Strategie zur Geldanlage? Fehlt. So ist auch die Zahl der jungen Erwachsenen unter deutschen Aktionären ziemlich gering. Laut Deutschem Aktieninstitut besitzen gerade einmal 110.000 14 bis 19-Jährige Aktien oder Anteile an Aktienfonds, bei den 20 bis 29-Jährigen sind es 606.000. Zum Vergleich: Bei den über 60-Jährigen sind es 2,8 Millionen. Doch gerade für junge Erwachsene kann sich ein Einstieg lohnen. Doch was gilt es zu beachten?

Börsenspielsieger Simon Kurz interessiert sich seit seiner Jugend für Aktien und verfügt über ein eigenes Depot: „Das manage ich selber, ohne die Hilfe von einem Berater.“ Der Student der Internationalen Beziehungen hat sich sein Wissen angelesen und schon früh mit Aktien gehandelt: „Als Daimler Chrysler kurz vor der Aufspaltung stand, bin ich eingestiegen und habe gewinnbringend verkauft. Das war mein erster Erfolg mit Aktien.“

Sonst behandelt er seine Wertpapiere eher passiv: „Da gilt für mich, Blue Chips kaufen und die dann länger liegen lassen.“ Mit Blue Chips werden die Aktien großer und substanzstarker Unternehmen bezeichnet. Unantastbar sind diese Unternehmen indes nicht: Vor der Energiewende kaufte Kurz RWE-Papiere: „Da musste ich Lehrgeld bezahlen. Aber das gehört einfach dazu. Und ich habe auch keine großen Summen investiert.“ Mit geringem Einsatz erarbeite sich Kurz so erste Erfahrungen mit Aktien.

Eine Strategie, die sich auch Michael Huber, Mitglied der Geschäftsführung des VZ Vermögenszentrums vorstellen kann: „Um sich mit dem ganzen Vorgehen vertraut zu machen, könnte man zum Beispiel mit sehr, sehr kleinem Geld in Einzeltitel investieren.“ Also Aktien von Lieblingsunternehmen erwerben, deren Produkte man versteht und die man mag. Das sei natürlich kein Investment für die nächsten zehn Jahre oder eine langfristige Anlagestrategie, sagt Huber. Aber dadurch bekomme man ein Gespür für Aktien und lerne auch den Markt zu verfolgen. Plattformen dafür seien Online-Portale oder Online-Banking.

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