Geldanlagen
Fondsverwalter stören sich an der Regulierung

Wer sein Geld in Anlagen investiert, sieht sich zunehmend mit komplizierten und teuren Regularien konfrontiert. Schon beklagt die Branche der Vermögensverwalter, die neuen Regeln behinderten ihre Arbeit.
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Monte Carlo, FrankfurtDie Branche der Vermögensverwalter in Europa ist alarmiert. Angst vor Überregulierung macht sich breit, denn die Richtlinien werden immer häufiger geändert. „Möglicherweise haben wir jetzt einen kritischen Punkt erreicht“, meint Roland Baum, Mitgründer der Anwaltskanzlei Baum Financial Services Law Team. „Am Ende wird der Anleger die Rechnung zahlen müssen“, glaubt Tom Brown, Partner bei der britischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Die europäische Branche der Investmentfondsanbieter mit einem Kapital von knapp 5,5 Billionen Euro ist mit so vielen neuen Vorschriften konfrontiert wie nie zuvor. Branchenkenner zählen rund 30 Regelwerke, die derzeit umgesetzt oder geplant werden. Hinter Abkürzungen wie Ucits IV, Mifid, Fatca oder Prip verbergen sich die unterschiedlichsten Anforderungen an Vermögensverwalter und Finanzdienstleister.

Über die Folgen dieser großen Zahl an Regelungen wird in Finanzkreisen heftig diskutiert. Höhere Aufwendungen für mehr Informationspflichten und mehr Transparenz bedeuten höhere Ausgaben für Vermögensverwalter und Finanzinstitute – auch wenn die Größenordnung niemand beziffern mag. Brown hält es für möglich, dass die Mehrkosten zumindest teilweise auch auf den Investor abgewälzt werden.

Kostendruck und höhere Anforderungen können noch andere Folgen haben. „Am Ende bedeuten alle diese neuen Regulierungen für den Anleger: weniger Wettbewerb, weniger Auswahl“, sagt Sheenagh Gordon-Hart von JP Morgan Worldwide Securities Services. „Im schlechtesten Fall würden Produktinnovationen behindert“, meint Mike Karpik von State Street.

Zudem erwarten Experten, dass es zu einer Marktbereinigung in der Branche kommen könnte. So glaubt James Broderick, Europachef von JP Morgan Asset Management: „Große Anbieter sind für die neuen Anforderungen besser gewappnet als kleine, weil es vor allem um einen Fixkostenblock geht.“

Die Welle neuer Vorschriften setzte nach der Finanzkrise ein. „Vorher war immer von Finanzmarktförderung die Rede. Man glaubte: Alle sind anständig und ehrlich, verhalten sich wie ehrbare Kaufleute. Aber man hat sich geirrt“, erklärt Baum. Spätestens nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers und der Entlarvung des Anlagebetrügers Madoff musste der Gesetzgeber eingreifen.

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