Geldmarkt-ETFs
Alternative zu Fonds und Tagesgeld

Die Deutsche Bank räumt mit dem ersten Geldmarkt-ETF bei institutionellen Investoren kräftig ab. Doch auch Privatanleger können zugreifen und ihre Geldmarkt-Anlage optimieren. Schließlich kostet das Produkt weniger als vergleichbare Angebote und ist auch günstiger als der DWS-Geldmarktfonds. Weitere ETFs auf Geldmarkt-Zinsen sind in Planung.

DÜSSELDORF. Das nennt man einen Kassenschlager: Eine Milliarde Euro hat die Deutsche Bank in vier Monaten für ihren Exchange Traded Funds (ETF) auf den Eonia Geldmarktindex eingesammelt. Eine Milliarde Euro - das ist ein Viertel des gesamten verwalteten ETF-Vermögens der Deutschbanker. Hereingespült mit einem einzigen Produkt. "Wenn es nach den Mittelzuflüssen geht, ist der Eonia-ETF der erfolgreichste ETF in Europa", freut sich Thorsten Michalik von dx x-trackers. Seiner Ansicht nach hat der Fonds das Potential, in 2008 auch der größte ETF Europas zu werden.

Privatanleger haben bisher wenig zu dieser Erfolgsgeschichte beigetragen. 98 Prozent des Fondsvolumens stammt von institutionellen Investoren, die inmitten der Subprime-Krise der Emission viel Aufmerksamkeit schenkten. Denn auch herkömmliche Geldmarktfonds, sonst als Hort der Stabilität bekannt, gerieten plötzliche in Probleme. Aber Subprime hin oder her - der Eonia-ETF (WKN DBX0AN) ist grundsätzlich für jeden Anleger einen Blick wert: Er ist der erste ETF im Geldmarkt-Sektor und hat geringere Kosten als herkömmliche Geldmarktfonds. Dazu kommt eine Rendite, wie sie auch mit Tagesgeldkonten meist nur bei Lockangeboten möglich ist.

Eonia ist die Abkürzung für "Euro Over Night Index Average" und bezeichnet den Durchschnitt der Zinssätze, zu dem sich Banken in der Eurozone über Nacht Geld leihen. Er wird von der Europäischen Zentralbank festgestellt und ist neben dem 3-Monats-Satz Euribor einer der wichtigsten Geldmarktzinsen. Wegen der kürzeren Frist liegt er unter dem Euribor und notiert in diesem Jahr bei rund 4 Prozent, aktuell bei 4,04 Prozent. Während der Misstrauensphase zwischen den Banken im Sommer kletterte er zwischenzeitlich sogar auf 4,6 Prozent. Solche Ausschläge sind allerdings selten.

Die Deutsche Bank hat auf den Eonia einen Total-Return-Index entwickelt: Der tägliche Durchschnitts-Zinssatz wird durch 360 geteilt und addiert. So ergibt sich am Ende eines Jahres eine Indexperformance, die dem durchschnittlichen Jahres-Eonia entspricht.

Doch der Eonia-ETF wird in der Bank nicht beworben - schließlich will man den Geldmarktfonds der Tochter DWS nicht das Wasser abgraben. Denn die lohnen sich für den Emittenten: So fällt bei dem klassischen Geldmarktfonds der DWS (WKN 847425) zwar kein Ausgabeaufschlag an. Doch für die in den vergangenen zwölf Monaten erzielte Performance von 3,16 Prozent verlangt die DWS jährliche Gebühren von 0,62 Prozent.

Anders beim Eonia-ETF: Beim Kauf über die Börse verschwindet ebenfalls der Ausgabeaufschlag. Es fällt nur eine jährliche Managementgebühr von bis zu 0,15 Prozent an. Hinzu kommt ein Unterschied von Ankaufs- und Verkaufskurs (Spread) von 0,01 Prozent. Eine überzeugende Konstruktion: "Der ETF ist günstiger als viele andere Geldmarktfonds, was bei dem geringeren Renditepotenzial am Geldmarkt eine gewisse Rolle spielen kann", urteilt Natalia Wolfstetter, ETF-Expertin bei Morningstar.

"Mit dem ETF hätte man im historischen Vergleich trotz der Gebühren und des Spreads eine bessere Rendite erwirtschaftet als mit durchschnittlichen Euro-Geldmarktfonds. Dies gilt insbesondere für höhere Anlagebeträge", weiß die Expertin. Der Grund: Beim Kauf der Fondsanteile über die Börse fallen Ordergebühren an. Die bestehen meist aus einem Fixkostenblock und einem variablen Teil - je mehr Anteile man ordert, desto geringer sind die Kosten pro erworbenem Anteil.

Anders als bei herkömmlichen Geldmarktfonds ist aufgrund der Indexberechnung ein Kapitalverlust nahezu ausgeschlossen. Nach Angaben der Deutschen Bank gelingt es durch den Kauf von Anleihen, mit dem ETF den Eonia-Index nach Abzug der Kosten genau nachzubilden. Der Anleger erhält mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Rendite, die dem Durchschnitts-Eonia abzüglich der Verwaltungsgebühr entspricht. "Verluste werden nur unter dem Umstand entstehen, wenn es gleichzeitig zu einem Ausfall der zu Grunde liegenden Investment Grade Anleihen im Fonds und einer Insolvenz der Deutschen Bank kommt", stellt DB-Vertreter Michalik klar.

Kein Wunder, dass diese Argumente viele institutionelle Investoren gelockt haben. An die richtet sich die Deutsche Bank auch mit zwei neuen Geldmarkt-ETFs, die in den nächsten Wochen aufgelegt werden: Einem ETF auf Zinsen am britischen Geldmarkt (mittels des Sterling Overnight Index Average) und einem auf Zinsen am US-amerikanischen Geldmarkt (mit dem Fed Funds Effective Rate Total Return Index). Die Konkurrenz hat derweil das Nachsehen: Lyxor ist erst im September mit einem eigenen Eonia-ETF nachgezogen - doch noch ist der nur in Frankreich zugelassen.

Eonia Total Return Index ETF
ISIN: LU0290358497
WKN: DBX0AN

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