Geldmarktfonds
USA: Rettungsplan stoppt Massenflucht der Anleger

Den Großteil ihrer Ersparnisse stecken viele US-Amerikaner in Geldmarktfonds. Diese galten bislang als eine der sichersten Anlageformen überhaupt. Damit das so bleibt, gehört eine staatliche Stabilisierung aller Geldmarktfonds zu den ersten Maßnahmen des jetzt von der US-Regierung vorgelegten Rettungspaketes.

NEW YORK Die überraschende Kehrtwende im Krisenmanagement der amerikanischen Regierung ist vor allem von der einsetzenden Panik bei Geldmarktfonds ausgelöst worden. Wenn die Finanzkrise von der Wall Street auf die Main Street der Kleinanleger überspringen würde, so die Furcht der Behörden, hätte sich ein massenhafter „Run“ auf das Weltfinanzsystem nicht mehr verhindern lassen.

Geldmarktfonds galten bislang als eine der sichersten Anlageformen überhaupt. Viele Amerikaner haben einen Großteil ihrer Ersparnisse in diesen Fonds geparkt. Deshalb gehört eine staatliche Garantie aller Geldmarktfonds in den USA zu den ersten Maßnahmen des jetzt vorgelegten Rettungspaketes. Die Behörden wollen einerseits verhindern, dass die Geldmarktfonds in Panik Hypothekenpapiere aus ihrem Depot auf den Markt werfen. Zugleich soll das Vertrauen der Privatanleger wieder hergestellt werden, um die massiven Mittelabflüsse der vergangenen Woche zu stoppen.

Das staatliche Rettungspaket zeigt Wirkung. Bereits am Freitag gingen die Mittelabflüsse spürbar zurück. Auch der von Geldmarktfonds abhängige Markt für Commercial Paper erwachte wieder zum Leben. „Die Situation stabilisiert sich“, sagte Larry Fink, Chef des Fondsmanagers Black Rock.

Für den ältesten Geldmarktfonds der USA kommt die Hilfe zu spät. Der Reserve Primary Funds hatte Mitte letzter Woche die Panik ausgelöst, weil sein Wert unter die Einlagen der Anleger gefallen war. Bis zum Wochenende hatten fast alle Investoren ihre Mittel abgezogen. Insgesamt flossen mehr als 140 Mrd. Dollar aus Geldmarktfonds ab, in der Woche zuvor waren es nur etwa sieben Mrd. Dollar. Der Markt in den USA hat ein Volumen von 3,4 Bill. Dollar. Für rund ein Drittel davon stehen Privatanleger.

Geldmarktfonds sitzen an einer wichtigen Schaltstelle der US-Wirtschaft. Sie bieten den Sparern bei ähnlicher Sicherheit eine etwas höhere Verzinsung als das normale Bankkonto. Zugleich gehören die Fonds zu den größten Investoren auf dem Markt für Commercial Paper, auf dem viele Firmen ihr Geschäft kurzfristig finanzieren.

Die Mittelabflüsse bei den Geldmarktfonds führten zu einem Käuferstreik bei Commercial Papers. Selbst Konzerne wie IBM mussten plötzlich enorme Risikoprämien zahlen. Damit drohte den USA nicht nur eine Massenflucht der Sparer, sondern auch eine direkte Kreditklemme für Unternehmen. Die Wirtschaft wäre zum Stillstand gekommen, die Regierung musste eingreifen.

Finanziert wird die befristete staatliche Einlagenversicherung für die Geldmarktfonds durch 50 Mrd. Dollar, die aus einem Staatstopf zur Bekämpfung von Währungskrisen stammen. Zusätzlich hat die Notenbank Fed ihr Diskontfenster jetzt auch für Geldmarktfonds geöffnet. Sie können sich bis zu 230 Mrd. Dollar über Geschäftsbanken leihen und dafür illiquide Vermögenswerte aus ihren Bilanzen wie zum Beispiel Hypothekenanleihen als Sicherheit hinterlegen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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