Geschlossene Fonds
Olympia-Stars bringen Tausende Anleger um ihr Erspartes

Die ehemaligen Olympia-Fechter Elmar Borrmann und Thomas Gerull haben nach ihrer Sportkarriere Werbung für Investmentfonds gemacht. Doch genau diese Fonds brachte viele Kleinanleger um ihr gesamtes Geld.
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Als Spitzensportler schworen Elmar Borrmann und Thomas Gerull mehrfach den olympischen Eid. Sie wollten "im ritterlichen Geist zum Ruhme des Sports und zur Ehre unserer Mannschaften" kämpfen. Im Degenfechten gehörten sie zu den ganz Großen. In den 1980er- und 90er-Jahren errangen sie olympische Medaillen und Weltmeistertitel. Borrmann wurde bei den Olympischen Spielen 1996 sogar fast Deutschlands Fahnenträger.

Nach ihrem Fechter-Leben stiegen die beiden gemeinsam in die Finanzbranche ein: Ab Mitte der 90er-Jahre warben sie mit Investmentfonds unter dem Dach der Deutschen Frankonia Beteiligungs AG um Anlegergeld. "Neue Maßstäbe" seien "Gütekriterien für jede Entscheidung und Garant für den zukünftigen Erfolg im Anlagemarkt", warben sie in einer Broschüre der Deutschen Frankonia. Der Fonds sei "eine wachstumsstarke und erstklassige Anlageform mit sich wechselseitig bedingenden Vorteilen". "Wir stehen mit unserem Namen dafür ein", verkündeten Borrmann und Gerull. Immer wieder tauchten sie mit Foto in ihren Broschüren auf.

Der Begriff "Spiegelfechten" umschreibt Täuschungshandlungen. Und viele der rund 50.000 Menschen, die bei den Ex-Fechtern Geld anlegten, dürften angesichts der vollmundigen Versprechen der beiden inzwischen den Eindruck haben, reingelegt worden zu sein. Davon zeugen zahlreiche Gerichtsverfahren zwischen Anlegern und den von beiden gestarteten Fondsgesellschaften. Die Mehrheit der Verfahren beenden außergerichtliche Vergleiche. Dennoch gibt es - teilweise noch nicht rechtskräftige - Urteile aus Berlin, Stuttgart, Düsseldorf und anderen Städten gegen die Frankonia, ihre Nachfolger oder Vermittler.

Fest steht: Anstatt Renditen gab es für viele Anleger hauptsächlich Verluste. Nach Recherchen des Handelsblatts haben die von den beiden angeschobenen Gesellschaften, zu denen auch Fonds mit den Namen Capital Sachwert Alliance (CSA) und Deltoton gehören, für ihre Anleger bislang mehr als 150 Millionen Euro Verluste angehäuft.

Ursula F.* ist eine der Anlegerinnen, die Geld verloren haben. Sie will ihren Namen nicht nennen, weil sie versucht, sich mit einem der Fonds zu vergleichen, und dafür eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet hat. Die Verkäuferin hatte ihr kleines Erbe genommen, eine Lebensversicherung aufgelöst und alles bei einer CSA-Gesellschaft einbezahlt.

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Kommentare zu " Geschlossene Fonds: Olympia-Stars bringen Tausende Anleger um ihr Erspartes"

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  • Jeder Handwerksbetrieb braucht einen Meister, der das Geschäft führt und gute Arbeit leistet..
    In der Finanzindustrie kann jeder Dödel anfangen. Hauptsache er kann Leute beschwatzen-von etwas überzeugen und schlau daher reden, wovon er selber keine Ahnung hat.
    Wieso laufen die Menschen- die normalen Anleger immer wieder diesen Rattenfängern und Laien hinterher?
    Erst wenn sie alles verloren haben, fangen sie an zu denken. Man könnte ja vielleicht auch erst mal mit einem kleine Betrag testen, was die wert sind.
    Der ganze Finanzmarkt mutiert zur Mafiagesellschaft.
    Die Seriösen leiden darunter, weil die Trittbrettfahrer überall präsent sind und einen Reinfall nach dem anderen liefern..
    Die Geldgier -gepaart mit Dummheit- hat die Masse erreicht, da gibt es wohl noch viel zu holen für die Gangster.

  • Was regt ihr Euch auf, das viele Geld ist doch noch da!! Nur eben in anderen Händen.
    So ist gerade der Würzburger Betrüger Ulrich M. nach 4 Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden - und nach München gezogen, eben in die Nähe seines Freundes Elmar Borrmann. Nach eigenem Vernehmen hat er mit eben diesem eine sensationelle Geschäftsbeziehung aufgebaut. Und siehe da nach nur einem Jahr fährt der Grosspleitier (Hinterlassenschaft von zweistelligen Millionenbeträgen bei Würzburger Banken, Ärzten und Unternehmern) schon wieder Ferrari. Das Kennzeichen trägt natürlich seine Initialen und die Nummer 599 zeigt den Fahrzeugtyp.

    Spannend ist, dass der Bruder des feinen Herrn seit Jahren die CSA als Anwalt vertritt und und Kleinanleger einschüchtert und mit miesen Vergleichen abspeist....

    Aber schön ist, dass wenigstens die Autoindustrie noch was von unserem Geld hat.
    Eine feine Olympische Gesellschaft........

  • Ich bin immer wieder verwundert, wie diese Menschen, die über Jahre jeden Tag dafür arbeiten, solch ein System am Laufen zu halten, mit ihrem Leben zurechtkommen. Nicht nur die Macher, auch die Sekretär/in und andere Angestellte. Was erzählen die ihren Familien? Schläft es sich gut? Nichts aber auch nichts ist interessant daran, Geschäftssitze im Provinzgewerbegebiet.. da ist selbst die Mittagspause deprimierend.
    Selbst wenn es Geld abwirft.. diese Arbeit ist unheimlich langweilig und dazu noch erzeugt sie soviel Unzufriedenheit, Not und Ärger bei anderen Menschen. Wie halten diese Leute ein solch erbärmliches Leben aus?

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