Geschlossene Fonds
Phantom-Hotel im Sand von Dubai

Trotz eindringlicher Warnungen haben rund 1 000 deutsche Anleger in den Hotelfonds "Dubai 1000" investiert. Es kam, was zu befürchten war. Dort, wo ein Luxushotel entstehen sollte, klafft heute nur ein gewaltiges Loch. Gegen den Fonds-Initiator wird wegen Betrugs ermittelt, doch der ist gemeinsam mit seiner Anwältin untergetaucht.
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FRANKFURT. Es war wie im Märchen aus 1001 Nacht: Ein glitzernder Hotelpalast sollte emporsteigen aus dem kargen Wüstensand und deutschen Anlegern Traumrenditen bescheren. Doch der Traum ist geplatzt, versickert im Wüstensand und das Märchen mutiert zur Gruselstory für die Anleger, die in den geschlossenen Immobilienfonds Dubai 1 000 investiert haben. Das größte Vier-Sterne-Hotel im arabischen Raum wollte Georg Recker mit dem Fondsvolumen von rund 143 Mio. Euro bauen. Gleich zu Hunderten empfing der Finanzwirt aus Hamm Interessenten in Dubai, mindestens 10 000 Euro musste auf den Tisch legen, wer mit Recker vom Boom im Wüstenstaat profitieren wollte.

Schon damals warnten Experten vor Recker und seinem Hotelfonds. Die Stiftung Warentest beurteilte die Investition als "sehr riskant". Dennoch sollen ihm rund 1 000 Anleger rund 25 Mio. Euro anvertraut haben, in der Hoffnung auf "steuerfreie Ausschüttungen von mindesten zehn Prozent", im Glauben an die smarte Rechtsanwältin, die Recker als Kontrolleurin auf die Finger schauen sollte, in Erwartung der betuchten Gäste, die ab Sommer 2007 in modernsten Konferenzräumen tagen würden, im Riesenballsaal tanzen und in kostenlosen Autos, durch das Emirat kutschieren.

Inzwischen ist die Anwältin Reckers Frau und beide sind ein Fall für den Staatsanwalt. Seit Anfang 2008 ermitteln die Dortmunder Strafverfolger gegen das Pärchen wegen Betrugs, suchen Recker per Haftbefehl.

Denn von einem Hotel ist auf dem Grundstück mitten im geplanten Vergnügungspark "Dubai Land" nichts zu sehen. "Nur ein paar Kräne stehen in einem Loch im Wüstensand, so groß wie ein Fußballfeld", berichtet der Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen von der Kanzlei KWAG, der mehrere Recker-Anleger vertritt.

Aber nicht nur das Hotel ist ein Phantom. Fraglich ist auch, ob Recker überhaupt genug Geld zusammen hatte, um das Platzierungsvolumen zu erreichen. Denn Geldflüsse von seinem größten Investor, der Losna Limited mit Sitz in der Karibik scheint es nicht gegeben zu haben, so die Recherchen von Rechtsanwalt Gieschen. "Recker hätte den Fonds auflösen müssen und den Anlegern ihr Geld erstatten", sagt er. Doch keiner weiß, wo das Geld ist. Recker lebt samt Familie in Dubai und kommuniziert über seine Anwälte. Sein Strafverteidiger Eberhard Kempf war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Sein Münchener Anwalt Ekkehart Heberlein, der Recker gegen Schadenersatzklagen von Anlegern verteidigt, sieht "überhaupt keine kriminelle Energie" bei seinem Mandanten. Noch vor einem Monat habe er Recker in Dubai getroffen und den Baufortschritt gesehen. Das Fundament sei jetzt fertig und die Ausschachtungen für den Lift. Natürlich wisse Recker vom Haftbefehl, deshalb sei es verständlich, dass sein Mandant seine Verteidigung nicht von Deutschland aus vorantreiben wolle. Von Dubai aus könne er beweisen, dass alles mit rechten Dingen zugehe, indem er das Hotelprojekt voranbringe.

Ein Auslieferungsabkommen mit dem Emirat gibt es nicht.

Kommentare zu " Geschlossene Fonds: Phantom-Hotel im Sand von Dubai"

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  • .... und man konnte im Vorfeld sogar für´n Appel und´n Ei mit ihm nach Dubai fliegen, um sich richtig gierig machen zu lassen. Leider Gottes - Gott sei Dank hab´ich das damals verpasst. -- :-))

  • 25 Mio von 1000 Personen, macht 25.000 pro kopf. Wer soviel Geld in so einen risikoreichen Fond steckt, nur um 10Prozent am deutschen Fiscus vorbei zu erhalten, der hat mehr als genug. Solchen Leuten tut es nicht weh und die Verluste werden am Jahresende gegen den Gewinnen steuerliche verrechnet. Also wird der Verlust am Ende mal wieder auf die Allgemeinheit verteilt.
    Na dann - Prost, bis zur nöchsten (Stöschen-) Party

  • "in der Hoffnung auf „steuerfreie Ausschüttungen von mindesten zehn Prozent“"

    Ja die Gier, ja die Gier. Wie heißt das alte Sprichwort?
    "bleibe im Lande und nähre Dich redlich!"

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