Geschlossene Fonds
„Privatanleger sollen soviel zahlen wie die Profis"

Die Gebühren von einigen geschlossenen Fonds sind horrend. Der größte US-Immobilienfonds-Anbieter macht damit jetzt Schluss. Der Chef von Jamestown erklärt im Interview, warum er Privatanleger schonen möchte.
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Herr Kahl, geschlossene Fonds kommen derzeit nicht aus den Schlagzeilen. Von Pleiten traditionsreicher Fondsinitiatoren wie Wölbern bis zu Betrugsfällen wie bei SKR reicht die Palette.
Es gab eine Reihe von Skandalen, die dringend aufgeklärt werden müssen. Doch Jamestown hat damit nichts zu tun. Wir sind ein Anbieter für geschlossene Immobilienfonds und konzentrieren  uns seit 30 Jahren auf den amerikanischen Markt. 250 Mitarbeiter kümmern sich in den USA und etwa 40 in Köln um die Fonds und die Objekte.

Die Renditen vieler geschlossener Fonds fallen eher mager aus. Verbraucherschützer monieren immer wieder, dass geschlossene Fonds zu teuer sind.
Die Renditen der Portfolios, die wir bereits abgewickelt haben, liegen bei durchschnittlich 19 Prozent. Doch dieser Wert ist natürlich keine Zielgröße. Denn auf den Märkten und bei den Rahmenbedingungen, die für geschlossene Fonds gelten, hat sich einiges verändert. Anleger müssen daher stärker auf die Kosten schauen. Wir haben daher bei den neuen Fonds die Usancen bei der Gebührenstruktur für Privatanleger an jene angepasst, die für institutionelle Anleger gelten. Der Weichkostenanteil liegt jetzt für Privatanleger nicht bei 20 Prozent, sondern bei fünf Prozent plus Agio.

Wieso können Sie heute Ihre Produkte so viel günstiger anbieten, als früher.
Die neuen Fonds sind Blindpools. Das heißt, in der Phase, in denen wir das Geld bei den Anlegern einsammeln, stehen die Objekte, in die wir investieren, noch nicht fest. Früher haben wir sie auf eigenes Risiko erst einmal angekauft und brauchten von den Banken eine Zwischenfinanzierung, wie sie heute kaum noch funktionieren würde, denn geht in dieser Zeit der Mieter pleite, kann die Immobilie praktisch über Nacht unverkäuflich werden. Der Fondsinitiator hatte also früher  ein enormes Risiko.

Mit einem Blindpool liegt das Risiko jetzt aber beim Anleger. Er muss der Kompetenz des  Anbieters vertrauen.
Das ist richtig. Das frühere Vorgehen hatte für Anleger Vorteile. Aber es war eben auch sehr teuer. Wir verfahren daher etwa bei einem jüngsten Fonds, dem Jamestown 28, der sich an Privatanleger richtet, auch in dieser Hinsicht wie bei institutionellen Investoren. Denn auch bei Großinvestoren ist es nicht üblich, mit einem bereits angekauften Objekt an den Start zu gehen. Dafür sind die Weichkosten, also die laufende Vergütung, entsprechend günstiger.

Was bedeuten die Kosten beim Jamestown 28 im Detail?
Als Anleger, der das Mindestinvestment von 30.000 Dollar investiert, sind zunächst fünf Prozent Agio beim Kauf zu zahlen. Der Fonds selber zahlt fünf Prozent für Konzeption, Vertrieb und andere Weichkosten, so dass 95 Prozent in die Immobilie investiert werden. Jährlich fällt ein Prozent für die Verwaltung an. Der Verwaltungskostenanteil ist außerordentlich günstig. So zahlen Institutionelle dafür zwischen 0,6 bis 1,5 Prozent des Eigenkapitals pro Jahr. Wer mehr als 250 Millionen investiert, zahlt bei uns 0,6 Prozent, bis mehr als zehn Millionen sind es 0,9 Prozent. Privatanleger mit 30.000 Dollar Einlage sind also mit einem Prozent gut bedient.

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  • Jamestown nur mit "Zwangsprovision"

    Ausgerechnet Jamestown-Geschäftsführer Christoph Kahl rät den Anlegern, sie sollten verstärkt auf die Kosten achten - dabei ist Jamestown nach meiner Kenntnis einer der wenigen Anbieter von geschlossenen Fonds, die eine "Zwangsprovision" vorschreiben. Das heißt: Anteile können nur über Finanz-Vermittler erworben werden, die eine Abschlussprovision erhalten und behalten, somit ein massives Provisionsinteresse haben.

    Den Discountvertrieb mit Provisionsverzicht oder Provisionsabgabe hat Jamestown indes verboten. Das kann AVL Finanzvermittlung belegen. Das ist ungefähr so, als dürfte ein VW Golf nur beim VW-Händler vor Ort gekauft werden, nicht aber z.B. im Online-Handel ohne Verkaufsgespräch.

    Mit der Zwangsprovision geht eine Zwangsberatung durch einen Vermittler mit Provisionsinteresse einher, selbst wenn Anleger ausdrücklich keine Beratung wünschen. Wenn Herr Christoph Kahl die Privatanleger wirklich „schonen“ will, so wie es zu Beginn des Interviews angekündigt wird, dann sollte er sie besser vor unnötigen Provisionen und unnötigen Verkaufsgesprächen verschonen.

    Viele Grüße, Uwe Lange, AVL Finanzvermittlung

  • Wenn Privatanleger "geschont" werden sollen,dann ist Alarmstufe rot.Sie sollen jetzt das Unverkäufliche kaufen.

  • Unter "Emittentenrisiko" wurde erläutert, dass es in krisenhaften Situationen zu Rückforderungen von bereits gezahlten GEWINNEN gekommen sei. Dies ist so nicht richtig und Quell vielfachen Verdrusses.

    Bei den Rückforderungen von Ausschüttungen nach § 172 HGB handelte es sich um Entnahmen überschüssiger Liquidität, also um Geld in der Kasse, dass mutmaßlich nicht weiter im Unternehmen benötigt wurde und daher in Form von Ausschüttungen an die Kommanditisten ausbezahlt werden konnte. Stehen den Ausschüttungen handelsbilanzrechtliche Gewinne gegenüber, so können sie auch im Krisenfall nicht zurück gefordert werden.

    Ferner gab es bei vielen Gesellschaften, insbesondere bei Schiffsbeteiligungen, Betriebsfortführungskonzepte, bei denen Anleger freiwillig Nachschüsse leisten konnten, um die wirtschaftliche Fortführung des Beteiligungsunternehmens zu sichern und den Totalverlust der ursprünglichen Einlage abzuwenden.

    Außerdem gab es noch ein namhaftes Emissionshaus, das die Ausschüttungen von vornherein im Gesellschaftsvertrag als kündbares Gesellschafterdarlehen deklariert hat. Die Rückforderungen wurden jedoch erfolgreich gerichtlich angefochten.

    Grundsätzlich gilt also, dass bei einer Kommanditbeteiligungsgesellschaft (GmbH & Co. KG) die Haftung auf die Einlage begrenzt ist und mit Einzahlung der vollständigen Beteiligungssumme abgegolten ist.

    Jan Coenen

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