Geschlossene Fonds
Wie im Irrgarten

Das Geschäft mit geschlossenen Fonds läuft glänzend - jedenfalls für die Anbieter. Die Branche wird in diesem Jahr voraussichtlich Anlagegelder in Höhe von rund 13 Mrd. Euro einsammeln. Die Zahl der Anbieter und der Angebote wächst rapide. Für die Anleger ist dies allerdings keineswegs ein Grund zum Jubeln.

MÜNCHEN. Zu diesem Ergebnis kommt die am Donnerstag im Analysehaus Feri Rating & Research in München vorgestellte Studie "Beteiligungsmodelle 2008". Danach ist jeder fünfte Anbieter geschlossener Fonds ein Newcomer auf dem Beteiligungsmarkt. Andererseits fehlten 70 Anbieter, die im Vorjahr noch aktiv waren. "Viele werden auch nicht wiederkehren", stellt Stefan Loipfinger, Autor der Studie, fest. Er fürchtet angesichts der unübersichtlichen Situation um die Gelder der Anleger: "Viele Anbieter sind Eintagsfliegen. Die meisten dieser Eintagsfliegen werden Verluste produzieren."

Zwar dominierten seriöse Anbieter den Markt, doch mit ihnen tummelten sich "unwissende Dilettanten, verurteilte Betrüger und andere staatsanwaltschaftlich gut bekannte Personen" auf dem Markt, heißt es in der Studie. "Manche wissen nicht mal, wie man Fonds schreibt", illustriert Loifpinger das Problem anhand des Anbieters "Deutsche Ärztefond", der Anlegergelder für einen Privat-Equity-Fonds sucht.

Dies alles spielt sich vor dem Hintergrund ab, dass auch solche Anbieter ihre Vertriebsprospekte von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) genehmigen lassen müssen. Die BaFin prüft die Prospekte - aber nur anhand formaler Kriterien. Ob die Ertragsprognosen realistisch sind, ist für sie kein Prüfkriterium. Loipfinger, der die Beteiligungsstudie nach 14 Ausgaben an Feri übergibt, fordert, Mindeststandards für Initiatoren geschlossener Fonds zu schaffen.

Der Verband Geschlossener Fonds (VGF) habe in Einzelgesprächen mit BaFin-Vertretern bereits über die Einführung einer inhaltlichen Prüfung gesprochen, sagte VGF-Hauptgeschäftsführer Eric Romba dem Handelsblatt am Rande der Konferenz.

Ziel einer inhaltlichen Prüfung wäre es, Beteiligungsmodellen mit Betrugsabsicht oder mit unrealistischen Renditeprognosen die Marktzulassung zu versagen. Die im VGF organisierten Fondsanbieter repräsentieren knapp 80 Prozent des Marktvolumens. Romba deutete an, dass die BaFin eine inhaltliche Prüfung scheue. Dies habe zwei Gründe: Einerseits, weil es an Personal mangele, andererseits wegen der Haftungsrisiken gegenüber Anlegern.

"Um das Risiko zu minimieren, sollten sich Anleger Leistungsbilanzen vorlegen lassen", rät Romba. In Leistungsbilanzen, die von Wirtschaftsprüfern testiert sein sollten, geben Initiatoren anhand von Soll-Ist-Vergleichen Auskunft über Erfolge und Misserfolge ihrer Fonds. VGF-Mitglieder sind verpflichtet, Leistungsbilanzen zu veröffentlichen. Fondsinteressenten können diese im Internet unter www.leistungsbilanzportal.de einsehen.

Romba nimmt aber auch die Fonds-Vertriebe in die Pflicht: "Es gilt immer noch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, dass anlage- und anlegergerecht beraten werden muss." Das bedeutet zum Beispiel: Wer sichere regelmäßige Ausschüttungen erwartet, ist der falsche Anleger für einen Schiffsfonds. Und er muss einem Anleger auch erklären können, welche zusätzlichen Risiken mit einem Fonds auf Zertifikatebasis einhergehen. "Die Anleger handeln sich mit solchen Fonds nicht nur ein zusätzliches Emittentenrisiko ein. Darüber hinaus sind sie nicht an einem tatsächlichen Investitionsobjekt beteiligt", warnt Steffen Möller, Chefanalyst bei Scope Analysis, dem zweiten großen Analysehaus für geschlossene Fonds in Deutschland.

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