Geschlossene Schiffsfonds
Volle Fahrt in Richtung Totalverlust

Lange bewarben Banken geschlossene Schiffsfonds als todsichere Geldanlage, deutsche Anleger haben 20 Milliarden Euro investiert. Nun müssen Zigtausende von ihnen feststellen, dass sie falsch beraten waren. Experten glauben, der Schaden werde höher sein als jener, den Lehman-Zertifikate angerichtet haben. Die ersten Anleger bereiten nun Klagen gegen ihre Banken vor.
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DIEPHOLZ/HAMBURG. Es ist eine heile Welt, die sich Ursula und Heinz-Werner Wachsmann in Diepholz geschaffen haben. Verklinkertes Einfamilienhaus, drinnen helle Schonbezüge auf den Sesseln, Orchideen im Fenster, ein Porzellankatzenpaar auf dem Wohnzimmerschrank. So hat sich das Ehepaar, beide in den Siebzigern, den Ruhestand eingerichtet. Vieles ist gekommen, wie sie sich das immer vorgestellt hatten. Bis auf diese Sache. Sie vermissen 40 000 Euro Erspartes.

"Ich dachte, ich sei bei der Postbank", sagt Ursula Wachsmann, "aber ich glaube fast, ich war bei der Mafia."

Die Geschichte der Wachsmanns ist eine Geschichte über das, was lange bleiben wird von dieser Krise: das Misstrauen, mit dem die Kunden nun ihren Banken begegnen. Den Banken, den Finanzberatern, dem ganzen System.

Es gab die Ramschimmobilien, die Medienfonds, die Lehman-Zertifikate, sie alle haben viele Deutsche sehr viel Geld gekostet, manche in den Ruin getrieben. Nun rollt die nächste Welle an. Wie es aussieht, ist sie gewaltig. Es geht um Schiffsfonds. 20 Milliarden Euro haben Deutsche in den vergangenen Jahren in sie investiert. Der Schaden werde höher sein als jener, den Lehman-Zertifikate angerichtet haben, glauben Experten. Nur wird er für die Anleger erst langsam sichtbar. Das Drama spielt sich im Verborgenen ab.

Gutgläubige Opfer

Die Wachsmanns sind "Leos", wie manche Berater sagen: leicht erreichbare Opfer; gutgläubige, in Finanzdingen wenig bewanderte und häufig ältere Menschen, die ein Leben lang gespart haben für ein sorgloses Alter.

Jahrzehntelang waren Ursula und Heinz-Werner Kunden der Postbank. Man kannte und traute sich. Dann schloss die Filiale in Diepholz, zuständig war fortan Osnabrück. Zwei Sparbriefe wurden frei, aus Osnabrück kamen Finanzberater, sie rieten den Wachsmanns zu zwei Schiffsfonds als Anlage. Im September 2007 wanderten 15000 Euro in einen Fonds namens "MT Cape Beale" und im Mai darauf 25 000 Euro in den "BUSS-Kreuzfahrtfonds1". Die Wachsmanns haben ihr Geld in einen Tanker und ein Kreuzfahrtschiff gesteckt. Das immerhin wissen sie nun.

Der Markt mit Schiffsfonds versprach hohe Renditen, die hohen Risiken und Nebenkosten fielen bis vor kurzem kaum auf. Das weltweite Transportgeschäft gedieh prächtig, deutsche Anleger finanzierten fast vier von zehn Containerschiffen, die heute auf den Weltmeeren unterwegs sind. Fast alle Banken und Finanzdienstleister boten Schiffsfonds an: Postbank, Sparkassen, AWD, Deutsche Bank zum Beispiel.

Die Anleger kaufen einen Anteil am Gesellschaftskapital. Laufzeit ihrer Investition: oft zehn bis 25 Jahre. Sie bekommen keinen festen Zins. Sie verdienen, wenn der Fonds mit dem Schiffsbetrieb verdient.

Anfangs war das ein Steuersparmodell vor allem für Ärzte oder Unternehmer. Wie bei einer vermieteten Immobilie konnten sie die Kosten von der Steuer absetzen, denn meistens finanzieren Banken den Kauf oder Bau eines Schiffs vor. Wenn die Kredite abbezahlt waren und die Beteiligung schöne Renditen abwarf - Mitte dieses Jahrzehnts oft über 20 Prozent -, ging das Finanzamt wieder fast leer aus. Die Schiffseigentümer zahlen nur einen geringen Steuersatz auf die Transportkapazität.

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  • Ja dann, lieber Peter Lustig - liegt es weniger an der Anlage als vielleicht an einem selber! Wenn man sorgfältig recherchiert stellt man fest, dass seit bestehen von Schiffsbeteiligungen nicht mal 8% ALLE beteiligungen schlechter als Prospekt bzw. Negativperformance erzielten... -> für Nicht-Diplom-Mathematiker => 92% liefen positiv!!
    Und hierbei liegt es nicht an der Asset-Klasse SCHiFF, sondern ausnahmslos an Falschberatungen sog. "schwarzer Schafe" und DAS ist traurig!
    @ Autor: "Wer keine Ahnung hat..." (recherchieren Sie doch mal Dieter Nuhr)

  • ich bin durch Zufall auf diesen Artikel gestoßen. ich könnte kotzen wenn Leute schreiben, dass der Anleger selbst Schuld sei im Falle eines Totalverlustes. Mir wurden selber Schifffonds von der Commerzbank verkauft desweiteren wurden mir auch geschlossene immobilienfonds angedreht. Alle Anlagen wurden erstens als "krisensicher" und zweitens als "Wertanlage" betitelt.
    Meine Anlagestrategie war/ist konservativ und das Ziel ist ganz klar "Kapitalerhalt". Leider gehen die Fonds langsam den bach runter und ich bin mehr als sauer, was mir alles verkauft worden ist. ich hatte meinem berater vertraut und hatte deswegen keine genaueren Nachforschungen über die Fonds angestellt. Das aller schärfste ist jedoch, dass im Falle eines Totalverlustes (insolvenz) eines Fonds, der insolvenzverwalter alle bisherigen Ausschüttungen zurück verlangen kann. Darauf wurde ich beim beratungsgespräch NiE hingewießen und ich hätte mit dieser information nie im Leben solch einen "krisensicheren" Fond gezeichnet.
    ich werde gegen die Commerzbank klage einreichen wegen Falschberatung uns sehe meine Chancen mehr als gut.

    Leider bin ich nicht der einzige der so getäuscht worden ist.
    in diesem Sinne.

  • Hallo,
    der Artikel von Frau Hussla hat in Fonds Media die sauer Gurke erhalten, wg. maximaler Uninformiertheit über das Anlagesegment Schiff-Fonds - sollte man lesen, da nahezu ALLES widerlegt wird.

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