Gesetzentwurf

Fondsbranche kritisiert Regulierungspläne

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will Fonds mit einem neuen Gesetz stärker regulieren. Prompt laufen die Verbände dagegen Sturm und versuchen, noch Einfluss auf den Gesetzestext zu nehmen.
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Zieht den Unmut der Fondsbranche auf sich: Finanzminister Wolfgang Schäuble. Quelle: Reuters

Zieht den Unmut der Fondsbranche auf sich: Finanzminister Wolfgang Schäuble.

(Foto: Reuters)

Frankfurt/BerlinDie Fondsverbände laufen gegen die neuen Regulierungspläne von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Sturm und rüsten sich für einen heißen Herbst. Noch in dieser Woche sind Hintergrundgespräche in Berlin angesetzt, um den umstrittenen Gesetzentwurf in wesentlichen Punkten zu entschärfen, wie Branchenvertreter am Mittwoch sagten.

Schäuble will mit dem Gesetz Kleinsparer noch stärker schützen. Sie sollen nur noch zu ausgewählten Investmentfonds Zugang haben, bei denen das Risiko überschaubar ist. Hedgefonds und Immobilienfonds zählen nach Schäubles Lesart nicht dazu, zumindest soll es keine neuen Offenen Immobilienfonds mehr geben.

Die Fondsbranche wiederum spricht von einer Entmündigung der Privatanleger und befürchtet Geschäftseinbußen. Die Schuldenkrise nagt ohnehin schon am Gewinn, die Zeiten könnten kaum schwieriger sein.

Die Fondsanbieter kritisieren vor allem, dass der Vorschlag der Regierung nicht konsequent sei. Denn sonst müssten auch Zertifikate für Privatanleger verboten werden. „So wichtig der Schutz der sogenannten Kleinanleger ist, Privatanleger insgesamt sind aber nicht so unbedarft, dass ihnen wichtige Anlagealternativen per se vorenthalten werden müssen", kritisierte Frank Dornseifer vom Bundesverband Alternative Investments (BAI), in dem vor allem Hedgefonds organisiert sind.

Der Gesetzentwurf gebe nicht unbedingt Anreize, zukünftig alternative Investmentfonds in Deutschland aufzulegen. Stattdessen werde sich die Fondsbranche mehr und mehr nach Luxemburg verlagern.

Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), der überwiegend für die klassischen Fondsanbieter steht, zeigte sich etwas versöhnlicher. BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter bemängelte allerdings, dass neue Immobilienfonds künftig nur noch als geschlossene Produkte für sehr vermögende Privatkunden oder Profi-Anleger aufgelegt werden sollen.

Fondsbranche will Einfluss nehmen
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7 Kommentare zu "Gesetzentwurf: Fondsbranche kritisiert Regulierungspläne"

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  • Kleinanlegr bevormunden, was für sie richtig ist und kein Wort über maroden, konkurse Zockerbanken, die munter mit neuem Spielgeld die Einlagen ihrer Kunden weiter verzocken. Typisch Schäuble.

  • Entscheidend ist, dass der Anleger nur Produkte kauft, die er auch versteht. Ich bin seit 25 Jahre in der Branche tätig und gebe zu: bei manchen Produkten (vor allem Zertifikate, aber zunehmend auch Fonds nach den aktuellen UCITS III-Regeln) brauche ich einige Analysestunden, um zu verstehen, wie sie funktionieren. Und stelle fest: meist ist die Konstruktion nicht im Interesse des Anlegers. Darunter auch Produkte, die dann als Massenprodukte über Sparkassen und Volksbanken an Kleinanleger verkauft werden.
    Alle Maßnahmen zur Erhöhung der Transparenz sind deshalb sinnvoll.
    Viel wichtiger als eine Vorschrift über die Zulässigkeit von Produkten wäre aber eine strikte (auch institutionelle) Trennung zwischen Produktanbieter und Berater. Gute Berater sind an langfristigen Kundenbeziehungen interessiert und stellen somit den Anlageerfolg des Kunden in den Mittelpunkt und nicht Absatzzahlen vorgegebener Produkte.
    Eine detaillierte Anlegeranalyse ist theoretisch schon jetzt vorgeschrieben (wird aber in der Praxis meist umgangen, weil ja bestimmte Produkte verkauft werden müssen) und ist die Grundlage für die Produktvorschläge seriöser, unabhängiger Berater. Wenn dann der Anleger über diese Produktvorschläge umfassend informiert wird (Beispiele: Strategie des Fondsmanagement, Kosten) udn Zeit hat, sich mit diesen Informationen zu beschäftigen, dann werden auch die richtigen Anlageentscheidungen getroffen.
    Übrigens: AIFM umfasst auch die (notwendige) bessere Regulierung geschlossener Fonds. Dort liegt noch einiges im Argen. So sollte beispielsweise gesetzlich vorgeschrieben werden, dass die Treuhänder wirtschaftlich und organisatorisch unabhängig von den Beteiligungsgesellschaften und Initiatoren sein müssen, da sie ja die Anlegerinteressen vertreten sollen. Außerdem müssen unabhängige Anlegerbeiräte vorgeschrieben sein.
    In diesem Bereich ist noch viel mehr zu tun als bei den schon recht gut regulierten offenen Fonds.

  • Gut gelistet - jetzt weiß ich, warum die Deutschen so viel jammere...

  • Und nächstes Jahr kommt dann Frau Aigner und präsentiert ein Neues Computer-Verbraucherschutz-Gesetz, nachdem der Privatkunde nur noch Einheitsrechner mit Standard-Ausstattung kaufen dürfen. Für die Laptops mit irgendwelchen Besonderheiten wir hochgerüsteten Grafikkarten oder mehreren Festplatten ist der normale Deutsche schlicht und ergreifend zu doof. Und wieder 1 Jahr später werden alle Backmischungen mit mehr als 3 Arbeitsschritten verboten, da die Zubereitung den Käufer unangemessen benachteiligt.

    Armes Deutschland! Hoffentlich darf ich auch in 10 Jahren noch Zugverbindungen mit mehrmaligem Umsteigen wählen - aber vielleicht sollte der Bürger auch hier geschützt werden und Direktverbindungen gesetzlich vorgeschrieben sein . . .

  • WER, WER braucht FONDS??? Die Leute verdienen ohnehin durchschnittlich weniger als vor 10 und erst Recht vor 20 Jahren zu DM-Zeiten. Die kleinen Privatanleger schauen auch nicht auf die effektiven also realen Kosten sondern sehen nur die Werbeschriften, etwa dass keine 5% Ausgabeaufschlag fällig seien. Wenn sie überhaupt das lesen und nicht nur anschauen. Nanu: und eine Jahresprämie von 10%?? Bei Überschreiten einer prozentualen Wachstumsmarke? Deren Zeitpunkt extra offen gelassen wird?
    Da schaut man einfach lieber bei ING-DiBA Online unter Fonds und dort deren Aufschlüsselung, die aktuell attraktive Aktien zeigt. Idealerweise erwischt man den Änderungszeitpunkt. Schon läuft man im Erfolgsstrom mit. Ohne versteckte Gebühren. Aber, wie sagte Günter Krämer von der Commerzbank sehr trefflich kürzlich: Aktien (Aktienfonds) sind für die nächsten 20 Jahren nichts. WEGEN der globalen Überschuldung. Außer, unsere Leader spielen weiter mit Luftpaketen, aktuell Schuldentilgungsfonds, der als CLOUDCOMPUTING irgendwo im Weltall stationiert wird. Da kommen dann alle Schulden digital outgesourct hin, werden dort weit oben - weiter als Venus und Mars je sein könnten - eingebucht. Dann sind wir frei von irdischen Lasten. Dann könnten die Kurse steigen. Steigen. Steigen. Für die nächsten 30 Jahre.

  • Schlecht gemacht von den Lobbyisten. Sie hätten ihm einen lukrativen Job versprechen müssen. Dafür hätten sie einen eigenen Text abgeben dürfen.

    So ähnlich haben es die Luxemurger auch gemacht. Nur mit der garantierten Straffreiheit wärees wohl schwierig geworden.

    Haben die es denn immer nocht nicht gelernt?

  • so durchsichtig ! Mit der lächerlichen Begründung den Schutz zu verbesseren wollen soll unliebsame Konkurrenz aus dem Geschäft raus gehalten werden, statt dem schändlichen Treiben endlich mal ein Ende zu bereiten. Für wie blöd hält dieser Rolli-Fahrer uns eigentlich ?

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