Gesetzesentwurf
Hedge-Fonds werden für Privatanleger zum Tabu

Geht es nach dem Bundestags-Finanzausschuss dürfen Hedge-Fonds bald nicht mehr an Privatanleger verkauft werden. Auch für andere Anlageformen und ihre Manager sollen strengere Regeln eingeführt werden.
  • 2

BerlinDie als riskant geltenden Hedge-Fonds dürfen in Deutschland bald nicht mehr an Privatanleger verkauft werden. Der Bundestags-Finanzausschuss machte am Mittwoch den Weg frei für die finale Abstimmung im Bundestag über die Umsetzung der AIFM-Richtlinie der EU in Deutschland. Der deutsche Gesetzentwurf dazu sieht vor, dass Hedgefonds nicht mehr für Privatanleger aufgelegt werden dürfen. Auch ausländische Hedge-Fonds dürfen nur noch an professionelle oder semi-professionelle Anleger verkauft werden. Für andere alternative Anlageformen wie offene Immobilien-Fonds oder Private Equity-Fonds werden strengere Regeln eingeführt.

Mit dem deutschen Umsetzungsgesetz zur AIFM-Richtlinie wird ein neues Kapitalanlagegesetzbuch geschaffen. Darin wird die staatliche Aufsicht über alle Arten von Investment-Fonds und ihre Manager geregelt. Damit will die schwarz-gelbe Koalition eine zentrale Lehre aus der Finanzkrise ziehen, dass kein Finanzprodukt oder Marktakteur mehr unbeaufsichtigt sein darf.

Die vom Finanzausschuss nun dem Bundestags-Plenum vorgelegte Gesetzesvorlage der Koalition wurde auf Druck der Fondsbranche deutlich entschärft. Sie hatte vor einer Überregulierung und Standortnachteilen gewarnt. So ist das ursprünglich diskutierte Verbot milliardenschwerer Offener Immobilien-Publikums-Fonds, von denen etliche in der Finanzkrise in Schieflage geraten waren, vom Tisch. Sie sollen künftig aber strikten Anlagebeschränkungen unterliegen. Zudem dürfen Kleinsparer ihre Anteile nur noch einmal pro Jahr zurückgeben, damit die Fonds ihre Liquidität besser managen können. Auch Spezial-Fonds - also offene Fonds, die das Geld professioneller Investoren wie etwa Versicherer einsammeln - bleiben erhalten.

Auch in einem anderen Punkt kam die Koalition der Branche entgegen: Künftig soll es neben den Privatanlegern und den institutionellen Investoren eine dritte Kategorie, die semi-professionellen Anleger, geben. Dazu zählen etwa Stiftungen oder Verbände. Sie können weiter in komplexe Produkte investieren, wenn sie sich zutrauen, die Risiken abzuschätzen.

KfW wird strengerer Aufsicht unterworfen
Außerdem machte der Finanzausschuss den Weg frei für einen Gesetzentwurf der Bundesregierung, mit dem die staatliche Förderbank KfW einer strengeren Aufsicht unterworfen wird. Das Gesetz sieht vor, dass das Bundesfinanzministerium eine Rechtsverordnung darüber erlässt, welche für normale Geldinstitute gelten Aufsichtsregeln künftig auch für die KfW gelten werden. Ihre Einhaltung soll von der Bankenaufsicht BaFin und der Bundesbank kontrolliert werden.

Die KfW ist mittlerweile das drittgrößte Kreditinstitut in Deutschland. Seit der Finanzkrise 2008 waren ihr von der Politik immer mehr Aufgaben übertragen worden. Bereits heute hält sie auf freiwilliger Basis weite Teile der Kontrollvorschriften ein, die normale Geschäftsbanken erfüllen müssen.

Beide Gesetzesvorhaben sollen noch vor der parlamentarischen Sommerpause verabschiedet werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gesetzesentwurf: Hedge-Fonds werden für Privatanleger zum Tabu"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das ist schon total witzig. Angenommen es sei ein Portfoliomanager eines Hedgefonds (der irgendwo ganz offiziell in der EU existiert), der darf als "Privatanleger" dann keine Anteile an demselben Fonds erwerben, den er/sie selber verwaltet. So sind die Gesetze. Tagsüber von Montag bis Freitag ist ein und dieselbe Person clever genug einen Hedgefonds zu verwalten, und wenn er seine Badelatschen anzieht ist er per Gesetzesdefinition zu doof dafür.

    Ja das mit dem schützeswerten Privatanleger war schon immer absurd.
    - Wenn ich privat eine Firma gründe ist alles Ok, aber wenn ich in einen Private Equity Fonds investiere sei ich dafür zu doof.
    - Wenn ich privat Optionen auf Margin leerverkaufe ist alles Ok, aber für einen Hedgfondsinvestment sei ich dafür zu doof.
    - Wenn ich mir eine Immobilien (zum Vermieten) kaufe ist es Ok, wenn ich in einen Immobilienfonds investiere sei ich dafür zu doof.

    Gesetze waren noch nie dafür da (Ok vielleicht ganz viel früher mal, irgendwann bevor ich geboren wurde), dass die irgendeinen Sinn ergeben, sondern müssen schön komplex, sinnfrei und unlogisch sein, damit Gesetze auch als ABM-Maßnahme für Anwälte funktionieren.

    Eigentlich kann ich jeden Privatanleger nur empfehlen wirklich keine Fonds mehr zu kaufen. Dafür braucht man sich nur die Kostenstruktur von KAGs angucken, wo der größte Batzen der Feeeinnahmen für Vertrieb (d.h. man bezahlt dafür gesetzlich legal belogen zu werden), "Compliance" (d.h. ein Haufen von Leute die versuchen Gesetze zu verstehen), "Risikomanagement" (d.h. bei KAGs sind das i.d.R. potemkinsche Dörfer die für den Gesetzgeber aufbaut wurden) drauf. Am Ende bleibt dann nicht viel übrig für die Kerndienstleistung. Hmm was war das nochmal? Achja Portfoliomanagement, genau. Und wegen "Chinese Walls" tragen die zuvor genannten Wasserkopffunktionen auch garnichts (z.B. ökonomisch relevanten Informationen) zur Kerndienstleistung hinzu (Ist ja per Gesetz so oder so nicht erlaubt).

  • Hier können wir wieder einmal sehen, von welch schlichten Geistern wir regiert werden und wie die Profi-Lobbyisten das geschickt ausnutzen. Die Einteilung in Privatanlegern, institutionellen Investoren und semi-professionellen Anleger zeigt, dass die Politik nichts gelernt und verstanden hat. Sie verwechselt wieder mal Status mit Qualifikation: der Privatanleger ist der schutzbedürftige Depp, die anderen die Profis. Dabei hat die Finanzkrise deutlich gezeigt wieviele naive Deppen die Finanzbranche beschäftigt. Dagegen ist so mancher Privatinvestor relativ gut durch die Krise gekommen - auch ohne Bankenrettung. Jetzt werden die Privaten wieder staatlich bevormundet und die Finanzverkäufer werden dafür die "passende" Produkte und Regeln kreieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%