Gewinneinbruch
Aktie der Man Group stürzt ab

Lange Zeit galt die Man Group in der Hedge-Fonds-Branche als Fels in der Brandung. Doch die Krise macht auch vor dem Marktführer nicht mehr halt. Rückläufige Gewinne und Mittelabflüsse verunsichern die Investoren. An der Börse bricht die Aktie der Man Group so stark ein wie noch nie.

LONDON.Die globale Finanzkrise hat jetzt auch den weltweit größten börsennotierten Hedge-Fonds Man Group erfasst. Gestern musste Vorstandschef Peter Clarke den Investoren einen deutlichen Gewinnrückgang eingestehen. Außerdem sank das verwaltete Vermögen stärker als noch vor wenigen Wochen angekündigt.

Die Nachricht hatte dramatische Folgen an der Börse. Die Aktie von Man brach zeitweise um bis zu 36 Prozent ein - der größte Kurssturz in der Geschichte des Unternehmens. Clarke machte die "schlimmste Finanzkrise seit Generationen" und die "halsbrecherischen Kursschwankungen" an den weltweiten Wertpapiermärkten für das stärker als erwartet eingebrochene Ergebnis verantwortlich.

Die Man Group galt bislang als Fels in der Brandung. Noch bis zum Sommer hob sich die Gesellschaft mit kräftigen Zuflüssen und starken Renditen positiv vom Rest der Branche ab, die in diesem Jahr nach einem jahrelangen Boom durch die Verwerfungen an den globalen Finanzmärkten in die tiefste Krise ihrer Geschichte gerutscht ist (siehe "Hedge-Fonds in Existenznot").

In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahrs bis Ende September brach der Gewinn vor Steuern der Man Group wegen geringerer Provisionseinnahmen und Sonderausgaben um 24 Prozent auf nur noch 622 Mill. Dollar ein. Ende März hatte die Gruppe noch ein Vermögen von mehr als 70 Mrd. Dollar verwaltet. Anfang November waren es nur noch 61 Mrd. Dollar. Allein seit Oktober gingen rund sechs Mrd. Dollar verloren. Zuletzt hatte der Hedge-Fonds den Anlegern noch einen deutlich geringeren Rückgang signalisiert.

"Das Minus beim verwalteten Vermögen ist höher ausgefallen, als von vielen erwartet", sagte Analyst Gurjit Kambo von Numis Securities der Nachrichtenagentur Bloomberg. Voraussichtlich werde das verwaltete Vermögen weiter in Richtung 50 Mrd. Dollar fallen, und das sei "nicht gerade hilfreich". Vorstandschef Clarke machte für das Minus allem Währungseffekte durch die Umrechnung in US-Dollar und die Reduzierung des Verschuldungsgrades einer Fondsgruppe verantwortlich. Clarke betonte, dass der Rückgang des Vermögens nicht wie bei vielen anderen Fonds auf den Abzug von Kundeneinlagen zurückzuführen sei. Netto hätten die Investoren sogar vier Mrd. Dollar mehr Kapital in den Man-Fonds angelegt.

Das wichtigste Produkt von Man, der AHL Diversified Futures Fund, musste in den sechs Monaten von Ende März bis Ende September ein Minus von 7,6 Prozent verkraften. Seither hat sich der Fonds, der rund 25 Mrd. Dollar verwaltet, aber wieder erholt. Im Oktober verbuchte der AHL Diversified einen Gewinn von zwölf Prozent. Seit Anfang dieses Jahres steht damit ein Plus von 14 Prozent zu Buche.

AHL gehört zu den sogenannten Trendfolge-Fonds, die auf Basis mathematischer Formeln im riesigen Datenstrom, den die Kapitalmärkte produzieren, nach Signalen für Preistrends suchen, die sich für einige Tage, Wochen oder Monate gewinnbringend nutzen lassen.Im Boomjahr 2007 erreichte AHL mit diesem System noch eine Rendite von 37 Prozent und legte damit fünf Mal stärker zu als der Hedge-Fonds-Index von Credit Suisse/Tremont. mm

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