Global Alpha Fund
Hedge-Fonds von Goldman schwächelt

Das Branchenschwergewicht Global Alpha Fund hat das Jahr 2006 mit einem Wertverlust von sechs Prozent abgeschlossen. Renditeschwankungen im Spekulationsgewerbe der Hedge-Fonds sind nicht ungewöhnlich. Goldman-Sachs aber konnte den Negativtrend bislang nicht umdrehen.

NEW YORK. Warren Buffett hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Das war die Botschaft, mit der Mark Carhart im Sommer vergangenen Jahres die Strategie des legendären Großinvestors auf einer Anlegerkonferenz auseinandernahm. Buffett, so der Goldman-Sachs-Manager damals, setze immer noch auf angeblich renditeschwache Anlagen wie Coca-Cola. Carhart selbst hatte mit dem von ihm gemanagten Hedge-Fonds Goldman Sachs Global Alpha im Vorjahr gerade eine sagenhafte Rendite von 51 Prozent eingefahren.

Damals ahnte der vor Selbstbewusstsein strotzende Hedge-Fonds-Manager vermutlich noch nicht, dass sein Global Alpha Fund das Jahr 2006 mit einem Wertverlust von sechs Prozent abschließen würde. Renditeschwankungen im Spekulationsgewerbe der Hedge-Fonds sind nicht ungewöhnlich. Carhart und sein Partner Raymond Iwanowski konnten den Negativtrend jedoch bislang nicht umdrehen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg ist das Flaggschiff von Goldman Sachs in den ersten vier Monaten nach geplatzten Wetten auf dem Devisenmarkt um weitere 3,4 Prozent gesunken. Goldman wollte die Zahlen nicht kommentieren. Zum Vergleich: Buffett erwirtschaftete seiner Finanzholding Berkshire Hathaway 2006 eine Rendite von 18,4 Prozent.

Auch im Vergleich zu anderen Hedge-Fonds steht der Global Alpha nicht besonders gut da. Nach Berechnungen der Markforscher von Hedge Fund Research aus Chicago liegt die Durchschnittsrendite der Branche in diesem Jahr mit 4,9 Prozent immerhin im Plus. Wer sein Geld dagegen in einen einfachen Indexfonds für den S&P 500 gesteckt hat, kann sich über eine Rendite von fast acht Prozent seit Jahresbeginn freuen. Und dafür muss er noch nicht einmal eine saftige Managementgebühr zahlen.

„Normalerweise akzeptieren die Anleger ein schlechtes Jahr“, sagte Gregory Dowling, Manager bei der Investmentgesellschaft Evaluation Group, der Nachrichtenagentur Bloomberg, „nach zwei Jahren beginnen die Investoren jedoch, sich über die Stabilität des Fonds Sorgen zu machen.“

Dass Hedge-Fonds gerade dann straucheln, wenn die Aktienmärkte boomen, liegt in ihrer Natur. Zeichnen sie sich doch dadurch aus, dass sie gegen allgemeine Marktrends spekulieren. Bis vor kurzem hatte Goldman mit diesem Rezept durchaus Erfolg. Der Global Alpha Fonds schüttelte nicht nur die Börsenflaute 2001 ab, sondern sicherte seinen Investoren in den darauf folgenden vier Jahren eine jährliche Rendite von fast 20 Prozent. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als die Konkurrenz.

Global Alpha wurde 1995 gegründet und gilt mit einem verwalteten Vermögen von etwa zehn Mrd. Dollar als einer der größten Hedge-Fonds der Welt. Carhart und Iwanowski führen ein Team von mehr als 50 Anlagespezialisten, die so ziemlich auf alles wetten, was sich an den Finanzmärkten bewegt. Ihre Handelsstrategien basieren dabei meist auf computergestützten, mathematischen Modelle. Wie in der Branche üblich, kassiert Goldman für die Kunststücke seiner Finanzakrobaten nicht nur eine Gewinnbeteiligung von 20 Prozent. Dazu kommt eine jährliche Gebühr von 1,5 bis zwei Prozent auf das verwaltete Anlagevermögen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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