Graham Clapp im Interview
„Ich bin ein überzeugter Aktieninvestor“

Graham Clapp hat sich als Fondsmanager einen Namen gemacht. Seit 2008 managt er zwei Fonds, mit denen er auch auf fallende Kurse setzen kann. Im Interview erklärt er, warum es nicht ausreicht, gute Aktien auszuwählen.
  • 0

Mr. Clapp, Sie sind vielen Investoren in Deutschland vor allem als Manager des Aktienfonds Fidelity European Growth bekannt. Unter Ihrer Ägide zählte das Portfolio zeitweise zu den besten und meistverkauften Portfolios in Deutschland. Unlängst wechselte bei diesem Fonds der Manager. Würden Sie manchmal gern Ihren jetzigen Job mit dem neuen Verantwortlichen Matt Siddle tauschen?

Nein, keineswegs. Ich bin sehr zufrieden damit, zwei Long-Short-Fonds bei Pensato aufgelegt zu haben. Zudem ist Matt Siddle eine hervorragende Wahl für diesen Job. Ich kenne ihn gut, denn er war zwei Jahre lang mein Assistent. Ihm dürfte auch helfen, dass das Fondsvolumen inzwischen wieder etwas zurückgekommen ist.

Unter ihrer Ägide wurde das hohe Volumen zum Problem. So waren zeitweise mehr als 20 Milliarden Euro im Fonds investiert. Gleichzeitig haben Sie vor allem mit Midcaps Geld verdient.  Das dürfte bei diesem Volumen schwierig gewesen sein. Warum haben Sie bei Pensato nicht einfach einen europäischen Aktienfonds aufgelegt, der ähnlich investiert hätte wie das Fidelity-Portfolio?

Im Zuge der Finanzkrise war damals zu wenig Liquidität in den Aktienmärkten. Vor allem bei Midcaps verschärfte sich die Situation zunehmend. Heute sind bei uns rund 300 Millionen Euro investiert. Ich hätte dieses Problem mit einem ähnlichen Fonds bei Pensato tatsächlich nicht. Doch die Aktienmärkte sind seit einigen Jahren auch auf Grund der politischen Situation äußerst volatil. Bei Aktienfonds können Sie als Stock Picker heute richtig gut sein und dennoch Geld verlieren. Ich würde sagen, etwa 20 Prozent der Performance hängen seit Ausbruch der Krise an der Aktienauswahl. 80 Prozent machen Marktschwankungen aus.

Und wie gehen Sie mit diesen Schwankungen um?

Bei Pensato können wir short gehen, dürfen also leer verkaufen. Wir hedgen dabei einzelne Positionen ab, gehen jedoch keine Wetten auf Märkte oder Portfoliostrukturen ein. Unser Ziel ist es, auf Sicht von einem Jahr positive Ergebnisse zu erzielen. Im Klartext: Wir setzen auf Aktien, von denen wir überzeugt sind, dass sie besser abschneiden als der Markt. Dann versuchen wir, das Marktrisiko weitgehend auszuschließen. Unsere Anleger sollen nur das Risiko tragen, dass eine Aktie stärker fällt als der Markt. Zeitweise können zwar auch unsere Titel in unruhigen Zeiten zurückfallen. Aber der Markt korrigiert solche Fehlbewertungen meist rasch.

Kommentare zu " Graham Clapp im Interview: „Ich bin ein überzeugter Aktieninvestor“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%