Großbritannien
Gewerbeimmobilien verlieren rasant an Wert

Jahrelang gab es für die Mieten am Markt für Bürogebäude in der Londoner City nur eine Richtung: Aufwärts. Doch die Finanzkrise hat einen rapiden Preisverfall ausgelöst. Die Mieten sinken, die Leerstandsquote steigt. Die Nachfrage nach Büroflächen fällt weiter.

LONDON. Die Finanzkrise und die Schieflage vieler Banken hat dem jahrelangen Aufschwung am Markt für Bürogebäude in der Londoner City ein plötzliches Ende bereitet. Die Mieten sinken, die Quote leer stehender Büroflächen steigt, der Wert der Immobilien bricht schneller ein, als in der letzten großen Rezession Anfang der 90er-Jahre. Und noch ist kein Ende der Talfahrt in Sicht.

Mit Beginn der Verwerfungen an den Kapitalmärkten vor mittlerweile knapp zwei Jahren setzte ein rapider Preisverfall von bislang mehr als 35 Prozent im Londoner Bankenzentrum ein, der die Wertsteigerungen eines ganzen Jahrzehnts ausgelöscht hat. 27 Prozent betrug das Minus allein im vergangenen Jahr. Damit ist der IPD-Wertindex für Bürogebäude etwa auf den Stand von 1998 zurückgefallen, und das laufende Jahr werde weitere Verluste bringen, sagen Analysten übereinstimmend voraus. Die Investmentbank Close Brothers prognostiziert beispielsweise, dass die Preise für britische Büroimmobilien im kommenden Jahr um bis zu 60 Prozent unter den Rekorden von Anfang 2007 liegen werden.

Die Spätfolgen der Finanzkrise haben dafür gesorgt, dass Londons Bankenzentrum in der Hitparade der teuersten Bürostandorte Europas seinen Spitzenplatz verloren hat. Mit Paris, Genf und Dublin könnten gleich drei internationale Konkurrenten an der Themsemetropole vorbeiziehen. Schuld daran ist der anhaltende Verfall der Büromieten, die den Daten der Beratungsgesellschaft NB Real Estate zufolge allein im vergangenen Jahr um 40 Prozent fielen. In der City kostet der Quadratmeter Büroraum jetzt nur noch umgerechnet 593 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Im edlen Londoner Westend, wo viele Hedge-Fonds zu Hause sind, wurden immerhin im Schnitt noch 961 Euro pro Quadratmeter fällig, aber auch dieser Wert liegt deutlich unter den 1 757 Euro, die die Mieter noch im Vorjahr für Büros an den Nobelstandorten Mayfair oder St. James auf den Tisch gelegt haben.

Die Royal Institution of Chartered Surveyors kann dem Verfall der Preise und Mieten zumindest einen positiven Aspekt abgewinnen. Zusammen mit dem Wertverlust des Pfundes habe der Preisrutsch britische Büroimmobilien sehr attraktiv für ausländische Investoren gemacht. Die Anleger müssen allerdings einen langen Atem mitbringen. Denn die Nachfrage nach Büroflächen fällt weiter, während gleichzeitig die im Boom geplanten neuen Projekte auf den Markt drängen. Im vergangenen Jahr waren von diesen neuen Flächen nur magere zehn Prozent vorvermietet. Angesichts des anhaltenden Abschwungs haben die Investoren bereits mehrere prestigeträchtige Hochhausprojekte in London gestrichen oder zumindest auf die lange Bank geschoben. So verschob der Immobilienentwickler British Land den Bau eines neuen Wolkenkratzers, der unter dem Spitznamen "Käsereibe" bekannt ist, auf 2012. Die Gesellschaft kam zu dem Schluss, dass das heftigste Beben in der Finanzbranche seit Jahrzehnten nicht der optimale Zeitpunkt sei, um 55 000 Quadratmeter neuen Büroraum auf den Markt zu bringen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%