Große Häuser dennoch optimistisch
Anleger kaufen nur zögernd Aktienfonds

Deutsche Investmentgesellschaften rechnen im kommenden Jahr mit etwas besseren Absatzzahlen.

FRANKFURT/M. Seit März haben die weltweiten Aktienmärkte einen beeindruckenden Anstieg hingelegt. Aber die deutschen Privatanleger steigen trotzdem nicht in großem Umfang bei Aktienfonds ein. Das belegen die Absatzzahlen der deutschen Investmentgesellschaften bei den Publikumsfonds.

In ihren Ausblicken auf die Verkäufe im kommenden Jahr sind große Häuser wie die DWS, Union Investment und der DIT dennoch vorsichtig optimistisch: Die Deka rechnet damit, dass Sicherheit für den Anleger bei der Produktauswahl Trumpf bleiben wird. Auch in den deutschen Niederlassungen großer ausländischer Adressen gibt man sich höchstens zurückhaltend optimistisch.

Bis Ende Oktober (die Novemberzahlen gibt der Fondsverband BVI in etwa zwei Wochen bekannt) setzte die Branche Investmentfonds für netto 31,2 Mrd. Euro ab, davon entfielen allerdings knapp 20 Mrd. Euro auf die wertstabilen Immobilienfonds und die klassische „Parkstation“ Geldmarktfonds. Aktienfonds kamen nur auf bescheidene 2,5 Mrd. Euro. Kein Vergleich mit der hoch gelegten Messlatte aus dem Börsenboomjahr 2000: Damals waren es in dieser Zeitspanne noch 59 Mrd. Euro. Auch in der Monatsstatistik Oktober deutete sich höchstens ein zögerlicher Umschwung an: Verkauft wurden Anteilscheine für eine Mrd. Euro, nachdem die Branche im Vormonat 0,5 Mrd. Euro an Rückflüssen hinnehmen musste.

„Wir erwarten im nächsten Jahr wieder eine lebhaftere Nachfrage nach Aktienfonds“, sagt Klaus Riester, Leiter Vertrieb bei der zur genossenschaftlichen Bankengruppe gehörenden Union Investment. Zum Absatz im laufenden Jahr merkt er an: „Aktienfonds haben einen Anteil von weniger als fünf Prozent an unseren Zuflüssen.“

Bei der zur Deutsche- Bank-Gruppe gehörenden DWS schätzt ein Sprecher die Lage ebenfalls nur vorsichtig optimistisch ein: „Insgesamt scheint es, als wachse der Risikoappetit der Anleger.“ Er beruft sich dabei auf die Beobachtung, dass die Anleger wieder verstärkt klassische Aktienprodukte nachfragen. In letzter Zeit stießen vor allem Aktienfonds mit Risikopuffer auf Resonanz. Gefragt waren und sind quer durch die Anlagebranche Garantien und Wertsicherungskonzepte, auf positive Erträge ausgerichtete Produkte (Absolute Return) und spezielle Strategien wie ein Fokus auf Dividendenerträge.

Bei dem zur Allianz-Gruppe gehörenden DIT registriert man „in den letzten Wochen wieder eine verstärkte Nachfrage nach Aktienfonds, schwerpunktmäßig für deutsche Werte und und europäische Blue Chips“. Ein Sprecher des Hauses rechnet im kommenden Jahr mit einer „weiteren Belebung der Nachfrage nach Aktienfonds“. Der DIT erwartet auch einen anhaltend guten Verkauf für Absolute-Return-Produkte. Hier werde vorsichtiger Optimismus spürbar. Dennoch bemerkt auch der DIT-Mann: „Das Anlegerverhalten bleibt von ausgeprägtem Sicherheitsdenken bestimmt“.

Etwas anders beurteilt Deutschland zweitgrößtes Fondshaus – die zur Sparkassenorganisation gehörende Deka – die Situation: „Wir planen für das kommende Jahr einen etwa 30 Prozent höheren Nettoabsatz als im laufenden Jahr, gehen also von rund 13 Mrd. Euro aus. Da sprechen wir von den Fonds der Deka und ihren Kooperationspartnern und dem Verkauf über die Sparkassen“, sagt Robert Langer, Bereichsleiter Marketing und Sparkassenvertrieb. Aber, so sagt er, „die Sicherheitsorientierung bleibt dominierend“. Noch stehen bei der Deka Immobilien- und Geldmarktfonds sowie Garantieprodukte im Vordergrund. „Kapitalerhalt ist immer das Schlüsselwort“, sagt Langer.

Ähnlich ist die Lage bei den großen ausländischen Fondsgesellschaften mit Standbein in Deutschland. Zu den Top-Spielern gehören Fidelity und Franklin Templeton Investments. Auch hier wird Zurückhaltung spürbar. „Es ist wahrscheinlich zu früh, um von einer Renaissance der Aktienfonds zu sprechen“, sagt ein Fidelity-Sprecher. Das US-Haus rechnet in Deutschland zum Jahresende mit einem verwalteten Vermögen von 7 Mrd. Euro, eine Summe, in die allerdings auch die institutionellen Gelder einbezogen sind.

Bei Franklin Templeton Deutschland wiederum ist der Grundton etwas optimistischer. Geschäftsführer Hans Wisser rechnet für das laufende Jahr mit einem Nettoabsatz von 1,4 Mrd. Euro bei Publikumsfonds. „Für das kommende Jahr planen wir zwei Milliarden und erwarten in diesem Zuge ein von siebeneinhalb auf bis zu elf Milliarden steigendes Gesamtvermögen“, sagt Wisser.

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