Grüne Geldanlagen
Gut fürs Gewissen und die Rendite

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Die Nische boomt

In puncto Performance spricht also nichts gegen grüne Geldanlagen. Dennoch gelten sie nach wie vor als Nischenprodukte. So berücksichtigen nur vier Prozent der Publikumsfonds für Privatanleger bei ihren Investmententscheidungen ökologische und soziale Kriterien, wie die Fondsrating-Gesellschaft Morningstar zuletzt berechnete. Doch gleichzeitig boomt das Angebot: Laut Scope stehen deutschen Anlegern derzeit 433 Investmentfonds zur Verfügung, die explizit Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen. Allein 90 Fonds sind seit 2015 dazugekommen.

Der grüne Anlagemarkt wuchs laut dem Forum Nachhaltige Geldanlagen seit 2008 in jedem Jahr stärker als der konventionelle. Das Gesamtvolumen für nachhaltige Anlagen lag 2016 bei knapp 157 Milliarden Euro. Mit rund 2,8 Prozent ist der Anteil am Gesamtmarkt allerdings immer noch ausgesprochen gering. Woher kommt also die Zurückhaltung bei Anlegern und Fondsmanagern?

„Viele Manager orientieren sich an der Portfolio-Theorie. Die besagt, dass die Performance sinkt, sobald man seine Anlagemöglichkeiten verkleinert“, erklärt Finanzforscher Klein. Denn bei grünen Investments werden manche Unternehmen ausgeschlossen, beispielsweise Betreiber von Atomkraftwerken oder Rüstungsunternehmen.

Viele Privatanleger hätten das gleiche Vorurteil im Kopf wie bei Bio-Eiern: „Wenn das Produkt ökologisch nachhaltig ist, muss ich mehr bezahlen oder eben auf Rendite verzichten.“ Zudem fand Klein in einer weiteren Studie heraus, dass die meisten deutschen Anleger nachhaltiges Investieren spannend finden. Trotz eines gestiegenen Umweltbewusstseins investieren aber nur wenige.

Das Zögern der Anleger liegt Klein zufolge auch an fehlenden Standards und zu wenig Transparenz bei grünen Finanzprodukten. „Der Begriff ‚nachhaltig‘ ist nicht geschützt. Deshalb gibt es eine fortlaufende Debatte darüber, was nachhaltig ist – und was nicht.“ Schon in Frankreich und Deutschland würden sich die Ansichten darüber unterscheiden: Betreiber von Atomkraftwerken werden in hierzulande von nachhaltigen Fonds ausgeschlossen, im Nachbarland aber nicht.

Und dann bleibt noch die Frage: Ist es schon nachhaltig, in die Unternehmen zu investieren, die ökologische und ethische Standards in ihrer Branche am besten umsetzen? Diesen Ansatz verfolgt beispielsweise die weitverbreitete sogenannte „Best-in-Class“-Strategie. Oder müssen Manager bestimmte Branchen wie die Tabak- oder Alkoholindustrie komplett ausschließen?

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