Günstige Bewertung und starke Wettbewerbsfähigkeit versprechen gute Renditen
Fondsmanager halten deutsche Standardwerte für attraktiv

Deutsche Aktien sind wieder gefragt. Seit April hat der deutsche Standardwerteindex Dax um mehr als zehn Prozent zugelegt. Und selbst pessimistische Strategen sprechen von weiter steigenden Kursen – kein Wunder, dass Fondsmanager deutsche Werte zurzeit für attraktiv halten.

FRANKFURT/M. Die Besten ihrer Zunft haben bereits in den vergangenen, insgesamt eher durchwachsenen Jahren gute Renditen erzielt (siehe Tabelle: „Deutschlandfonds im Vergleich“). Nun halten die Anlageprofis deutsche Aktien trotz der jüngsten Kursrally für extrem günstig bewertet. Die großen deutschen Unternehmen haben in der Krise ihre Hausaufgaben gemacht, und die Aussicht auf einen Regierungswechsel beflügelt die Börse.

Optimisten wie Klaus Martini von der Deutschen Bank erwarten sogar, dass der Deutsche Aktienindex (Dax) binnen zwölf Monaten die 5000-Punkte-Marke überspringt – das wäre ein weiteres Plus von gut zehn Prozent. Manfred Piontke vom Vermögensverwalter FPM erinnern Kursniveau sowie wirtschaftliche und politische Lage an den Anfang der 80er-Jahre. „Da aber die Zinsen damals rund dreimal so hoch lagen, könnten die Aktienkurse heute erheblich zulegen“, sagt er.

Unternehmen hätten trotz Euro-Stärke und des schwachen Wirtschaftswachstums Wettbewerbsfähigkeit bewiesen, ergänzt Vermögensverwalter Heinrich Morgen. Die Spekulationen auf den Regierungswechsel in Berlin seien zwar schon zum Teil in den Kursen enthalten, meint er. Aber da Privatanleger noch immer wenig Aktien kauften und auch Profis wie Versicherungen nur noch geringe Aktienquoten hielten, schätzt Morgen das Rückschlagpotenzial bei deutschen Titeln als gering ein. „Large Caps (Aktien mit hoher Marktkapitalisierung) haben wieder gutes Potenzial“, sagt auch Henning Gebhardt, Leiter deutsche Aktienfonds bei der DWS. Der Bewertungsvorteil kleinerer Aktien habe sich abgebaut, fügt er hinzu. Außerdem seien Standardaktien in schwierigen Märkten liquider und daher weniger risikobehaftet.

Wer sich nach der jüngsten Kurserholung nicht für einzelne Aktien entscheiden mag, kann Fonds oder Zertifikate kaufen. Die Besten unter den Managern deutscher Aktienfonds haben in den vergangenen drei Jahren mit bis zu 21 Prozent jährlich Konkurrenz und Vergleichsindex geschlagen. Der Börsenindex MSCI Deutschland verzeichnete in dem Zeitraum wegen des schwachen Jahrs 2002 sogar ein Minus.

Die laut Tabelle fünf besten deutschen Aktienfonds verfolgen relativ freie Strategien. „Erfolgreiche Manager haben freie Hand und viel Erfahrung“, meint Heiko Nitzsche, Analyst beim Fondsratinghaus S&P Investment Services. Wer seine Entscheidungen nicht von höherer Stelle in einem Konzern absegnen lassen müsse, könne sein Portfolio schneller umschichten. Während alte Hasen oft eigene Ideen unabhängig von der Gewichtung großer Börsenindizes umsetzten, orientierten sich Neulinge oft an den Vergleichsindizes.

Unter den erfolgreichsten Fondsmanagern für deutsche Aktien finden sich mehrere kleine Vermögensverwalter wie Piontke von FPM, Morgen und Jens Ehrhardt. Allerdings tauchen auch große Gesellschaften auf. „Aktives Stockpicking (Einzeltitelauswahl) ist auch in einem Konzern möglich“, sagt Achim Backhaus vom Ratinghaus Feri Trust. Fondsmanager der DWS wie Gebhardt, verantwortlich für den zweit- und den drittplatzierten Fonds, setzten ihre Ideen durch. Generell gebe es eher in großen Häusern Kapazitäten für strategische Konzepte. In kleinen Häusern hänge der Erfolg oft an wenigen Köpfen.

Die meisten Profis kaufen Aktien via Fundamentalanalyse. So schauen sich die FPM-Manager zunächst Firmenmodelle, dann Bewertungen an. Dabei bescheinigt ihnen Feri-Analyst Backhaus „gutes Gespür“ für den deutschen Aktienmarkt. Ehrhardt, der den UBAM-Fonds berät, sucht Firmen mit guter Substanz. Da er viele konservative Werte im Portfolio hat, schwankt der Fonds mit gut 15 Prozent im Jahr nur halb so stark wie der Durchschnitt der Fonds. Anlagefachmann Gebhardt setzt im DWS Select Invest auf ausgesuchte Aktien und gutes Timing beim Ein- und Ausstieg.

Heinrich Morgen setzt hingegen stark auf die Chartanalyse, also auf die Interpretation der Kursgrafiken. Um die Signale dieser Methode schnell umsetzen zu können, braucht er Liquidität und damit größere Titel im Fonds.

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