Guter Jahresstart
Hedge-Fonds schöpfen neuen Mut

In der Hedge-Fonds-Branche gibt es trotz anhaltender Rezession einen ersten Lichtblick: Repräsentative Indizes, die die Wertentwicklung der Fonds messen, drehen nach einer starken Abschwungphase ins Plus. Seit Anfang Dezember machen vor allem konservative Fonds mit positiven Anlageergebnissen von sich reden und sorgen dafür, dass die Indizes seither zwischen 2,4 und 2,6 Prozent gestiegen sind.

FRANKFURT. Entstanden sind Hedge-Fonds im Jahr 1949 aus der Idee heraus, unterbewertete Werte zu kaufen und gleichzeitig überwertete Werte zu verkaufen und auf diese Weise abgesicherte (hedge) Investments einzugehen. Mit dieser erfolgreichen "marktneutralen" Strategie machte der Hedge-Fonds-Erfinder Alfred Winslow Jones auf sich aufmerksam.

Seine Nachfolger veränderten allerdings diese grundlegende Idee, indem sie stark auf eine bestimmte Kursrichtung des Marktes setzten. Außerdem nutzten sie den Leverage-Effekt, indem sie den Wert ihrer Anlagen durch Kredite und Derivate steigerten. Der Zusammenbruch der Kapitalmärkte brachte vielen dieser Finanzinvestoren dann das Aus, weil sie ihre Kreditengagements mit hohen Verlusten auflösen mussten. Die "alten Hasen" der Branche hatten darüber geklagt, dass die Bezeichnung Hedge-Fonds in der Vergangenheit zu oft von jenen missbraucht worden sei, die sich ohne entsprechende Fachkenntnis einfach das Etikett Hedge-Fonds umgehängt und allgemeine Grundregeln des Geschäfts missachtet hätten.

Die Folgen waren im 2008 zu sehen: Das von diesen Investmentvehikeln verwaltete Kapital verringerte sich nach Angaben von Hedge Fund Research (HFR) von rund zwei auf weniger als 1,4 Billionen Dollar. Die Hedge-Fonds-Indizes brachen um 23,3 Prozent ein.

Der Einbruch hob sich um so deutlicher hervor, weil in den Jahren zuvor die Branche meist deutlich positive Anlageerträge abgeliefert hatte. Der CSFB-Tremont-Hedge-Fonds-Gesamtindex stieg in den vergangenen 15 Jahren um jährlich 8,7 Prozent deutlich stärker als die meisten Aktienindizes.

Seit einigen Wochen sieht es nun aber danach aus, als kehrte die Branche zu ihren Wurzeln zurück. Mit einer " neutralen Anlagestrategie" soll künftig wieder eine stabile Rendite erzielt werden, sagten führende Vertreter im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dabei würden deutlich geringere Risiken mit entsprechend kleineren Zuwächsen bei der Wertentwicklung in Kauf genommen. "Wer heute nur auf eine Richtung an den Aktienmärkten setzt, verfolgt nicht wirklich eine Hedge-Fonds-Strategie", sagt Ernest Boles, Vorstandschef der zur Quandt-Gruppe gehörenden Auda International in New York, die in den Bereichen Private Equity und Hedge-Fonds aktiv ist. "Die Branche hat mit Sicherheit aus Fehlern der Vergangenheit gelernt", fügt auch Andreas Benz, Gründer und Vorstand des Schweizer Hedge-Fonds-Anbieters Eucalyptus Invest hinzu.

Da bei weitem noch nicht erkennbar sei, ob die von Regierungsseite angestoßenen Rettungsmaßnahmen wirklich greifen werden und die Weltwirtschaft in absehbarer Zeit wieder Tritt fassen kann, dränge sich für die Hedge-Fonds heute eine marktneutrale Strategie geradezu auf, heißt es. "Der Bereinigungsprozess des Jahres 2008 ist eine logische Folge der allgemeinen Turbulenzen auf der einen und der Illiquidität vieler Finanzmärkte auf der anderen Seite gewesen", sagt Harvard-Professor George C. Chacko, der zugleich Chief Investment Officer des Hedge-Fonds-Bereichs bei Auda ist.

"Starke Hedge-Fonds-Gesellschaften werden gestärkt aus der Krise kommen", ist Benz inzwischen von der reinigenden Wirkung der Krise überzeugt. Als positives Zeichen empfinden Beobachter die Tatsache, dass es neben zahlreichen Pleiten im aktuell schwierigen Umfeld auch Neugründungen gibt. "Dass institutionelle Anleger neuen Hedge-Fonds Kapital anvertrauen, macht Mut", heißt es von mehreren Seiten.

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