Handelsblatt-Umfrage: Europas Asset-Manager sehen sich vor großen Herausforderungen
Fondsbranche spürt Vertrauensschwund

Die Vermögensverwalter stehen vor einer Herkulesaufgabe: Sie müssen und wollen das Vertrauen der von der Aktienbaisse frustrierten Anleger zurückgewinnen. Das ergab eine Handelsblatt-Umfrage.

FRANKFURT/M. Insgesamt 17 europäische Asset-Manager wurden nach den größten Herausforderungen für die Branche im Jahr 2004 befragt. Die Gesellschaften identifizierten vier weitere Top-Themen: Die Anpassung des Fondsangebotes unter Einbindung alternativer Investments, den Kampf mit immer mehr rechtlichen und aufsichtsrechtlichen Regeln, die Konzentration auf die eigene Stärke wie Portfoliomanagement und mögliche neue Börsenturbulenzen.

In Zeiten des Ertragsdrucks und verschärften Wettbewerbs entdecken die Fondsanbieter also ihre Kunden wieder. Deutliche Worte dafür findet Peter J. Mathis, im Vorstand der Dekabank, dem Zentralinstitut des Sparkassensektors, zuständig für das gesamte wertpapierbasierte Asset-Management. „Das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, ist die derzeit wohl vordringlichste Aufgabe der gesamten Fondsbranche – und das nicht nur in Deutschland“, sagt der Vertreter von Deutschlands zweitgrößter Fondsgesellschaft.

Die Fondsgesellschaften beschreiten einen steinigen Weg, denn es gilt nicht nur die baissegeschädigten Anleger zurückzuholen. „Die US-Skandale um unsauberen oder illegalen Handel mit Fondsanteilen und Bilanzbetrügereien wie bei Parmalat haben das Vertrauen zusätzlich erschüttert“, sagt Alan Ainsworth, Co-Chairman der großen britischen Gesellschaft Threadneedle. Michael Dobson, Chef von Schroders und damit eines weiteren großen europäischen Fondsanbieters, unterstreicht: „Reputation ist ein kritischer Faktor in unserer Branche.“ Die Asset-Manager müssten deshalb ihren Anlegern „maximale Transparenz“ bieten. Dazu zählt er den möglichst klaren Ausweis von Gebühren und die Kampfansage an Marktteilnehmer, die ihr Geld mit unsauberen Handelspraktiken verdienen. Auch David Brennan, Chef von Baring Asset Management in London, setzt das Thema Anlegervertrauen in direkte Verbindung mit den Vorgängen in USA und den laufenden Prüfungen der nationalen europäischen Aufsichtsbehörden. „Aber glücklicherweise ist dieses Problem mehr oder weniger auf die USA beschränkt“, sagt er.

Schroders fühlt sich als einer der Vorreiter in Sachen Transparenz. Dieser Trend ist Teil der rapide zunehmenden Regeln für Geldverwalter, etwa im Zuge des gerade in Kraft getretenen Investmentmodernisierungsgesetzes in Deutschland oder von EU-Vorschriften. Und damit werden sich die Gesellschaften in Zukunft immer stärker beschäftigen müssen. Das glauben beispielsweise Nicolas Moreau, Chef von Axa Investment Managers, und Robert Fairbairn, der die IT-Abläufe bei Merrill Lynch Investment Managers Europe steuert. Ähnlich denkt Stefan Jaecklin, Asset-Management-Experte bei der Beratungsgesellschaft Mercer Oliver Wyman. „Die Branche wird beweisen müssen, dass sie zu einer effizienten Selbstregulierung fähig ist, nicht zuletzt um einer möglichen Überregulierung vorzubeugen“, mahnt und warnt er.

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