Handelsplätze in Hamburg und Berlin steigern ihren Umsatz kräftig
Fondsanleger entdecken Order über die Börse

Der Börsenhandel mit offenen Fonds an den beiden Regionalbörsen Hamburg und Berlin wird bei Anlegern immer beliebter. Das geht aus den Orderbuchstatistiken des ersten Quartals 2005 hervor. Demnach betrug der Umsatz der beiden konkurrierenden Fondsbörsen in den Monaten Januar bis März insgesamt über eine halbe Milliarde Euro.

HB DÜSSELDORF. Das entspricht einem Zuwachs von rund 150 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Bereits 2004 handelten Anleger an beiden Fondsbörsen zusammen Fondsanteile im Wert von knapp einer Milliarde Euro.

Anleger profitieren beim Kauf von Investmentfonds über die Börse gleich mehrfach: Sie sparen den Ausgabeaufschlag eines Investmentfonds, der in der Regel bis zu fünf Prozent beträgt. Zudem entrichten Anleger für die Transaktion lediglich die normalen Abwicklungskosten ihrer Bank zuzüglich 0,08 Prozent Maklercourtage. Außerdem können sie die Anteile fortlaufend zwischen 9 und 20 Uhr handeln und mit Limits arbeiten, während die Fondsgesellschaften nur einmal pro Tag einen Rücknahmewert ermitteln. Eine separate Depoteröffnung oder Registrierung ist nicht notwendig. Für die Abwicklung genügt es, beim eigenen Broker oder der Hausbank den entsprechenden Börsenplatz für den Kauf oder Verkauf des Fonds zu wählen.

Die beiden Börsen Berlin und Hamburg bieten seit einigen Jahren Fondsanteile von je über 1 000 offenen Investmentfonds zum Handel wie eine Aktie an. Dazu zählen Aktienfonds ebenso wie Anleihen-, Immobilien- und Geldmarktfonds inländischer und ausländischer Fondsgesellschaften. Die Börsenmakler verpflichten sich, eine Differenz (Spread) zwischen An- und Verkaufskurs von maximal zwei Prozent bei Aktienfonds und maximal einem Prozent bei Anleihen- und Geldmarktfonds zu stellen. Die beliebtesten und damit liquidesten Fonds beider Börsen – etwa die Flaggschifffonds von großen Fondsgesellschaften wie Templeton, DWS oder Fidelity – werden meist mit einem deutlich geringeren Spread von rund 0,3 Prozent, in manchen Fällen gar 0,1 Prozent gehandelt. Zudem garantieren die Makler die Abwicklung zum jeweils aktuellen Spread bis zu einem Ordervolumen von 100 000 Euro.

„Viele Anleger wollen nicht nur den Ausgabeaufschlag sparen, sondern auch auf aktuelle Ereignisse reagieren. Manche Anleger wollen etwa einen Kursrückgang in einer Branche wie Öl oder Pharma zum sofortigen Kauf oder Verkauf von entsprechenden Spezialfonds dieser Branchen nutzen“, sagt Kay Homann von der Börse Hamburg. Gleichwohl kann der an der Börse erzielte Abwicklungskurs dabei auch von dem von den Fondsgesellschaften einmal pro Tag ermittelten Kurs abweichen – vor allem dann, wenn Anleger ohne Limit ordern. „Wir beobachten die Märkte und müssen auch anhand der letzten Bestandsveröffentlichung der Fonds fortlaufend selbst einen aktuellen Rücknahmewert ermitteln, der maßgeblich für unsere Preisstellung ist“, entgegnet Christian Kalischer von dem Hamburger Makler Fairtrade AG.

Die deutschen Fondsgesellschaften geben sich hingegen im Hinblick auf die steigenden Umsatzzahlen der Fondsbörsen zurückhaltend. Die Börsennotiz dieser Fonds durch Makler erfolge, „ohne dass die DWS vorher gefragt wird“, sagt etwa Thomas G. Richter, Sprecher von Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS. Tatsächlich sprechen Makler wie Fairtrade-Vorstand Kalisch von „diversen Bezugsquellen wie Banken und Vermittlern“ für die von ihnen gehandelten Fonds. Direkt kooperiere man lediglich mit kleineren Fondsgesellschaften. Hinter der Zurückhaltung vieler großen Fondsgesellschaften gegenüber den Fondsbörsen steckt die Absicht, die gewachsenen Strukturen der Vertriebskanäle der Fonds über Banken und Vermittler nicht zu gefährden.

Kostenbewussten Anlegern können konkurrierende Vertriebsstellen und Handelsplätze nur recht sein, zumal die Fondsbörsen eine Ausweitung ihres Angebots planen. Mit dem Handel von Investmentfonds versuchen beide Regionalbörsen, den Verlust von Umsätzen und Marktanteilen im klassischen Börsenhandel an den Parkett- und Xetrahandel Frankfurt zu kompensieren. Konkurrenz aus Frankfurt müssen die Regionalbörsen in ihrer Nische derzeit nicht fürchten. Die Deutsche Börse in Frankfurt handelt in ihrem vor gut vier Jahren gegründeten „Xetra Active Fonds“-Segment für aktiv verwaltete Investmentfonds bislang nur zwei Dutzend Fonds. Derzeit offeriert die Börse Berlin rund 1 300 Investmentfonds, die Börse Hamburg 1 100 Fonds, Tendenz: steigend. „Wir werden das Angebot im März kurzfristig auf rund 1500 Fonds erhöhen“, sagt Eva Klose von der Börse Berlin. Auch die Börse Hamburg plant in den kommenden Wochen den Ausbau des Angebots.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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