Hannover Leasing
Happy End für Filmfondsanleger

Über Jahre stritten Hannover Leasing und das Finanzamt München um Verlustzuweisungen für einen Filmfonds. Nun hat der Fondsanbieter einen Musterprozess gewonnen. Doch die Gerichtsentscheidung kann noch gekippt werden.
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DüsseldorfDem Fondsanbieter Hannover Leasing ist es nach eigener Einschätzung gelungen, 13.000 Anlegern Steuervorteile im Volumen von einer Milliarde Euro zu sichern. In einem über Jahre währenden Streit über steuermindernde Verlustzuweisungen für den Filmfonds „Lord of the Rings – Episode II“ gewann die Tochtergesellschaft von Helaba und hessisch-thüringischen Sparkassen am 19. Dezember 2013 einen Musterprozess vor dem Finanzgericht München gegen das Finanzamt München (Az.: 1 K 2603/11). Wie das Handelsblatt berichtet, muss das Finanzamt nun die ursprünglich von Hannover Leasing versprochenen Steuervorteile anerkennen.

„Wir hoffen, dass die Finanzverwaltung unsere übrigen sieben betroffenen Fonds genauso behandelt“, sagt HL-Geschäftsführer Andreas Ahlmann dem Handelsblatt. Zwar ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig, doch Ahlmann rechnet nicht damit, dass das Finanzamt noch einmal versucht, die auf 90 Seiten begründete Gerichtsentscheidung zu kippen. Er stützt sich dabei auf Aussagen von Experten. Das für das Finanzamt zuständige bayerische Landesamt für Steuern äußerte sich auf Anfrage mit dem Hinweis auf das Steuergeheimnis nicht zu den Plänen des Finanzamts.

Das Finanzamt hatte bis zur Klärung des Sachverhaltes Anlegern auf Wunsch Aussetzung der Vollziehung gewährt, also die Steuernachforderungen nicht eingetrieben. Anleger die trotzdem zahlten, muss die Steuerbehörde nun die zu viel gezahlten Steuern plus sechs Prozent Zinsen zurückzahlen.

Das Steuerstundungsmodell Filmfonds erlebte in den Jahren 1998 bis 2005 einen Boom. Die Fonds erreichten ein Volumen von zwölf Milliarden Euro, Hannover Leasing zählte mit 1,9 Milliarden Euro zu den größten Anbietern.

Der Staat wollte den deutschen Film durch Steuersubventionen fördern. Menschen, die sich als Kommanditisten an einem Filmfonds beteiligten, erhielten Verlustzuweisung in Höhe der Einlage, so dass sich ihr zu versteuerndes Einkommen um diesen Betrag verminderte. Als der Staat bemerkte, das ihm zunächst Steuereinahmen in Milliardenhöhe verloren gingen und statt deutschen Filmen Hollywood-Produktionen finanziert wurden, stoppte er die Steuervorteile.

Kommentare zu " Hannover Leasing: Happy End für Filmfondsanleger"

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  • Interessant, bitte dann nennen Sie Namen der Rechtsanwälte/ Anwalt-sozietäten. Haben Sie Belege/hinreichende Gründe zu Ihrer Behauptung/Annahme?

  • @cicero2014,

    Zum Verlustgeschäft wurden Filmfonds wegen der schon fast kriminell zu nennenden Politik des Staates verbindliche Zusagen zum Steuerkonzept im Nachhinein zu canceln.
    Nicht jedes Anlagekonzept ist aufgegangen und neben dne genanten Intiatoren gab es auch weniger seriöse, aber wirtschaftlicher Totalschaden?
    Dafür waren die Steueranreize ja da, damit das wirtschaftliche Risiko aufgefangen werden konnten.
    Das wäre auch ok gewesen, wenn die Produktionen dann nicht ins Ausland abgewandert wären.
    Da die Rendite bei dieser Art Fonds durch extrem kurze und dann niedrige Kapitalbindung bestimmt wurde, ist eine Totalverlust bei steuerlicher Anerkennung eigentlich ausgeschlossen.

  • Das "Happy End" hält sich für die Zeichner von Medienfonds in äußerst engen Grenzen. Selbst wenn das Problem der steuerlichen Nichtanerkennung jetzt vom Tisch sein sollte, bleibt die Tatsache, daß sich fast alle Medienfonds für die Anleger als wirtschaftliche Totalschäden entpuppt haben. Das gilt gleichermaßen für die Medienfonds von Hannover Leasing, KGAL, LHI Kaledo,
    GFP (Wulf-Freund Groenewold) etc. Fast alle Initiatoren haben mit viel Kreativität hunderte von Millionen Euro in
    dubiosen Vertriebskanälen und anderen Netzwerken versickern lassen. Letztlich hat hier eine vorsätzliche und systematische Enteignung der (zugegebenermaßen oft
    naiven) Anleger stattgefunden. Die juristische Aufarbeitung erweist sich wegen der internationalen Verstrickungen leider als äußerst schwierig. Außerdem sind einige Anwaltssozietäten, die von sogenannten Anlegerschutzvereinen empfohlen werden, dabei, in schönster Kumpanei mit den Initiatoren faule Vergleiche zulasten der Anleger auszuhandeln.

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