Harmonisierung gefordert
Bremsklötze für Zertifikate

Im Konflikt um die künftigen Börsenstrukturen in Europa haben sich die Zertifikateemittenten auf die Seite der Europäischen Union geschlagen. Branchenvertreter fordern eine rasche Harmonisierung europäischer Abwicklungssysteme, wie sie EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy vorgeschlagen hat. Die uneinheitlichen Clearing- und Settlementsysteme in Europa werden in der Branche als eines der größten Hindernisse für die weitere Expansion gesehen.

DÜSSELDORF. Zwar können die Anbieter ihre Finanzprodukte seit vergangenem Jahr mit einem einheitlichen europäischen Wertpapierprospekt EU-weit anbieten. Von einem harmonisierten Derivatemarkt ist Europa aber noch weit entfernt. Vor allem die Abwicklung des börslichen Wertpapierhandels gilt als Flaschenhals bei der weiteren Expansion im Ausland. "Wenn das Clearing nicht harmonisiert wird, dürfte das grenzüberschreitende Geschäft schwierig bleiben", sagt Dieter Lendle, Chef des Deutschen Derivate Instituts. Zwar verkaufen die Banken auch in anderen EU-Ländern fleißig Zertifikate. Dazu bedarf es allerdings meist einer eigenen Emission im Land. Einfacher wäre es, wenn alle Kunden aus einer großen Emission bedient würden. Nach Einschätzung Lendles würden dabei - wegen der höheren Liquidität des Handels - die Kosten für die Kunden sinken.

Solche Mehrfachnotierungen an unterschiedlichen europäischen Börsen hält Stefan Armbruster, Chef des Zertifikategeschäfts der Deutschen Bank, noch für Zukunftsmusik. Bisher laufen die Geschäfte mit Ausländern fast ausschließlich außerbörslich.

"Dass es für das Settlement noch keine einheitlichen Standards in der EU gibt, erschwert die Liefermöglichkeiten für Zertifikate. Dazu kommen technische Hindernisse an lokalen Börsen", sagt Gerhard Karl Fuchs, Chef der Rechtsabteilung der UBS Deutschland. Besonders schwierig sei das Clearing in Schweden, wo die Abwicklung wie in Deutschland in den Händen der Börse liege. UBS nutzt Deutschland seit der Umsetzung der Prospektrichtlinie als Basis für Zertifikate-Emissionen in der EU. Fuchs sieht aber noch Hindernisse: "Bankgeschäft ist inzwischen ein Massengeschäft, das über Systeme abgewickelt wird. Daher sollte die Infrastruktur bei der Umsetzung von Gesetzen stärker berücksichtigt werden." Auch Branchenvertreter Lendle verlangt Reformen: "Der EU-Pass greift erst richtig, wenn die Abwicklungsproblematik vom Tisch ist."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%