HCI-Sanierung gescheitert: Schiffsfonds in Schieflage

HCI-Sanierung gescheitert
Schiffsfonds in Schieflage

Der potenzielle Käufer eines Frachters traut der Erholung in der Container-Schifffahrt nicht und springt ab. Anleger sollen nun die Kassen füllen. Doch das hatten sie schon einmal abgelehnt.
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DÜSSELDORF. Abhaken und vergessen, dürfte so mancher Anleger des HCI-Schiffsfonds VIII gedacht haben, nachdem er dem Verkauf des Massengutfrachters "Lake Erie" vor zwei Monaten zugestimmt hatte. Der Verkauf sollte den Fonds sanieren. Doch daraus wurde nichts. Das Schiff ist nicht verkauft worden. Nun sollen die Anleger wieder in den Fonds einzahlen, um ihn zu retten. Das hatten sie schon einmal abgelehnt.

Und so manchem Betroffenen dürfte beim Vergleich der HCI-Schreiben, mit denen erst für die Veräußerung und nun wieder für Einzahlungen geworben wird, ein Lied von Rio Reiser einfallen: "Alles Lüge". Als HCI am 2. Juli die Zustimmung der Fondsgesellschafter für den Verkauf des Schiffes anforderte, schrieben die Hamburger: "Mit dem potenziellen Käufer des Schiffes konnte eine Verlängerung des bindenden Kaufangebotes ... zu unveränderten Konditionen vereinbart werden."

Anleger sollen einen Teil der Ausschüttungen zurückzahlen

Nun sollen die Fondszeichner einen Teil früher erhaltener Ausschüttungen zurückzahlen, denn "der potenzielle Käufer hat aufgrund einer temporären Marktschwäche sein unverbindliches Kaufangebot zurückgezogen." Im Klartext: Weil ein bindendes Kaufangebot plötzlich unverbindlich wurde, sollen die Anleger bis zum Verkauf des Schiffes noch einmal Geld in den Fonds stecken. Eine Stellungnahme von HCI war bis Redaktionsschluss nicht zu erhalten.

Offensichtlich hat der Käufer den Glauben an eine nachhaltige Erholung der Charterraten (Mieten) für Massengutfrachter aufgegeben. Denn profitiert hätte er davon erst ab Februar 2011. So lange läuft der aktuelle Mietvertrag für das Schiff noch.

HCI spricht dagegen unverdrossen davon, dass sich "die grundsätzliche Markterholung weiter fortsetzt". Und außerdem seien charterfreie Schiffe attraktiver für Käufer. Letzterem widerspricht Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert keineswegs: "Es ist aber nicht sicher, dass der Preis nach Ablauf der Charter höher ist als heute." Denn der Preis hängt wie bei einer Immobilie von der Höhe der Miete ab.

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  • na ja, inzwischen (Okotober 2010) haben sich die Charterraten tatsächlich erholt. Und zwar schneller als gedacht. Geschlossene Fonds sind grundsätzlich eine längerfristige Angelgenheit. Und Schiffsfonds sind normalerweise auf mindesten 10 Jahre angelegt.....

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