Hedge-Fonds auf dem Vormarsch
Die Macht der Blockierer

Hedge-Fonds ziehen bei immer mehr Fusionen die Fäden – und verhindern häufig auch Deals. Ihre Strategien werden aggressiver und unberechenbarer. Das Problem: Je mehr Geld die Fonds bei Anlegern einsammeln, desto schwieriger wird es, eine hohe Rendite zu erzielen.

LONDON. Das Muster ist stets das gleiche: Kaum kommen am Markt Gerüchte über eine Übernahme auf, steigen Hedge-Fonds massiv in die Aktie des potenziellen Opfers ein. „Die Fonds kontrollieren am Ende häufig 20 bis 30 Prozent, manchmal auch 50 Prozent der Aktien, das macht sie zum Zünglein an der Waage bei vielen Übernahmen“, erläutert ein Londoner Investmentbanker.

Dabei werden die Fonds aggressiver und unberechenbarer. Ihre Strategien ändern sich, und immer öfter verhindern sie auch Übernahmen und Fusionen. „Früher waren Hedge-Fonds meist ein Vorteil für den Angreifer, heute schlagen sie sich gerne auch auf die Seite des Verteidigers“, sagt der Übernahmeexperte einer amerikanischen Großbank – so wie zuletzt bei den gescheiterten Versuchen, den deutschen Heizungsableser Techem oder die Londoner Börse LSE zu übernehmen.

Die klassische Hedge-Fonds-Strategie im Übernahmegeschäft nennt sich Merger Arbitrage. Die Fonds sichern sich möglichst früh einen Anteil an den Aktien des Übernahmeziels in der Hoffnung auf Kurssteigerungen durch Fusionsphantasie. Bietet der potenzielle Käufer am Ende nicht nur Bargeld, sondern auch oder ausschließlich Aktien, verkaufen die Fonds gleichzeitig Anteile des Bieters, um sich gegen das normale Aktienmarktrisiko abzusichern.

Im vergangenen Jahr brachte diese Strategie den Hedge-Fonds-Investoren eine Rendite von knapp 13 Prozent. Die Fonds profitierten dabei vom Boom im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen, das mit weltweiten Transaktionen im Wert von 3,8 Bill. Dollar einen neuen Rekord erreichte. Die Deutsche Bank geht vor diesem Hintergrund davon aus, dass das verwaltete Vermögen von Merger-Arbitrage-Fonds noch einmal um 20 Prozent steigen wird.

Doch je mehr Geld die Anleger in die Fonds pumpen, desto schwieriger wird es, attraktive Renditen zu erzielen. „Wenn immer mehr Geld in eine begrenzte Zahl von Investitionsmöglichkeiten drängt, wird es schnell eng“, erläutert ein Londoner Banker. Deshalb ändern viele Fonds ihren Ansatz. Aus reinen Merger-Arbitrage-Fonds, die sich meist nur kurzfristig bei Übernahmen engagieren, werden so genannte Event-Driven-Fonds, deren Mandat weniger eng gefasst ist, und die sich einer Vielzahl verschiedener Strategien bedienen können.

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