Hedge-Fonds
Der Mythos verblasst

Hedge-Fonds-Manager müssen sich mittlerweile stärker nach den Interessen der Anleger richten. Investoren sind von mäßigen Renditen und hohen Gebühren enttäuscht.

FRANKFURT. Als Wunderwaffe gegen fallende Kurse wurden Hedge-Fonds noch vor zwei Jahren gepriesen, als erste Produkte nach deutschem Recht aufgelegt wurden. In gleichem Maße, wie sich die Börse wieder erholte, sank jedoch hierzulande das Interesse an diesen Fonds. Wer Anlagerisiken eingehen wollte, investierte oft eher in Aktien, zumal Politiker und die Finanzaufsicht Hedge-Fonds als „hochriskant“ verteufelten. Gegenwärtig sind Investoren zudem von mäßigen Renditen und hohen Gebühren enttäuscht.

Ist damit der vor zwei Jahren angekündigte Hedge-Fonds-Boom vorbei, weil die Produkte nicht den Bedürfnissen der Anleger entsprechen? Was Kritiker suggerieren, widerlegt das weltweit dynamisch wachsende Investitionsvolumen und der sich abzeichnende Wandel von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt. So sind der Branche laut Angaben des Datenanbieters Hedge Fund Research 2005 weltweit mehr als 150 Mrd. US-Dollar zugeflossen, etwa 9 000 Manager verwalten derzeit rund 1,2 Bill. US-Dollar. Auch in Deutschland rücken Hedge-Fonds aufgrund der wachsenden Unsicherheit an den Aktienmärkten wieder stärker in den Fokus. „Anziehendes Interesse beobachten wir vor allem bei sehr vermögenden Privatkunden, Family Offices und Versicherungen“, bestätigt Peter Alex vom Bundesverband Alternative Investments. Bei Versicherern sei während der vergangenen zwölf Monate gar ein Plus bei den Anlagevolumina von gut 60 Prozent zu verzeichnen gewesen. Allerdings liege die Hedge-Fonds-Quote an den gesamten Anlagen mit 0,4 Prozent noch weit unter der vom Gesetzgeber zugelassenen Grenze von fünf Prozent.

Hedge-Fonds geraten mittlerweile unter Druck, die Bedürfnisse der Investoren ernst zu nehmen. „Pflegten viele Manager lange den Mythos einer Geheimwissenschaft, sind vor allem Institutionelle und Familiy Offices nicht mehr bereit, den Unfehlbarkeitsstatus der Manager zu akzeptieren und in Black-Box-Strukturen zu investieren“, sagt Martin Klöck von Signina Capital, einer unter anderem auf Hedge-Fonds spezialisierten Schweizer Finanzboutique. Zurückzuführen sei dies auf das wachsende Know-how und Risikobewusstsein bei Investoren und deren Beratern. Zudem seien viele Manager stärker auf Wachstum angewiesen. Eine Ursache seien die hohen Kosten aufgrund regulatorischer Anforderungen in den USA, die durch Mehrerträge finanziert werden müssten. Hinzu kommt, dass Hedge-Fonds einem stärkeren Wettbewerb ausgesetzt sind, nachdem klassische Investmentfonds durch erweiterte Anlagemöglichkeiten ähnliche Strategien anbieten. Dass die Branche im Hinblick auf Transparenz vor einem Wendepunkt steht, belegt eine Studie des US-Vermögensverwalters State Street. Rund die Hälfte der befragten Institutionellen gab an, 2006 erstmals in Hedge-Fonds investieren zu wollen, wobei transparente Fonds von dieser Gruppe präferiert werden. Auch bei der Ausgestaltung der Portfolios kommen Anlegerwünsche stärker zum Tragen.

Weiterhin in der Kritik stehen die hohen Gebühren. So werden auf Ebene des Zielfonds jährliche Verwaltungskosten von rund zwei Prozent und erfolgsabhängige Gebühren von 20 Prozent der erwirtschafteten Gewinne in Rechnung gestellt. Auf Dachfondsebene sind international zusätzlich Verwaltungskosten von einem Prozent und Performance-Gebühren von zehn Prozent üblich, wobei in Deutschland bei Dachfonds häufig zwei Prozent beziehungsweise 15 bis 20 Prozent anfallen. Inzwischen herrscht allerdings ein Preisdruck, dem sich nur Top-Adressen entziehen können.

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