Hedge-Fonds: Dunkle Macht der Wall Street

Hedge-Fonds
Dunkle Macht der Wall Street

Es wird wieder kräftig spekuliert: Hedge-Fonds-Manager werden dieses Jahr erneut ein Volumen von mehr als zwei Billionen Dollar investieren - ein neues Allzeithoch. Alle Regulierungsversuche sind bisher gescheitert.
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Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise wandte sich Angela Merkel beschwörend an die Regierungschefs der 20 größten Industriestaaten. „Jedes Finanzmarktprodukt, jeder Finanzplatz und jede Finanzinstitution muss Regeln unterworfen werden, und zwar weltweit“, so die Bundeskanzlerin im September 2009 unmittelbar vor dem G20-Gipfel in Pittsburgh. Nie wieder sollten Finanzspekulanten die Weltwirtschaft in den Abgrund stürzen dürfen.

Gut zwei Jahre und vier G20-Gipfel später ist die Welt von einer effektiven Regulierung der sogenannten Schattenbanken weit entfernt: Hedge-Fonds und ausgelagerte Zweckgesellschaften von Banken verfügen nach Schätzung des Baseler Financial Stability Boards über mehr Finanzkraft als je zuvor. Rund 60 Billionen Dollar sind außerhalb des regulären Banksystems angelegt.

Entgegen der ursprünglichen Zielsetzung hat die Politik die Aktivitäten der Hedge-Fonds nicht zügeln können. Die Fonds, die mit riskanten Wetten möglichst hohe Renditen erzielen wollen, werden in diesem Jahr so viel Geld einsetzen können wie noch nie.

Die Deutsche Bank geht davon aus, dass die Mittelzuflüsse 2012 um 13 Prozent auf dann 2,3 Billionen Dollar steigen werden. Das bisherige Hoch aus dem Jahr 2007 lag bei 2,2 Billionen Dollar. Auch die Credit Suisse veröffentlichte gestern eine Erhebung unter mehr als 600 institutionellen Investoren. Demnach erwarten die Anleger 2012 ein weltweites Hedge-Fonds-Volumen von 2,13 Billionen Dollar.

Hedge-Fonds-Manager wie der legendäre Investor George Soros spekulieren mit speziellen Finanzinstrumenten auf steigende oder fallende Kurse von Aktien, Anleihen, Devisen oder auch Rohstoffe. Da sie wie auch andere Akteure der Schattenbankenwelt nicht selten mit Kredithebeln arbeiten, kann ein Scheitern ihrer Wetten zu Ansteckungseffekten führen, die „am Ende das ganze Finanzsystem gefährden“, warnt Otmar Issing, früher EZB-Chefvolkswirt und heute Leiter der Kommission zur Finanzregulierung, in einem Handelsblatt-Gastbeitrag.

Issing fordert „eine systemische Risikoabgabe, vergleichbar der deutschen Bankenabgabe“, für alle Schattenbanken. Außerdem plädiert er dafür, bei der EZB eine Institution anzusiedeln, die sich der „Überwachung des systemischen Risikos“ widmet.

Kommentare zu " Hedge-Fonds: Dunkle Macht der Wall Street"

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  • KALABRISCHE VERHÄLTNISSE.
    Danke, danke für Ihren Kommentar.
    Aber bei der Menge an Dreck in allen
    Elementen der EUROPÄISCHER POLITIK kann man
    nicht mehr alles in einen Kommentar packen.
    DA BRAUCHT MAN ECHT HILFE!

  • Einfach mal über Offshore-Gebiete nachdenken. In der Schweiz hatte der deutsche Geldadel 2011 zwischen 130 und 280 Mrd. Euro Schwarzgeld gebunkert.
    google: offshore company - 8 Mill. Ergebnisse
    Da findet man dann auch zertifizierte Hilfe in Deutschland, sollte man paar Mrd. Euro übrig haben.

    Wußten Sie eigentlich, daß Luxemburg ein Offshore-Hafen ist? Und Jean-Claude Juncker Chef der Euro-Gruppe?
    Oder daß Nicolas Sarkozy von Amts wegen "Kofürst" des Offshore-Hafens Andorra ist? Dabei liegt Andorra mitten in der EU, ist jedoch kein Mitglied.

    In den Offshore-Gebieten sollten viele Billionen Eiro und Dollar Schwarzgeld gebunkert sein.
    Und 90 Prozent aller Hedgefonds sind auf den Caiman-Inseln ansässig.

    Zählt man 1 und 1 zusammen, dann spekulieren viele Hedge Fonds gegen Europa mit hinterzogenen Schwarzgeld aus Deutschland, während hier Rettungschirme abgezwackt werden.

  • Was hat man eigentlich anderes erwartet, wenn diesen
    Money-Junkies auch noch die Unterstützung durch Rettungs-
    schirme und direkt durch die EZB gewährt wird?
    Geschäfte und Spekulationen ohne Risiko, davon kann man
    in der freien Wirtschaft nur träumen!!!

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